Suchoi Su-24M Fencer D  Dragon / Italeri

Die Su-24 kann man am besten mit der amerikanischen F-111 vergleichen. Die Entwicklung begann 1967, der neue Typ wurde parallel zur T-4 entwickelt und sollte die IL-28 und Jak-28 als Frontbombenflugzeug ablösen. Der Erstflug des eigentlichen Prototyps fand am 17.Januar 1970 statt, ab 1974 begann die Indienstellung. Die Su-24 zeichnete sich von Anfang an dadurch aus das sie eine sehr umfangreiche Bordelektronik (Optoelektronische, Radar-, Laser- und Infrarotausrüstung) besitzt. Dadurch kann sie bis heute die meisten der sowj. Boden/Luftwaffen einsetzen. Der Typ erreicht doppelte Schallgeschwindigkeit, im Tiefflug kann sie mit Überschall operieren. Die Reichweitenangaben schwanken zwischen 2500 und 2800km, die Waffenlast wird mit bis zu 11000kg angegeben. Die erste Serienversion war die Fencer A der die B - und C Version folgte. Die Fencer D - Su-24M stellt eine weiter modernisierte Jagbomberversion dar die sich durch die bisherigen Versionen durch neuere und umfangreichere Bordelektronik auszeichnet welche sich äuserlich in dem längeren Bugradom bemerkbar macht. Ein weiteres Merkmal ist die ausfahrbare Betankungssonde. Von dieser Verion wurde die MR (Aufklärer) und die MP (ELOKA oder ECR) abgeleitet. Die Su-24 gehört bis heute zu den wichtigsten Angriffswaffen der sowj. Luftstreitkräfte, sie kam sowohl in Afghanistan als auch im Tschetschenien-Konflikt zum Einsatz. Im Jahr 2000 machten 2 Su-24MP Furore als es ihnen gelang den amerikanischen Flugzeugträger "Kitty Hawk" im japanischen Meer zweimal zu überfliegen - ihre Fotos wurden dann umgehend an das russische Verteidigungsministerium gesandt und dann per eMail an die "Kitty Hawk". In speziellen Exportversionen wurde die Su-24  nach Syrien,Irak und Angola exportiert. Nachfolger der Su-24 ist die Su-32/34 - wann diese aber die Nachfolge antritt ist bei dem derzeitigen Etat der Russen nicht zu sagen.

 

Vor Jahren hatte ich die Su-24 von Italeri schon einmal gebaut - übriggeblieben sind davon nur Fotos die allerdings auch nur belegen das ich recht viel falsch dabei gemacht hatte. Als ich nun auf meine ersten Ausstellungen fuhr bekam ich dieses Modell weitaus besser zusammengebaut wieder zu sehen - das weckte Erinnerungen und Lust dieses Modell mal wieder zu bauen. Als Basis diente mir nun dabei der Kit von Italeri der den Zusammenbau der früheren Jagdbomberversion ( Fencer C, Kurznase) ermöglicht. Die aber wollte ih nun nicht bauen sondern die M-Version ( Fencer D, Langnase) - dazu aber benötigt man den Dragon Kit der MR/MP - Version der wiederum nebenbei alle Teile für die M-Version beherbergt (vor allem die längere "Nase", das Bugradom) - dies allerdings verschweigt die Bauanleitung. Durch meine Mitgliedschaft im PMC Thüringen waren nun allerdings meine eigenen Qualitätsansprüche gestiegen - also musste einiges an Zurüstkits her die ich mir bei Jetmodel besorgte : Resincockpit von Pavla, Ätzteile von Aires und Decals von HiDecal Line.

Der Bausatz von Dragon/Italerie ist qualitativ recht gut, weist aber einige Schwächen auf. So sind die sauberen negativen Gravuren besonders im Bugbereich sehr spärlich gehalten ( einige enden einfach irgendwo), auf die Versionsunterschiede wurde keine Rücksicht genommen - egal welche Version, die Gravuren sind alle gleich. Die Fahrwerke werden recht gut dargestellt. Sehr gut wurden die einzelnen Antennen abgespritzt. Bei den Klarsichteilen wurde nicht gespart : alleine für die Kanzel sind 4 Teile vorhanden : ein Frontteil, ein Haubenteil für den ungeöffneten Zustand und zwei für den geöffneten. Die Inneneinrichtung des Cockpits empfinde ich als zu einfach. 

Schizrophen stellt sich die beigegebene Bewaffnung dar : Italeri gibt für die Bomberversion nichts dazu und Dragon legt für die "ECR"/Aufklärervariante einen Gussast mit Bomben aus seinen Set 3 enthält (sowj. Bomben und Raketenbehälter) dazu - was soll eine MR oder MP damit ? - oder gab es (Pläne?) für eine M-Version die der Kit ja nebenbei undokumentiert enthält ?

