Suchoi T-50 Zvezda 1/72

 

Das Pak-Fa Programm

Nach Aufgabe des überholten MFI-Programmes (MiG 1.44) 1997 stellte das Militär neue Anforderungen für ein künftiges Jagdflugzeug, welches eine Antwort auf die amerikanische F-22 darstellte. Somit sollte ein neuer Jäger nun auch wirkliche Stealth-Eigenschaften aufweisen. 2002 bekam Suchoi für dieses Projekt die Systemführerschaft. 2007 kam die 50%tige Partnerschaft der indischen HAL dazu, hierbei wird für Indien die zweisitzige Variante FGFA entwickelt. Ab 2013 soll die russische Luftwaffe die ersten Exemplare der Su-50 erhalten, ab 2015 ist die Serienproduktion geplant. Ob dieser optimistische Zeitplan auch eingehalten werden kann, ist nicht sicher: statt 2006 fand der Erstflug des Prototypen T-50-1 erst 2010 statt. Noch lange nicht gelöst ist Triebwerksfrage. Das ursprünglich geplante AL-41F war viel zu groß und die Lebensdauer zu gering. Das jetzige, eigentlich zu leistungsschwache Saturn-117 (AL-41F1) mit seinen 147kn soll nur eine Übergangslösung darstellen, bis vorrausichtlich 2020(!) ein neues , 190kn starkes Triebwerk von NPO Saturn verfügbar ist. Als Herzstück der Avionik ist das AESA – N050 Radar mit 1500 einzeln ansteuerbaren Transmittern, welche von zusätzlichen Antennen in den Tragflächenvorderkanten ergänzt werden. Die Bewaffnung soll im 4,6x1,1m großem Waffenschacht zwischen den Triebwerken mitgeführt werden und durch Außenlasten auf insgesamt 7.500kg Last ergänzt werden können. Ob eine Bordkanone eingerüstet wird, ist noch nicht ganz sicher.  19,7m Länge, 14m Spannweite und eine Höhe von 4,8m stellen die geometrischen Eckdaten dar, als Gewichte werden 18.500kg (leer) und 26.000kg (max. Startgewicht) genannt. Die Flugleistungen werden mit einer Vmax von Mach 2+, im Marschflug M 1.22 , die Dienstgipfelhöhe mit 18.000m bei einem Einsatzradius von 1200km angegeben. Im März 2011 startete der zweite Prototyp T-50-2 zum Erstflug, im November 2011 folgte die T-50-3. Außerdem existieren bis jetzt noch drei weitere nicht fliegende Exemplare: T-50-0 (Bruchzelle), T-50-KNS (Attrappe) und der Avioniktestträger T-50-4. In welchem tatsächlichem Umfang und welchem Zeitrahmen sich die Serienfertigung befinden wird, wird wohl vor allem von den finanziellen Möglichkeiten Russlands abhängen. Und diese haben gerade erst mal die ersten Exemplare der seit fast 20 Jahren bereitstehenden Su-34 ermöglicht …

 

Ein wenig Nationalstolz war wohl schon dabei, als Zwezda überraschend schnell diesen Modellbausatz auf den Markt brachte – kurz nach Aufnahme der Flugerprobung des Originales. Wer die ja recht ähnliche F-22 modellbauerisch kennt, erwartete doch einen halbwegs komplexen Bausatz. Der Bausatzinhalt der T-50 aber erinnert eher an ein einfaches Einsteigermodell. Zwei Rumpfhälften, Höhen- und Seitenruder, Cockpitwanne, Lufteinläufe und Fahrwerke. Dazu Einstiegsleiter und zwei Figuren sowie einen unförmigen Modellständer. Auf das Modell selber kommen da gerade mal 64 Teile, für diese Größe und die heutigen Ansprüche recht wenig. Der kleine Decalbogen mit den gerade notwendigsten Markierungen rundet die „Ernüchterung“ ab. Die übersichtliche Bauanleitung geht in 9 Abschnitten den Zusammenbau dann auch auf nicht mal zwei Seiten recht schnell durch. Hier aber wird ersichtlich, warum auch mit Wenig solch Modell entstehen kann: Eine durchdachte Formaufteilung, Verzicht auf Waffen und Waffenschächte, keine separate Klappen und Ruder  sowie ein einfaches Cockpit sind durchaus ausreichend. Lange Ansaugkanäle bis zur ersten Verdichterstufe, ausreichend gut detaillierte Nachbrenner, Fahrwerke und Schleudersitz sind dabei dennoch möglich. Vielmehr an Details sind trotz vieler Fotos bisher ja auch kaum bekannt – es ist letztlich nicht mehr als ein Prototyp. Eine sehr gute Abformqualität, glasklare Teile für eine geöffnet darstellbare Haube und sehr saubere, feine Gravuren lassen ein relativ schnelles Ergebnis erwarten.

