Tupolev Tu-22 M3  Trumpeter 1/72

 

Am 7. September 1958 hatte die „Ur“- Tu-22 (Projekt 105) ihren Erstflug. Die sowjetischen Luftstreitkräfte erhielten damit ihren Überschallbomber. Doch dieses im Westen als „Blinder“ bekannte Flugzeug erfüllte keine der Erwartungen: Zu geringe Reichweite, zu geringe Geschwindigkeit, zu geringe und unflexible Waffenlast – dieser Typ konnte bei Weitem nicht wie geplant die legendäre Tu-16 ersetzen, höchstens ergänzen. Tupolev‘s Renomee war ordentlich angekratzt – und so kam es recht schnell zu Überlegungen einer völligen Neuentwicklung. Die Projekte „106“ und „125“ wurden schnell aufgegeben, da auch sie kein größeres Potential versprachen. 1965 ( die gerade eingeführten Tu-22 waren gerade mal wieder komplett gegroundet) begannen die Arbeiten an einem völlig neuen Projekt – dem Flugzeug 145. Mitte der 60er war die Zeit der praktischen Einführung der Schwenkflügel und genau davon sowie neuen Triebwerken und einer völlig neuentwickelten Zelle sollte der neue Bomber profitieren. Die Neukonstruktion erfolgte aber ohne staatlichen Auftrag, und da Tupolev ob der gerade erst eingeführten enttäuschenden Tu-22 sowieso in Erklärungsnot war, erklärte man das ganze Program zu einer „radikalen Modernisierung“ der Tu-22. Damit war dann auch die offizielle Bezeichnung geboren: „Tu-22M“ – eine ganz bewusste Irreführung Tupolevs, welche gar nicht dem Westen, sondern den eigenen Auftraggebern galt ! Angepeilte Leistungseckdaten waren 1100km/h in Bodennähe, 2500-2700km/h in 14500m Höhe, Marschgeschwindigkeit 2200km/h und Reichweiten von 10.000km bei Unterschall- und 4000km bei Überschallgeschwindigkeit bei einem Startgewicht von 105 Tonnen. Das waren extrem optimistische Werte. Ab November 1967 wurde das Ganze zu einem offiziellem Auftrag der neuen „Tu-22“, die Leistungsdaten waren nun schon deutlich nach unten korrigiert. Im August 1969 schließlich erfolgte das Rollout der ersten Tu-22M0. Im völlig neuen Rumpf saßen nun vier Besatzungsmitglieder jeweils zu zweit nebeneinander in einem geräumigen Cockpit, die Luftversorgung der nun herkömmlich im Rumpf angeordneten NK-144 Triebwerke übernahmen zwei riesige seitliche Lufteinläufe die prinzipiell denen der F-4 „Phantom II“ entsprachen. Insgesamt sah das Flugzeug noch sehr „ungehobelt“ aus – und dem entsprachen die erreichten Leistungsdaten, welche wieder in keinster Weise die Erwartungen erfüllten. Es folgten bis Ende 1972 9 leicht abgeänderte Exemplare mit der Bezeichnung M1, welche aber nicht in die Bewaffnung eingeführt wurden sondern vielmehr als Test- und Trainingsmaschinen dienten. Im Frühjahr 1973 hatte dann die verbesserte M2 mit NK-22 Triebwerken ihren Erstflug und wurde bis 1983 in 211 Exemplaren gebaut. Zwar immer noch von den geforderten Leistungsdaten entfernt, war sie dennoch eine wesentlich effektivere Waffenplattform als die „Blinder“. Neben bis zu 24t Freifallbomben war das Hauptwaffensystem die KH-22 Lenkwaffen, von denen insgesamt 3 Stück mitgeführt wurden. Gerade für Trägerkampfgruppen und die vielen Nato-Stützpunkte wurde die Tu-22M zu einer echten Herausforderung: Ein überschallschnelles Bombenflugzeug welches überschallschnelle Abstandswaffen abfeuern konnte war eine ernste Gefahr. Dazu kam, das die M2 nun auch im Tiefflug via Geländefolgeradar operieren konnte und mit modernen Laser-Zielgeräten ausgerüstet war. Der Westen – und auch viele östliche Länder - nannte diese Flugzeuge ganz realistisch lange Jahre „Tu-26“ und lag damit besser als die eigentlichen Urheber ! Tupolev sah noch mehr Potential in diesem Entwurf und es folgten weitere Verbesserungen in Sachen Leergewicht, Aerodynamik und vor allem den neuen effektiveren und wirtschaftlicheren NK-25 Triebwerken. All dies änderte das Aussehen nochmals radikal: ein völlig neues Radom und neue modernere Lufteinläufe machten das Ganze nun auch äußerlich zu einem rassigen Flugzeug – aber auch die Leistungsdaten wurden nun erheblich verbessert. Nun wurden tatsächlich 2300km/h erreicht bei noch höheren Reichweiten, dazu kam eine ganze Palette neuer Waffensysteme. 2,2 mal effizienter als die M2 - so schätzte die sowjetische Luftwaffe diese als M3 bezeichnete Endversion des Projektes „145“ ein. 268 Tu-22 M3 wurden ab 1977bis 1984 gebaut und stellen auch bis heute den wichtigsten Überschallbomber der inzwischen russischen Luftstreitkräfte dar. Für Tupolev dürfte die ganze Tu-22 Geschichte ein erhebliches Lehrstück gewesen sein - für die Tu-160 schließlich nutzte er dann einen Entwurf von Mjasstischew.

