Cessna T-37B „Tweet“ (Academy)

1952 entschied sich die USAF ein Schulflugzeug mit Turbinenantrieb für die Grundausbildung entwickeln zu lassen. Bei der entsprechenden Ausschreibung siegte Cessna mit dem Modell 318, der T-37. Der Prototyp XT-37 hatte am 12. Oktober 1954 seinen Erstflug, der Einsatz im Schulbetrieb mit der modifizierten T-37A begann 1957. Erstmals saßen hier in einem Schulflugzeug der USAF beide Piloten nebeneinander. 1959 kam es zur Modifikation durch neue Triebwerke zur T-37B, der auch alle bereits im Dienst stehenden Flugzeuge unterzogen wurden. Die „Tweet“ gilt als gutmütig und robust, womit sie wichtige Forderungen erfüllt, welche aus dem intensiven Schulungseinsatz resultieren.
Auf Grund optimaler Wetterverhältnisse und besserer Luftraumverhältnisse verlegte die Bundesluftwaffe ab 1964 die Pilotengrundschulung in die USA – zur Williams AFB,Arizona. Hier nun wurden die deutschen Flugschüler bei der 96th Flying Training Squadron auf das Fliegen in einen strahlgetriebenen Flugzeug herangeführt. Das Ganze aber dauerte hier nur bis 1966: Die USAF benötigte Williams voll für die eigene Pilotenausbildung – der Vietnamkrieg war der Hauptgrund dafür. So zog die Luftwaffe nach Sheppard AFB um. 1967 beschloss die Luftwaffe, eigene Flugzeuge für die Ausbildung zu beschaffen, es wurden bis Ende Dezember 47 T-37 und 45 T-38 angeschafft. Diese Flugzeuge wurden von Deutschland bezahlt, erhielten aber US-Kennzeichnung und werden bis heute durch US-Firmen betreut. Die T-37 der Luftwaffe wurden als 3630. Pilot Training Squadron der 3630.Flying Training Wing angegliedert. 1973 wurde 3630.FTW in die 80. FTW umbenannt, die 3630.PTS mit den deutschen T-37 wurde nun zur 88.Flying Training Squadron. Bis 1975 wurden US- und deutsche Piloten gemeinsam ausgebildet, ab 1979 schlossen sich die niederländische Luftwaffe der deutschen Ausbildung an, es folgten darauf noch mehr europäische Interessenten. Das ganze Programm nannte man „Euro Nato Joint Pilot Jet Pilot Training“ – kurz ENJJPT. Bis 1982 wurden diesem Programm alle deutschen T-37 übergeben. Seit Oktober 1982 ist die deutsche Staffel nicht mehr der 80. FTW unterstellt. Ausgebildet werden auf der T-37 nicht nur Piloten, sondern auch Fluglehrer und Waffensystemoffiziere.
Diese Ausbildung in Sheppard dauert bis heute an – auf den 1967 gekauften „Tweets“ sowie den amerikanischen T-37 und auch den T-38. In diesen Jahren hat sich das Farbkleid der Tweets öfters geändert: vom anfänglichen Naturmetallkleid über weisem Anstrich bis zu dem heutigen attraktiven weis-blauen Anstrich.

Die T-37 als Bausatz in 1/72 gibt es gar nicht. Es gibt lediglich 2 Bausätze der A-37.Von Hasegawa kommt die ältere Form in Form des Kits A-37 (AT-13) die wiederum auch als T-37B (SP-37) und als T-37C aufgelegt wurde. Die Bezeichnung „T-37“ bei Hasegawa ist dabei irreführend : Der Inhalt nämlich ist der selbe wie im A-37 Bausatz. Es geht hier ohne Umbauten also nix. Den Bausatz aus neuerer, moderner Form steuert Academy ebenfalls in Form einer A-37 bei. Der Bausatz besticht durch feine Gravuren und Details, setzt aber genauso Umbauten voraus. Die A-37 von Academy ist preiswert im Modellbaufachhandel erhältlich und stellt deshalb auch meine Grundlage dar.