Der Zusammenbau der normalen Kitteile lässt sich in aufwendig ( obere und untere Rumpfhälften müssen aufgrund schlechter Passgenauigkeit weiträumig verspachtelt und verschliffen werden) und einfach ( Fahrwerke, Flächen und Kleinteile passen gut) unterteilen. Das Pavla -Cockpit passt recht gut ind den Rumpf , um einige Anpassungsarbeiten kommt man aber hier auch nicht herum. Der Kauf der Ätzteile von Aires erwies sich als Reinfall : entweder passen sie absolut überhaupt nicht (Innenverkleidung der Cockpitverglasung) oder sie sind total falsch oder unterdetailliert (Panele und Instrumentenbrett). Brauchbar sind lediglich die Gurte (die ich aber durch Verwendung der im Pavla-Cockpit enthaltenen Schleudersitze nicht benötigte) sowie die Teile für die Pylone.

Ich hatte mich von Anfang entschieden die Falschen oder nicht vorhanden Gravuren im Bugbereich neu zu zu gravieren - ich tat dies erstmals überhaupt an diesem Modell. An dieser Stelle möchte ich mal meinen Modellbaukollegen vom PMC Thüringen danken : Jörg Schlegel für das Werkzeug und die "Schulung" und Axel Fischer für die vielen nötigen Fotos und Risse - ohne diese Hilfe hätte ich mich das nicht getraut. Das gravieren stellte mich vor allem im Grenzbereich obere/unterer Rumpfhälfte im Bugbereich vor einige Probleme da hier die beiden Rumpfhälften weiträumig verspachtelt werden mussten. Auf jeden Fall sind meine Gravuren noch nicht so gut gewurden wie ich es mir vorgestellt hatte - aber immerhin ein Anfang ...

Das Bugradom habe ich mit recht viel Ballast versehen, mit dem Rumpf verklebt und die Passungenauigkeiten verspachtelt und verschliffen.Recht weiträumig müssen auch die Lufteinläufe angeglichen werden. Diese wurden dann auch noch mit einigen neuen Gravuren versehen.Um Spachtel- und Schleifarbeiten kommt man bei dem Heckteil mit den Triebwerksauslässen auch nicht herum. Die Seitenleitwerkshälften passen recht gut, das fertige Leitwerk muss dann aber an den Rumpf angepasst werden. 

 

Eines der grössten Probleme bei dem Zusammenbau aber war das verkleben der Frontscheibe mit dem Rumpf : eigentlich wollte ich das Teil lediglich mit Clearcote verkleben was aber nicht funktionierte da einerseits durch Passungenauigkeit grosse Spalten entstehen die mit diesem Kleber nicht überbrückt werden können und andererseits es zwischen Frontscheibe und Rumpfinnenseite mit dem Anstieg für die Instrumententafel so eng zugeht das dieser Flüssigkleber ungleichmässig an der Scheibeninnenseite höchläuft was auch nach dem Austrocknen zu sehen gewesen wäre. All dies passierte nämlich bei meinem ersten Versuch und als ich die Scheibe am nächsten Tag lösen wollte zerstörte ich diese dabei. Da ich durch die Verwendung von zwei Kits allerding Ersatz hatte blieb mir noch ein zweiter Versuch - nun klebte ich das Teil mit normalen Plastikkleber an und verspachtelte es komplett mit dem Rumpf um es dann durch vorsichtiges Verschleifen wieder in Form zu bringen. Das mit den aus dem Pavla-Set stammenden komplett ausgestattete Cockpit wurde nun zwecks Maskierung zunächst mit der einteiligen Cockpihaube geschlossen und dann die Frontscheibe mit Tamiya's Maskingtape maskiert.

Dann machte ich einen schönen Fehler : da ich die recht filigrane Bugsonde mit ihren 8 kleinen Stabilisierungsflächen ordentlich mit dem Bugradom verspachteln wollte klebte ich diese (mit dem festen Vorsatz ab jetzt schön vorsichtig zu sein..) bereits vor dem Lackieren an was sich bitter rächte : Bei der ohnehin unglücklichen Lackiererei brach diese durch Unachtsamkeit ab und flog sonst wohin. Bei diesem Teil hatte ich nun wiederrum keinen Ersatz da es nur im Dragon-Kit für die MP/MR aber nicht im Italeri-Kit der C vorhanden ist. Blieb mir nur eines : Neubau. Diese Sonde baute ich mir nun aus einem Stück dünnen Drahtes der in ein kleines Stück Rohr (Innendurchmesser ca. 0,2mm) eingeklebt wurde. Dann wurde das Ganze mit den aus Plastikfolie geschnittenen Stabilisatoren verklebt was eine ganz schöne Fumellei darstellte und mächtig Nerven gekostet hat.