 

Inflation macht sich nicht bei Bausätzen bemerkbar – das war einer meiner Gedanken als ich den Inhalt der Tu-22M von Trumpeter erstmals zu Gesicht bekam. Es war nicht wenig Geld, was ich vor Jahren für die entsprechenden Kits von Esci hingelegt habe – die Tu-22M2 & M3 musste ich haben, vor allem die M3. Was dann folgte, waren jahrelange Überlegungen, wie man daraus ein halbwegs originalgetreues Modell seines Vorbildes bauen könnte. Besonders die jahrelangen intensiven, umfangreichen und durchaus „qualvollen“ – aber bis heut nicht beendeten Umbauarbeiten eines Modellbaufreundes an einem solchen Bausatz ließen diese Kartons bei mir verstauben. Trumpeter aber hat vor Nichts Angst – und voller Enthusiasmus, aber teilweise mit verbundenen Augen, nahmen man sich hier dieser beiden speziellen Modelle an. Beide prall gefüllten Bausätze unterscheiden sich nur in den entsprechenden Details, was vor allem die Lufteinläufe, Tragflächen und das Seitenleitwerk betrifft. Rein geometrisch sind beide Modelle in ihren Grundmaßen korrekt. Bei näherer Betrachtung finden sich dann originalgetreu umgesetzte Details wie Radom und Rumpfvorderteil, schlampige Fehler wie völlig falsche Schleudersitze und vertauschte Instrumentendecals, viele ordentliche und vorbildgetreue und auch so einige falsche Gravuren, umfangreiche Beigabe von Lenkwaffen und Bewaffnung (Modelle für sich !) aber auch ein schwerwiegender Fehler im konstruktiven Aufbau der Form auf welchem die deutlich falsche Rumpfausbeulung der Luftkanäle zurückzuführen sind. Dennoch – sowohl die M2 wie auch die M3 finden hier eine Basis, aus der mit Eigeninitiative und Unterstützung durch die Zubehörindustrie ein stimmiges Modell dieses bis heute wichtigen und einzigartigen strategischen Bombers bauen lässt. Für mich stand von Anfang fest, das es eine M3 werden sollte.
Solch ein Modell sollte man zunächst mal im Groben trocken zusammen fügen, um sich über Bauablauf, Größe (Gesamtlänge ca. 60cm) aber auch Problemzonen im Klaren zu werden. Spätestens jetzt wird man die Anleitung von Trumpeter endgültig weglegen: Die dort geschilderte Vorgehensweise kann zu nichts Anderem als einem gründlichen Fiasko führen. Ich habe die Montage in drei wesentliche Hauptbaugruppen gegliedert: Rumpfbug, Hinterrumpf mit Lufteinläufen, festen Innenflächen und Seitenleitwerk sowie den äußeren, beweglichen Flächen. Dazu gesellen sich dann die kleineren und separaten „Baustellen“ wie Fahrwerke, Nachbrenner und Bewaffnung.