Bevor man an die Modifizierung zur T-37 geht, sollte man sich eine genaue Übersicht der Unterschiede zur A-37 verschaffen. Die A-37 wurde aus der T-37 zum Erdkampfflugzeug entwickelt, was einige Änderungen mit sich bringt. Die wichtigsten Unterschiede bestehen in dem fehlen der Luftbetankungsanlage, der Flächenendbehälter und in den Lufteinläufen. Die Lufteinläufe der A-37 sind ca. 1/3 breiter und besitzen eine andere Geometrie. Der Rumpf der A-37 ist ebenfalls etwas breiter als bei der T-37.Hinzu kommen diverse Details wie Antennen, Hilfslufteinläufe und Lüftungsgitter.
Die Luftbetankungsanlage stellt kein Problem dar, sie wird einfach nicht montiert. Die Flächenendbehälter auch nicht – sie ziehen aber eine Änderung der Flächenenden mit sich. Diese müssen abgerundet und nach unten in Form geschliffen werden. Das schwierigste aber sind die Lufteinläufe: Zum einen haben die Einläufe die A-37 eine andere Geometrie und zum anderen besitzt die T-37 im Gegensatz zur A-37 rumpfseitige ovale Einlauflippen.
Die Geometrie der Einläufe zu ändern, käme einem sehr aufwendigen Neubau dieser Sektion gleich – ich habe mich deshalb entschieden, diese so zu belassen. Die Einlauflippen wurden aus Plastiksheet hergestellt. 
Bevor nun überhaupt irgendwelche Teile verklebt wurden, entfernte ich zunächst alle überflüssigen A-37 spezifischen Details. Das Cockpit ist bereits vom Bausatz her schön gestaltet, ich habe hier lediglich die Sitze mit Gurtzeug und die Mittelkonsole mit den Triebwerksleistungshebeln sowie ein Instrument am festen Kanzelteil verfeinert. Vor dem verkleben der Rumpfhälften muss an ausreichend Ballast im Bugraum gedacht werden, um später einen sicheren Stand auf dem Bugfahrwerk zu garantieren. Nach dem die Baugruppen Rumpf und Tragflächen montiert wurden, erfolgten einige Spachtel- und Gravierarbeiten. Das feste Frontkanzelteil wurde verklebt und eingespachtelt um dann eingeschliffen zu werden. Das bewegliche Haubenteil wurde nun nur mit etwas Maskol verklebt – es soll gleich als Maskierung für das Cockpit dienen. Abschließend erfolgte eine graue Grundierung: einerseits um die erfolgten Gravur- und Spachtelarbeiten zu überprüfen, andererseits um der weisen Grundlackierung einen farblich homogenen Untergrund zu geben.

Von Anfang an stand für mich fest, das meine Tweet ein aktuelles deutsches Exemplar im Weis-Blauen Anstrich werden sollte.
Die Grundlackierung des Modells also ist Weis. Weis gilt modellbauerisch wegen der geringeren und ungleichmäßigeren Deckkraft als nicht unkompliziert, auch hatte ich zunächst so meine Bedenken. Einige Tipps dies betreffend gehen in die Richtung, ein mattes Weis zu verwenden da so das Ganze unproblematischer sei. Matte Farben aber versuche ich persönlich nicht zu verwenden – zumal dieses Modell ja auch ein hochglänzendes Finish erhalten sollte. Nun, ich habe das Modell bei ca. 1,5bar Druck mit Revell 4 – also Weis glänzend - lackiert. Die Farbe wurde dazu mit Nitroverdünnung stark verdünnt und ich hatte keinerlei Probleme. Als Ergebnis erhielt ich eine homogene hochglänzende weise Oberfläche, die zudem, wie sich im weiteren Verlauf herausstellen sollte, auch noch extrem beanspruchbar und unempfindlich ist.
Nach ausreichender Durchtrocknung wurden nun die Bereiche maskiert, die Blau lackiert werden müssen. Das war am Hinterrumpf noch einfach, am Bug, den Lufteinläufen und vor allem am Blendschutz gestaltete sich das Ganze doch recht kompliziert. Man muss bedenken, das dieses Modell nicht größer als ein Handteller ist. 
Nun hieß es, sich Gedanken über die Wahl des Blautones zu machen. Das Blau am Original ist ein sehr dunkles, tiefes Blau – nämlich das, wie es die US-Kokarden haben. Damit hatte ich doch so meine Bedenken – ich hatte doch Angst, dieser dunkle Ton würde an dem kleinen Modell eher als Schwarz wirken. Meine Wahl fiel deshalb auf Revell 350: ein schönes, sattes Blau – kräftig und dunkel, aber eben noch ein eindeutiges Blau. Nach der erfolgten Lackierung war ich mit dieser Wahl auch sehr zufrieden.
Nicht so mit dem Blendschutz: insgesamt 3 mal habe ich diesen maskiert, lackiert, abgeschliffen und lackiert. Hier zeigte sich zu meiner Freude, wie unverwüstlich das Revell-Weis sein kann.