Der Zusammenbau geht dann tatsächlich schnell! Der erste wesentliche Schritt besteht in der Montage der Lufteinläufe an die untere Rumpfhälfte. Hier sollte man die Einzelteile zunächst „trocken“ (also ohne Klebstoff) zusammenfügen und sich deren Montage verinnerlichen. Der Ansaugkanal mit Verdichterstufe und die Fahrwerksschachtwandung werden dazu vorlackiert und bilden die „zentrale“ Einheit, an welche die eigentlichen Lufteinläufe mit den Rampen montiert werden. Einfach und schnell sind die beweglichen Lerx-Flächen ausgetrennt, um sie in abgesenkter und somit eindrucksvollerer Position wieder anzubringen. Nun werden noch Cockpitwanne und die inneren Nachbrennerteile benötigt, bevor die Rumpfhälften schon miteinander verklebt werden können. Die Nachbrenner sind recht gut detailliert – sehr schön dabei die filigranen Flammhalter. Im Cockpit sorgen die Decals für mehr Abwechslung, als man denkt. Die Montage beider Rumpfhälften stellt kein Problem dar, alles passt recht gut zusammen und Spachtel ist nicht nötig.

 

Spätestens beim Anblick des montierten Rumpfes wird im Vergleich mit Fotos und Risszeichnungen schnell klar: Ein wirklich genaues Abbild lässt sich aus diesem Bausatz nicht machen. Da stimmen die Form der Einläufe  sowie der beweglichen Lerx-Flächen nicht und nicht alle Gravuren sind da, wo sie eigentlich sein sollten. Das sind Sachen, die man nicht unbedingt auf den ersten Blick sieht und so den Gesamteindruck kaum stören. Aber ein paar Nachbesserungen sind doch recht einfach bewerkstelligt und sorgen zudem für etwas „Leben“ am Modell.  Ich habe mich da vor allem auf die im Ganzen beweglichen Leitwerke konzentriert. Am Bausatz werden diese Flächen in Null-Stellung dargestellt. Hier fallen da vor allem die nicht korrekten keilförmigen Verlängerungen der Leitwerksträger auf den Höhenrudern auf. Diese müssen mit den Hinterkanten der Ruder abschließen. Da diese für eine ausgelenkte Darstellung der Höhenruder sowieso abgetrennt werden müssen, können sie nun auch gleich in der richtigen Position auf die Ruder geklebt werden. Mit Plastiksheet werden sie nach vorne verlängert und für die abgesenkte Position an den Leitwerksträgern angepasst. Bei den Seitenrudern brauchen nur die jeweils zwei Befestigungszapfen entfernt und durch jeweils einen Mittigen ersetzt zu werden. Die Landeklappen sind dann auch noch fix ausgesägt. Alle diese Teile werden mit Kupferdrahtstiften zur stabilen Fixierung versehen.
Die große und glasklare Frontscheibe bietet einen sehr guten Durchblick zu der völlig „nackten“ Instrumentenabdeckung. Hier habe ich mit etwas Draht und Plastik nachgeholfen. Für das Bugfahrwerk sind im Bausatz sehr gute Klarteile für die Scheinwerfer enthalten, an deren Rückseite wird Alclad Chrom gesprüht. Die Fahrwerksbeine erhalten Leitungen aus Draht.

 