 

Das Cockpit ist dann auch die erste Aufgabe. Hier legt Trumpeter ganz gut und originalgetreu vor: Richtige Aufteilung, schöne Seitenpaneele, eine tolle Mittelkonsole einfach gestaltete Frontpaneele und eigentlich schöne Instrumentendecals. Warum man die nun komplett vertauscht und das vordere an das hintere Paneel angepasst hat und umgedreht, das lässt sich wohl wirklich nur mit Schlamperei umschreiben. Aber, diese Decals lassen sich dennoch bestens verwenden. Ich habe zunächst die Frontpaneele nach Fotos mit Plastikmaterial aufgebaut um das Ganze realistischer wirken zu lassen. Als Grundfarbe eignet sich hier wie im ganzen Cockpitbereich ganz hervorragend „Russian Su-27 Blue/Grey“ X603 von Xtracolor. Aus den vertauschten Decals habe ich mir nun die Instrumente einzeln ausgeschnitten und entsprechend aufgebracht. Einige Instrumente und Details entstanden dabei im Eigenbau. Mit den K-36 Schleudersitzen hat sich Trumpeter ganz große Mühe gegeben – nur gehören die in keine Tu-22. Darauf möchte kein Pilot in stundenlanger Mission sitzen, hier kamen die bewährten und bequemeren KT-1M zum Einsatz. Sozusagen als „Demo“ habe ich diese ansatzweise mit etwas Plastiksheet annähernd zu soetwas Ähnlichem wie einem KT-1M modifiziert und als Anregung im fertigen Cockpit provisorisch eingesetzt – denn die tollen KT-1M von Neomega sind nicht ganz einfach zu bekommen. Am besten geht das noch per Direktbezug von Lindenhill, wo man auch gleich noch die Räder von Equipage und Markierungen von Authentic Decals mitbestellen kann, doch dazu später. Ich habe dann gleich noch auf das vordere Cockpitpaneel die fertig lackierte Abdeckung geklebt, welche noch nach Fotos mittels Plastik und lackierten Tapestreifen verfeinert wurde.

 

Die Rumpfschalen des Vorderrumpfes stellen den nächsten Bauabschnitt dar. In die untere Hälfte sind hier Bugfahrwerksschacht, das FLIR/DLIR/Laser-System sowie ordentlich Ballast zu montieren. Für das FLIR habe ich aus Plastiksheet einen abgegrenzten Raum gebaut, im welchen eine auf Vorbildfotos deutlich erkennbare Scheibe montiert wurde. Richtig schön dargestellt hat Trumpeter den Bugfahrwerksschacht – in wie weit der so Vorbildgetreu ist, konnte ich an Hand meiner Vorlagen nicht beurteilen. Ich habe den Schacht nach Bauplan montiert und eine „unterstreichende“ Farbgebung spendiert. Der Cockpitbereich des Oberteiles wurde zunächst in einem Mittelgrau lackiert und erhielt dann Details aus Plastik und Draht. Der Bereich um die Frontscheiben wurde schwarz lackiert, dann habe ich hier die bereits innen lackierte Frontverglasung eingeklebt. Diese passt ganz gut, etwas Nacharbeit aber lässt sich kaum umgehen. Ganz wichtig ist es hier, einen kleinen, aber auffälligen Detailfehler zu beheben: Die hintere Hälfte der seitlichen Verglasung steigt am Original nach oben an, Trumpeter führt den Kanzelrahmen einfach horizontal gerade weiter nach hinten. Das fällt am Modell dann doch deutlich auf. Beheben lässt sich das ganz einfach: nach der Montage des Klarsichtteils den Verlauf entsprechend maskieren, aufspachteln und verschleifen. Bevor nun die Cockpitsektion in das Rumpfunterteil (oder Oberteil) eingeklebt wird, sollte auf jeden Fall noch einmal eine Trockenpassung vorgenommen und eventuell Material abgefeilt werden, um übermäßige Spannungen zu vermeiden. Die Klebenaht beider Rumpfteile wurde gründlich überschliffen, dann erhielt der Vorderrumpf einige Korrekturen der Gravuren, welche am Bausatz so nicht ganz dem Vorbild entsprechen. Am Vorderrumpf sind auch einige recht voluminöse Aussparungen für die Antennen und Pitotrohre vorhanden. Da diese im Bausatz allesamt viel zu dick sind, habe ich diese aus Ätzteilresten und Plastik gleich neu erstellt und in diese Aussparungen mittels Sekundenkleber eingelassen. So entstehen Antennen und Pitotrohre, welche originalgetreuer und auch extrem stabiler sind. In das sehr gut modellierte, große Radom wurden die beiden oberen Scheinwerfer für die einst geplante Tanksonde eingeklebt und deren Auswulstungen abgeschliffen – am Original schließen diese plan mit der Aussenhaut ab, sie liegen sogar ganz leicht vertieft. Das Radom passt ganz gut an den Vorderrumpf, nach der Montage habe ich hier nun noch die an der linken Seite liegende große und auffällige Wartungsklappe eingraviert. Der Vorderrumpf kann nun für längerer Zeit bei Seite gelegt werden – denn nun geht es sozusagen durch das „Tal der Tränen“...