Wie bereits gesagt – mein Modell sollte eine aktuelle T-37B, wie sie von der Luftwaffe zur Zeit genutzt wird, darstellen. Damit ergaben sich 2 Grundprobleme: Erstens benötigte ich aussagekräftiges Vorbildmaterial. Zwar gibt es genug Fotos dieser Tweets im Internet, jedoch haben diese Tweets individuelle Namenszüge auf dem Bug. Diese wollte ich genauso darstellen wie alle anderen Wartung- und Warnhinweise wie auch die „Nato Rose“ auf dem Seitenleitwerk. Das Ganze muss dann natürlich auch noch zu der Kennung passen. Dafür aber reichen die Fotos der verschiedensten Exemplare aus dem Internet nicht aus. Zweitens stand auch sofort fest, das ich mit der Verwendung von Decals aus dem Bausatz selber und aus meinem Fundus sowie eventuellen Maskieren und Lackieren von einzelnen Details nicht in der Lage bin, das Modell komplett zu markieren. Entsprechende Decals von Zubehörherstellern gibt es keine, der Decalsatz aus dem Hasegawa Kit der T-37B löst dieses Problem auch nicht.
Nun, was die Anfertigung dieses von mir benötigten, komplette Decalsatzes angeht, bot mir Jürgen Busse, alias „Viking“ seine Hilfe an. Aber auch er kann ohne Vorlage zwar viel, aber doch nicht alles machen. Was wir brauchten, war jemand, der direkt mit der Tweet in Sheppard zu tun hat – und den fanden wir: Capt. Henk Schmidt-Bergemann ist Fluglehrer bei der 89.FTS in Sheppard. Dieser nette Mensch war uns nun schon seit längerem über das größte deutsche Luftfahrtforum bekannt und er erklärte sich bereit, uns zu helfen. So trafen denn auch alle erforderlichen Fotos „seiner“ Tweet bei uns ein. Nun konnte „Viking“ an die Arbeit gehen. Alle nötigen Decals ( außer der Kokarden) erstellte er per Vektorgrafik neu, skalierte sie an Hand der Teile des Academy-Bausatzes, machte Probeausdrucke. Schließlich landeten diese Decals per Postweg bei mir und ich war überwältigt : Diese mit einem OKI DP5000 (baugleich mit ALPS MD5000) gedruckten Decals waren äußerst fein und sauber gedruckt. Bei ihrer Verarbeitung zeigte sich, das der dünne und glasklare Trägerfilm doch recht robust ist, sich aber mit der Zugabe von Weichmacher sehr gut allen Oberflächen und Gravuren anpasst – um dann schließlich kaum noch sichtbar zu sein ( eigentlich nur mit der Digicam). Nach der Versiegelung mit Klarlack verschwand der Trägerfilm dann völlig.

Nach dem Aufbringen und Versiegeln der Decals wurden zunächst die Fahrwerke montiert. Den Schwachpunkt stellen hier die Räder dar – diese werden selbst bei 48er Kits der T-37 nicht richtig dargestellt. Die Hauptfahrwerksräder haben eine relativ große Felge, deren Innenseite am Außenrand mit schwarzen Muttern versehen ist. Diese habe ich mittels schwarzer Decalstücken dargestellt, da mir zu einer besseren Darstellung einfach eine passende umsetzbare Idee fehlte. An der Außenseite muss in die weise Felge ein schwarzer Ring lackiert werden – nicht ganz einfach in diesem Maßstab. Das Bugrad sollte normal eine durchbrochene Felge haben. Hier habe ich auf Grund der geringen Größe auf diese Darstellung verzichtet.
Die Antennen entstanden alle aus Plastiksheet, die beiden Positionslampen am Bug stammen aus dem Academy-Bausatz, die an den Flächenenden wurden aus Klarsichtmaterial erstellt. Das Staurohr entstand aus Draht und einer Kanüle. Letzter „Akt“ war dann Komplettierung der beweglichen Haube mit dem seitlichen Rahmen und dem Mittelsteg mit Hydraulikzylinder. Beide letzteren Teile stammen auch aus dem Bausatz, sind an sich gut gemacht, wurden aber von mir noch mit Bohrungen sowie Haltegriffen und Arretierhaken versehen. Zusätzlich erhielt die Haube noch zwei Spiegel.

Für ein Handteller großes Modell schon ein gewisser Aufwand – aber für mich hat er sich gelohnt! – steht doch so ein nicht alltägliches, aber sehenswertes langjähriges „Arbeitspferd“ der Luftwaffe in meinem Regal, das zudem nun auch noch ein mir besonders bekanntes Vorbild hat.
Wer an einem solchen Modell interessiert ist und dementsprechend die Decals benötigt, kann diese bei Jürgen Busse, Schulze Delitzsch Strasse 18 in 24943 Flensburg, Tel.0461/1509759, juergenbusse@foni.net, erfragen. 
Mein Dank geht an „Viking“ für die Erstellung der tollen Decals und nach Sheppard AFB zu Henk „Talon4Henk“ Schmidt-Bergemann für das Vorbildmaterial – ohne deren Hilfe hätte ich dieses Modell nicht bauen können.