Die Lackierung und Markierung machen an diesem Modell den größten Teil der Arbeit aus. Hier müssen wir uns noch mal dem Vorbild zuwenden – der T-50.1 die „Blaue 51“. Dieses Exemplar ist bis dato in zwei Bemalungen bekannt. Zum Einem der nämlich unbemalten, nur grundierten Variante in Grauton mit gelben Paneelen und zum Anderen in der späteren „getarnten“ Variante, welche aus großen splitterförmigen Flächen in Hell-,  Mittel- und Dunkelgrau besteht. Letztere schlägt die Bausatzanleitung vor und auch das Kartonbild zeigt diese sehr eindrucksvolle Bemalung. Ich möchte diese Variante aber so – also nur mit den Bausatzdecals – absolut nicht empfehlen. Die Bausatzdecals lassen tatsächlich nur die erste, grundierte Variante zu. Möchte man die getarnte Bemalung darstellen, ist der Decalbogen von Begemot zur T-50 absolut unerlässlich. Hier finden sich alle Stencils (welche auch am Original deutlich sichtbar sind) und auch die auffälligen und komplexen roten Strichlinien der Begehbarkeitswarnungen. All diese Decals sind wirklich nötig, da nur mit diesen Markierungen diese Bemalung authentisch wirkt. Dankbarerweise findet sich in der Begemot-Anleitung (welche ebenso umfangreich wie die ganze Bauanleitung ist!) auch ein Farbtabelle in FS-Angaben. Diese Angaben passen auch sehr gut im Vergleich zum Original, nun sind nur noch aufwendige Maskierarbeiten nötig. Ich habe zuerst das ganze Modell in Grau 16320 lackiert, dann erfolgte der Auftrag der großen Flächen unten und oben in Hellgrau 16515, abschließend dann Dunkelgrau 16076.  Bei der Maskierung ruhig genau nach der sehr guten Begemot – Anleitung vorgehen!  - wer Vorbildfotos zu Rate zieht, sollte alle Bilder der 50.2 („Blaue 52“) sicher ausschließen – diese weist eine etwas abweichende Lackierung auf! Das Ergebnis dieser Lackierung mit hochglänzenden Xtracolor – Farben sieht schon eindrucksvoll, aber tatsächlich völlig leblos aus. Etwas Abwechslung bringt da schon mal die etwas aufwendige Lackierung der Triebwerksbereiche. Ich habe mich hier nach Vorbildfotos gerichtet und das Ganze vorrangig vom Kupferton der Alclad ALC 110 bestimmen lassen. Nun konnte es an die Decals gehen, und das sollte schön Schritt für Schritt, systematisch und mit Abhaken der verarbeiteten Decals auf der Anleitung einher gehen. Es sind aus weitaus mehr Decals zu verarbeiten als das Modell an Einzelteilen überhaupt hat. Auch hier kann man sich getrost an die Begemot - Anleitung halten, und nach ca. einer Woche „Tapezierarbeiten“ hat man dann ein überwältigendes Ergebnis vor sich: Das Modell „lebt“ nun und vermittelt endgültig den Eindruck des Vorbildes.(Bild 8) Gelobt werden muss auf jeden Fall die hervorragende Qualität der Begemot – Decals: Akribisch recherchiert, sauber und originalgetreu gedruckt ist das Eine. Das Andere ist der absolut tolle Trägerfilm, welcher  nicht aufträgt und unsichtbar ist, aber dennoch stabil genug ist, um auch die zahlreichen Strichlinien sauber und gerade aufzubringen. Sollte hier dennoch etwas schief gehen, ist auch noch Ersatz dabei. Ein paar Zahlendreher der einzelnen Bezeichnungen, welche schnell erkannt sind, sollten aber auch genannt werden.

Die letzten Arbeiten sind dann nicht mehr umfangreich. Die Räder der Hauptfahrwerke werden etwas abgeflacht, ansonsten können die Fahrwerke und deren Klappen unverändert und problemlos montiert werden. Im Cockpitbereich habe ich noch ein wenig nachdetailliert: geätzte Gurte für den Sitz, etwas Draht und Plastik im hinteren Bereich. Bei den hervorragenden Klarsichtteilen ist etwas Vorsicht ratsam: Das an Weichplastik erinnernde Material lässt kein Nachpolieren zu – ist aber bereits selber so hochpoliert, das selbst mit Nitroverdünnung aufgetragene Farbe gerade mal so anhaftet. Beim Demaskieren hat man da schnell die Farbe als Extra - Schicht ganz sauber mit abgehoben. In Tschechien sind zuweilen besondere Drähte aus Bleilegierungen erhältlich, mit denen sich z.B. ganz hervorragend Dichtungselemente an den Kanzeln darstellen lassen . Aus Plastik und Draht habe ich mir noch die zwei Pitotrohre am Rumpf gefertigt. Am Vorbild ist hier auch mitunter ein Drittes, Größeres an der linken Seite zu sehen, welches aber offensichtlich nicht immer montiert ist. Wer mag, kann das Staurohr nachdetaillieren:  Diese wieder mal typisch russische Ausführung mit filigranen Winkelgebern fordert aber ruhige Hände und Geduld. Ich habe hier ausschließlich mit Plastik gearbeitet, zum Löten ist das Ganze hier zu klein. Bleibt noch das runde Gehäuse des Opto-Elektronischen Warnsystemes hinter der Schiebehaube. Zwezda  hat es am Rumpf etwas lieblos angegossen. Die Vorbildbilder zeigen bei der 50.1 mal ein eingebautes (verglaste Kuppel) und mal ein nicht eingebautes System (lackierte Kuppel). Ich habe mir beide Kuppeln aus Plastik gebaut, letztlich aber für die lackierte entschieden, diese sieht man an der getarnten 50.1 einfach immer. Bei der 50.2 übrigens ist dieses System dauerhaft verbaut.

Am Ende war ich dann ganz beeindruckt vom fertigen Modell! – dem sieht man seine nur 64 Einzelteile absolut nicht mehr an. Die Bemalung im Zusammenspiel mit den vielen dezenten, aber dennoch sichtbaren Stencils macht einen ungewöhnlichen und sehr interessanten Eindruck. Nette und begrüßenswerte Beigaben sind die beiden schön modellierten Figuren und auch die Leiter ist ganz gut brauchbar (dünner ist zwar machbar – aber wer bekommt das dann noch vom Gußast?). Es müssen also nicht immer hunderte von Teilen auf einem Wust von Gußästen sein, um ein eindrucksvolles Modell auf den Tisch zu bekommen. Mir hat das Ganze Spaß gemacht!