Der Hinterrumpf fällt am Original vor allem durch seine seitliche Ausbeulung auf. Diese resultiert konstruktiv aus den Luftkanälen und zieht sich von den Lufteinläufen bis in das hintere Drittel des Rumpfes. Form und Verlauf dieser Ausbeulung sind dabei am Modell leider völlig falsch dargestellt und trüben den Gesamteindruck eines realistischen Modells einfach zu sehr. Seitenrisse helfen hier gar nicht weiter, da ist diese Ausbeulung nicht einmal sichtbar. Wichtig sind hier entsprechende Vorbildfotos aus der Schrägen Perspektive von Vorne und Hinten. Das ganze Problem lässt sich in Worten kaum beschreiben, ich kann hier wirklich nur auf den Vergleich mit Vorbildfotos verweisen. Um diesen Fehler beheben zu können, müssen die Lufteinläufe bereits am Hinterrumpf montiert sein, da diese mit einbezogen werden müssen. Also habe ich zuerst die Lufteinläufe selbst montiert und dabei gleich die deutlich sichtbaren Einlauframpen aus Plastiksheet eingebaut. Trumpeter hat hier gar nichts vorgesehen und lenkt den Blick des Betrachters direkt in den Innenraum bis zu den Wänden der Hauptfahrwerksschächte. Am Unterteil des Hinterrumpfes wurden die eingebauten Hauptfahrwerksschächte mit schwarz gefärbten Andeutungen der Luftkanäle versehen, welche aus dünnem und biegbarem Plastiksheet entstanden. So schön wie die Hauptfahrwerksschächte nun auch detailliert sind – diese sind am Original am Boden fast immer verschlossen, den Aufwand hätte sich Trumpeter an dieser Stelle sparen sollen und stattdessen die Lufteinläufe innen besser gestalten sollen. Wichtig ist es hier in diesem Bereich an eine stabile Verbindung mit den Tragflächenmittelstücken zu denken. Ich habe hier Löcher gebohrt und 1mm starke Edelstahldrähte eingesetzt um für eine stabile Verbindung zu sorgen. Dazu kamen noch angepasste Querverstrebungen aus starken Plastik um die Unterschale schon jetzt in die richtige Passform für die Montage mit dem Oberteil zu zwingen. Der Waffenschacht ist von Trumpeter mit großem Aufwand bedacht wurden, hierfür ist immerhin die komplette Nachbildung der Revolverabschussanlage mit 6 CH-15 Marschflugkörpern gedacht – ein Modell im Modell ! –Bei der M2 ist diese Option übrigens völlig falsch, sie hatte diese Anlage nicht. Da ich beide Bausätze hatte und Trumpeter bei beiden Varianten diese Option fälschlicherweise bietet, habe ich mich für eine externe Nachbildung des Waffenschachtes samst Revolveranlage entschieden. Am Modell bedeutet das, daß nur das Oberteil des Waffenschachtes eingeklebt werden muss um eine Basis für die geschlossenen Schachtklappen zu haben.  Am Heck wurden die Aufnahmen für die Schubrohre nach Außen erweitert um deren richtige Neigung nach Innen zu bewerkstelligen, was Trumpeter überhaupt nicht bedacht hat. Dabei habe ich dann gleich noch den Treibstoffnotablass nachgebildet. Nun kann das Ober- mit dem Unterteil des Hinterrumpfes miteinander verklebt werden. Dann habe ich die Waffenschachtklappen montiert. Um diese wirklich sauber und stossfrei montieren zu können, habe ich mit Auflagen aus Plastiksheet nachgeholfen. Wer an dieser Stelle eine der KH-22 Lenkwaffen unterbringen möchte, für den bietet Trumpeter übrigens auch die entsprechende Option der nötigen Aussparung an. Im vorderen Bereich bietet Trumpeter eine sehr gut gelöste Montagehilfte für die richtige Anpassung zum Rumpfvorderteil an, welche 100%tig passt: ein Steg zwischen Ober- und Unterteil sorgt hier für den richtigen Abstand. Hier habe ich jetzt auch die Seitenteile mit den zusätzlichen Ansaugöffnungen eingeklebt, wobei aber erhebliche Nacharbeit nötig ist. Nun hatte ich das Hinterteil fast komplett vor mir – und stand an meinem persönlichen „Scheideweg“: Bekomme ich die Korrektur der deutlich sichtbar falschen Ausbeulung hin ? Hier möchte ich ausdrücklich meinem Modellbaufreund Jörg danken – „Mache es – Du kennst nun den Fehler und wirst Dich hinterher immer ärgern, es nicht getan zu haben“ Ja, genauso ist das nämlich. Anderseits muss bedacht werden, was man sich hier damit antut. Großflächig muss aufgespachtelt und neu ausgeformt werden, jede Menge schöner Gravuren verschwinden völlig und müssen auf Spachtelmasse neu erstellt werden. Hier geht es mal nicht eben um die Korrektur eines falschen Radoms oder einer Profilaufdickung, nein hier wird die komplette äußere Formgebung geändert. Ob man das tut, kann man nur für sich selbst entscheiden – hier zählt alleine der eigene Anspruch denn die meisten Betrachter kennen das Original nicht wirklich. Na, Jörg hat mir den letzten Anschub gegeben und ich habe die nächsten 4 Wochen an den einen Stellen aufgespachtelt (KFZ-Spachtel von Nigrin) und an anderer Stelle mit Schlüsselfeilen abgefeilt, geschliffen und nachgespachtelt, verglichen und wieder korrigiert und alle Bereiche neu graviert. Die Schwierigkeit besteht vor allem darin, das die neuen Wulste ebenmäßige Oberflächen haben und auf beiden Seiten identisch ausgeformt sind. Für mich selbst war das eine neue modellbauerische Erfahrung und der eigentliche „zentrale“ Bauschwerpunkt. Nebenbei wurden noch sämtliche Lufthutzen mit Skalpell und Feile geöffnet.