Beim Studium der mir vorliegenden Farbfotos wurde ich nicht so recht schlau was nun eigentlich der Grundfarbton der sowj. Fencer ist - auf den Fotos war ein Grauton oder verschiedene Gemische aus Blaugrau oder Graublau zu erkennen. Ich mischte mir nun so ein undefinierbares "Blaugraublau" an und lackierte damit alle betreffenden Flächen. Dann wurden die Grenzen zu der weisen Unterseite, Radom und den weisen Flächen auf der Oberseite der Tragflächen und des Leitwerkes abgeklebt. Diese lackierte ich nun weis was mächtig besch. ging da ich trotz früherer schlechter Erfahrungen wieder Revell's Weis benutzte - ich muss mir mal was von anderen Herstellern besorgen. Das Ganze wurde nun demaskiert, fotografiert und recht stolz an das FF gepostet. Dort war das Publikum nun aber recht geteilter Meinung was meine Farbauswahl und auch die Grenzen des Weisen Bugbereichs betraf. Ich selber musste nun erst mal eingestehen das der Farbton auf jeden Fall zu dunkel geraten war. Das war durch das komplette einnebeln des Modells mit weiser Farbe schnell und einfach zu beheben ohne das neu maskiert werden musste.

Als ich mir das Ganze dann betrachtete entschied ich mich dann doch noch für einen Grauton und die Vergrösserung des weisen Bugbereichs. Das bedeutete das ich die ganze Lackiererei komplett nochmal machen konnte - also verschleifte ich das ganze Modell mit 1500er Schleifpapier und fing noch einmal von vorne an. Das Ergebnis stellte sich dann auch als wesentlich realistischer heraus. Danach wurde das Modell noch ein wenig gealtert - auf den Fotos sieht man fast immer nur mächtig mitgenommene Fencer.

Die separat lackierten Cockpithauben habe ich mit Maskierfolie von Rai-Ro maskiert die direkt auf den Teilen zugeschnitten wurden. Ich habe erstmals seit langen mal wieder Maskierfolie eingesetzt und bin mit der von Rai-Ro ganz zufrieden. Probleme gab es dann auch noch mit den Decals (Warum auch nicht, warum sollte denn an diesem Modell überhaupt noch etwas problemlos sein ). Die Decals von Hi-Decal-Line sind zwar sauber gedruckt aber der Trägerfilm ist so dünn das man die Decals anbeten muss. Zur Krönung des Ganzen präsentierten sie sich dann auch noch zu allem Überfluss im schönsten Silberschimmer. Die Nerven lagen nun ganz schön blank bei mir und ich entschied mich für eine Radikalkur : Irgendwo hatte ich mal gelesen das man Silberschimmer nachträglich mit dem dünnen Auftrag von einem bestimmten Klebstoff bekämpfen kann. Ich habe nun wiederrum so ein Lösungsmittel von Plastikklebstoff in meiner Sammlung welches recht agresiv ist. Damit pinselte ich ungehemmt die Decals ein und siehe da : das Lösungsmittel löste irgendwie den unbedruckten Teil der Decals auf und lies den bedruckten stehen womit das Problem gelöst war. Nun wurde die Oberfläche mit Seidenmattlack lackiert und das Ganze sah nun ganz brauchbar aus.

Der Zusammen - und Anbau der Fahrwerke bereitet keine Schwierigkeiten da diese recht passgenau sind. Bei der Bewaffnung des Modells hat man eine ganz schöne Auswahl da die Fencer eigentlich die ganze Palette der sowj. Luft-Boden Raketen und Bomben mitführen kann. Ich habe nun wiederrum das Glück die 3 Dragon-Kits sowj. Flugzeugwaffen zu besitzen und zusätzlich die Option eine Su-34 von Italerie/Revell ausschlachten zu können die 3 Lasergelenkte 1500kg Bomben und 2 Antiradarflugkörper besitzt. Hier baute ich nun wieder Mist da ich die alte Farbe auf den bereits zusammengebauten Bomben mal eben ganz schnell abwaschen wollte und dabei statt Terpentin scharfe Verdünnung benutzte welche das Plastik gleich mit auflöste. Damit hatte sich die Frage der Lasergelenkten Bomben von selbst erledigt. Die Antiradarflugkörper lies ich nun auch gleich weg und entschied mich für 2 Lasergelenkte AS-14/ Cha-29 Luft-Bodenraketen aus dem Dragon-Waffenset.Für die zwei grossen Unterflügeltanks hatte ich mich von Anfang an entschieden, ebenso für 2 AA-8/R-60 "Aphid" an den Ausenstationen. Nund wurde noch die selbstgebaute Bugsonde angebracht sowie die kleine Antenne an der Rumpfoberseite und das Modell war endlich fertig. Dachte ich jedenfalls. 

Ein Modellbaukollege mit sehr viel Erfahrung half mir noch mal auf die Sprünge und so brachte ich an der Heckunterseite die bisher noch nicht beachteten  Rohre für den Kraftstoffnotablass an.

Fazit : Auch ohne Pannen ist eine ganz schöne Arbeit aus dem Dragon/Italeri -Kiit der Su-24 ein (hoffe ich) gutes Modell zu bauen - aber es gibt nur diese Kits von diesem doch sehr interesanten Typ der über viele Jahre - eigentlich bis Heute - zur Speerspitze der Sowj./Russ. Luftstreitkräfte zählt.

Das Modell hat mir dann so gut gefallen das ich noch ein Dioram dazu gebaut habe - dazu gibt es noch ein paar Bilder :