Flächen und Leitwerke wurden dabei separat montiert und modifiziert. Besonderes Augenmerk liegt hier auf den festen Tragflächeninnenteilen. Geometrisch richtig haben sie vor allem einen Hauptfehler: die Öffnung für die beweglichen Flächen sind viel zu groß. Lässt man hier Alles ungeändert, würden die beweglichen Flächen in einer viel zu großen Öffnung schön hin- und her schlackern und dabei deutlichst nach unten durchhängen. Ich habe daher die Innenteile von innen her aufgefüttert und durch Schleifen genau auf die beweglichen Außenflächen angepasst. Entsprechend dieser Anfütterung wurden die Flächen außen flacher geschliffen und auch der falsche Knick an der äußeren Nasenkante dabei gleich mit entschärft. Ebenso wurden die Grenzschichtzäune deutlich dünner und flacher gefeilt. Erst nach deren Montage an den Rumpf können die Klappen der Fahrwerksschächte montiert werden, auch hier sind Auflagehilfen in Form von Plastiksheet von Vorteil. Die äußeren Tragflächen und Höhenleitwerke dagegen benötigen keinerlei Nacharbeit. Tatsächlich passen hier alle Klappen, Vorflügel und Spoiler wie angegossen – eingefahren wie auch ausgefahren! – bedenken aber sollte man, das am Boden schon alleine aus Platzgründen die Flächen immer voll zurück geschwenkt sind und deshalb keinerlei Klappen ausgefahren sind … Ich habe nur Posilampen und Statikentlader hinzugefügt. Am Seitenleitwerk müssen lediglich ein paar Gravuren geändert werden – da diese genau den Bereich der farbig abgesetzten Antennenbereiche betreffen, ist dies doch recht auffällig. Für den ausgebeulten Bereich der Verkleidung des Kanonenstandes liegen hier völlig richtig und gut umgesetzt je nach Bausatz für die M2 und M3 unterschiedliche Teile bei. Deren Montage und Anpassung am Leitwerk ist recht problemlos. Der Kanonenstand selbst ist sehr gut umgesetzt, ich habe nur die Rohre selbst aus Kanülen und Plastik neu gestaltet. Schön dargestellt sind das Heckradom und das dazugehörige Schutzblech zur Kanone. Gut und passend dargestellt auch das Seitenruder.

 

Die Rumpfmontage erfolgte recht „unklassisch“. Zentrales Teil ist dabei der ummodellierte Hinterrumpf mit den Lufteinläufen. Die Lufteinläufe habe ich bereits vorher an den Hinterrumpf geklebt, da die Neumodellierung sich bis in deren Bereich erstreckt. Danach wurde das Seitenleitwerk, dann die festen Tragflächenmittelteile montiert. Hier fallen einige Spachtelarbeiten beim Flächen-Rumpfübergang an. Nun können die Hauptfahrwerksklappen im geschlossenen Zustand montiert werden, da die festen Flächenstücke regelrecht in den Fahrwerksschächten integriert sind. Erst jetzt wurde der Rumpfbug an das Hinterteil geklebt. Dabei muss vorsichtig gearbeitet werden, da der hintere Teil des Rumpfbuges sehr knapp zwischen den Einläufen eingefädelt werden muss.
Die Nachbrenner sind groß und auffällig. Trumpeter hat sie im wesentlichen richtig, aber doch recht einfach dargestellt. Am Original sind die Schubdüsen deutlich nach innen geneigt, was vom Bausatz überhaupt nicht berücksichtigt wird. Die Nachbrennerringe habe ich zunächst innen ordentlich ausgeschliffen und dann beidseitig graviert. Um den korrekten Einbauwinkel zu bewerkstelligen, wurden diese Teile dann von unten mit Plastiksheet angefüttert und nun entsprechend schräg angefeilt. Die Lackierung erfolgte mit Alclad-Farben, ein zusätzlicher Ring aus Plastiksheet vervollständigt die Schubdüsen.
Die Fahrwerke hat Trumpeter gut umgesetzt, wenn auch mit kleinen Fehlern. Die Hauptfahrwerksbeine lassen sich nicht wirklich montieren da die Stützstreben einfach in der Luft hängen würden. Die Abhilfe ist einfach: Die Streben am äußeren Ende trennen und die Obere mit einem kräftigen Stahldraht verlängern. Über eine entsprechende Bohrung im Fahrwerksschacht kann nun auch diese Strebe stabil und in korrekter Position fixiert werden, womit das Ganze auch stabil genug für das doch recht schwere Modell ist. Das Bugfahrwerksbein ist im unteren Bereich falsch dargestellt. Der Bereich wurde abgetrennt, geändert und mittels einer starken Kanüle auch gleich noch drehbar neu montiert. Die Bausatzräder sind völlig falsch, hier kommen die Resin/Gummiräder von Equipage zum Einsatz. Dazu werden alle Achsen an den Fahrwerken entfernt und durch Stahldraht ersetzt. Hier muss genau und sauber gearbeitet werden, schließlich sollen alle 14 Räder später den Boden berühren. Kleiner Tipp dazu: Löcher für die Achsen am Fahrwerk dazu etwas größer bohren, so das die Achsen etwas Spiel haben. Ein paar Zehntel Millimeter Unterschied reichen um etwaige Ungenauigkeiten problemlos ausgleichen zu können. Ein paar Leitungen aus Draht und die die anschließende Lackierung vervollständigen die Fahrwerke.

Die Flügeltüren haben dem Original den Spitznamen „Mercedes Of The Russian Bombers“ eingebracht. Diese Türen sind im Bausatz gerade an den Innenseiten sehr schön detailliert. Außen habe ich hier die zu kräftigen Bleche entfernt und durch Plastiksheet ersetzt. Bei geöffneten Türen ragen noch deutlich sichtbare Hebel heraus. Dazu habe ich eine kräftige Gravur eingefügt und die Hebel durch Draht dargestellt. Die Türen wurden zunächst innen lackiert, dann die Scheiben eingeklebt und plan mit der äußeren Oberfläche überschliffen.
Die Bewaffnung bietet viele Optionen: 18 FAB-250 Bomben an zwei MBD3-U9-68 Trägern, zwei KH-22 Lenkwaffen welche an zwei BD-45K Pylone oder am Unterrumpf befestigt werden, dazu noch 6 KH-15 Marschflugkörper mit kompletten MKU-6-1 Revolverstarter im Waffenschacht. Den Waffenschacht mit dem Revolverstarter habe ich extern dargestellt, im Modell selbst würde er nicht mehr zu sehen sein. Die KH-22 von Trumpeter müssen modifiziert werden: im unteren Bereich stimmt der Leitungskanal und die Finne so nicht. Hier habe ich mit Gusasst und Plastiksheet nachgeholfen. Die jeweils untere Flosse ist am Original schwenkbar und ist am Pylon nach rechts eingeschwenkt. Auf Fotos sieht man die M3 oft mit nur einer KH-22 beladen, diese befindet sich dann meistens an der linken Station. Die Farbgebung gibt Hinweis auf die Variante: Rot oder rote Streifen betreffen Übungs-Dummys, ein Grünes Radom weist auf die Anti-Schiff Variante hin, während in Naturmetall belassene Radome auf Land- oder Antiradar Varianten hinweisen. Die BD-45 Pylone müssen vorn etwas ausgerundet werden, um eine KH-22 anzuhängen müssen die abgespreizten Halter innen erheblich abgefeilt werden. Die zweite KH-22 habe ich auf einen selbstgebauten Transportwagen montiert, ebenso eine der 6 KH-15. Der Bauanleitung sollte man jedenfalls nicht folgen – deren Beladung mit allen vorhandenen Waffen ist unrealistisch.

Die Lackierung ist gar nicht so „Ohne“ – da ist zum einen die Modellgröße an sich, zum anderen nicht genau definierbare Farbtöne und dann noch von Exemplar zu Exemplar unterschiedliche Farbabgrenzungen, welche genau studiert sein wollen. Ich habe mehrere diverse Grautöne ausprobiert, andere angemischt. Letztlich fiel meine Wahl auf ein Gemisch aus ModelMaster Flint Grey 36314 und Dark Grey 36176. Die Unterseiten wurden mit Revell SM371 lackiert, welches mit Revell 301 aufgehellt wurde. Diverse Paneele , Nietreihen und Gravuren wurden vorher farblich betont, besonders auffällig sind am Original dabei immer die Nietreihen der Lufteinläufe sowie Wartungsklappen am Heckstand. Beim Verlauf der Farbgrenzen gibt es am Original einige Varianten, bei der von mir gewählten muss beachtet werden, das diese nicht geradlinig zum Hinterrumpf verläuft, sondern mit einem leichten Knick im hinteren Drittel nach oben ansteigt. Die weisen Antennenverkleidungen sowie in Metall gehaltenen Nasenkanten von Leitwerken und festen Tragflügel wurden maskiert und ebenfalls mit der Airbrush auflackiert.
Die Decals bringen noch mal ordentlich Probleme mit sich – das muss wohl bei Modellen mit dem Roten Stern so sein. Am Trumpeter-Bogen ist zwar das Nötigste vorhanden, aber das meiste einfach zu groß. Abhilfe kommt hier von Authentic Decals mit zwei prall gefüllten Bögen: Slogans, Stencils für Flugzeug und Bewaffnung in Hülle und Fülle, dazu Kennungen und Hoheitsabzeichen. Der Druck ist sehr gut – aber meine Decals zerfielen auch bei sparsamsten Wassereinsatz zu nicht mehr verarbeitbaren Trümmerstücken. Gut, das ich das vorher mit nicht benötigten Decals getestet hatte. So versiegelte ich nun erst mal alle Decals mit Gunze Mr. Metal Primer. Verwenden lassen sich vor allem die Decals für die Ch-15 Marschflugkörper sowie je nach Wahl Kennzahlen und Slogans. Ich habe mich dabei für die „Rote 50“ der 185. GvTBAP, Maj. V.I. Bandyukow, vom Dezember 1988 entschieden – ein Exemplar mit Einsatzmarkierungen aus dem Afghanistankrieg. Die über 300 Stencils dieses Bogens sind schlichtweg zum großen Teil aktionistische Phantasie: auf absolut keinem Detailfoto des Vorbildes lassen sie sich entdecken. Ich habe nur solche aufgebracht, welche ich auch Vorbildfotos lokalisieren konnte – selbst die aber kann man weg lassen. Da aber, wo es wichtig ist und deutlich auffällt, patzen Trumpeter wie auch Authentic Decal – Nein, die Tu-22M2 wie auch die M3 tragen keine Roten Sterne mit weisem Rand ! Solch Sterne mit nur rotem Rand in passender Größe aber hatte ich nicht im Fundus. Wer hier plant, sollte sich bei 48er Bausätzen umsehen. Ich habe mir die Sterne selber auf klarer Decalfolie gedruckt. Die Verarbeitung war äußerst schwierig und gelang halbwegs auch nur am Leitwerk. An den Flächenunterseiten können die Sterne mit weisem Rand verwendet werden, da sich dieser auf Grund der Farbe selbst „eliminiert“. Auf den Flächenoberseiten schließlich habe ich die Sterne maskiert und selbst lackiert – ein nicht zu unterschätzender Aufwand. Für die KH-22 empfehle ich die Decals von Trumpeter, sie sind Vorbildgetreu und auf einem sehr guten Trägerfilm.

Die Alterung einer Tu-22M ermöglicht viele Varianten. Einerseits zeigen die Exemplare deutliche Einsatz- und Abnutzungsspuren, andererseits werden die Flugzeuge immer wieder neu lackiert. So sieht man auf Fotos oft frisch lackierte Exemplare neben leicht abgenutzten und stark mitgenommenen Flugzeugen. Dabei zeigen sich dann auch deutlich die verschiedensten Abstufungen der ausgeblichenen Lackierung, welche oft auffällig im Cockpitbereich durch entsprechende Planen unterbrochen ist. Ich habe mich für eine leicht ausgeblichene, nur leicht abgenutzte Variante entschieden. Typisch sind da Schmutzspuren am Cockpitbereich, am Leitwerk und dem Seitenruder. Diese wurden ausnahmslos mit verdünnter Wasserfarbe dargestellt. Den Abschluss bildet die Versieglung mit seidenmatten Klarlack von ModelMaster.
Die Endmontagebetraf die Anbringung der Fahrwerke und ihrer Klappen, der Schubrohre, des Kanonenstandes, des rückwärtigen Radoms, der KH-22 am linken Pylon sowie der vier Flügeltüren. Bei den Antennen musste ich nur noch die zwei selbstgebauten Pitotrohre an den schon am Modell montierten Streben aus Ätzteilresten anbringen. Alle anderen Antennen und Geber hatte ich schon vor der Lackierung aus Draht und Ätzteilresten erstellt und montiert. Die äußeren Tragflächen habe ich schon bei Baubeginn vom Aufnahmeloch her nach außen so ausgesägt, das diese nun nachträglich eingeschoben werden können – die Schwenkbarkeit bleibt so auch erhalten. Mit fest angebrachten Schwenkflügeln aber wäre das Modell in der Bauphase kaum noch zu handeln gewesen. Ich war übrigens auch sehr froh, dem Rumpfbug ordentlich Ballast spendiert zu haben – das Modell braucht wirklich viel Gewicht vorne, um nicht nach hinten zu kippen. Die Standhöhe des Modells geht mit den Trumpeter-Fahrwerken völlig in Ordnung, hier war keine Nacharbeit nötig.

Am Ende war ich dann doch sehr froh, dieses Projekt hinter mich gebracht zu haben. Vor allem die Neugestaltung des Hinterrumpfes hatte es in sich. Aber dieser Aufwand lohnt sich wirklich  - zusammen mit den diversen anderen Änderungen hat man ein originalgetreues und wirklich rassiges Modell eines einmaligen Überschallbombers vor sich
Ich selbst glaube nicht, das dies mit dem Esci-Modell so irgendwie zu schaffen ist, dessen Basis ist im Gegensatz zum Trumpeter-Modell einfach zu weit von der Wahrheit entfernt. Bei Trumpeter wartet zwar auch genug Arbeit und Eigeninitiative, diese aber lohnt hier wirklich. Empfehlen kann ich den Trumpeterbausatz nur für fortgeschrittene und wirklich interessierte Modellbauer – selbst pur aus dem Kasten gebaut ist das Ganze doch recht komplex und rechtfertigt so am Ende doch nicht den Aufwand. An diesem Bausatz lassen sich nebenbei gut die Stärken und auch Schwächen dieses fernöstlichen Herstellers ablesen: Hochambitioniert und motiviert mit einem Drang zu guter Detaillierung (Waffen, Cockpit, Schächte) treffen da leider immer noch auf ungenügende Recherchen, vermeidbare Fehler (Räder, Sitze und Decals) und nicht optimal überlegte Spritzgussformen (Ausbeulung Hinterrumpf). Aufwendige Detaillierungen sollten einfach vor allem dort anzutreffen sein, wo sie immer sichtbar sind – selten geöffnete und schlecht dokumentierte Hydraulikbuchten jedenfalls können zugunsten einer optimalen Aufteilung für eine richtige Rumpfform gerne entfallen. Dennoch: Dank an Trumpeter ! – eine stimmige Tu-22M 2/3 ist nun jedenfalls möglich und wirklich machbar. Für mich ist damit ein jahrelanger Wunsch in Erfüllung gegangen. Bedanken möchte ich mich bei meinen Modellbaufreunden Jörg und Thomas: für das Anspornen, dem praktischen Rat und dem tollen Vorbildmaterial.