Temco TT-1 "Pinto"  Special Hobby

Glückloser Trainer 

Für eine Ausschreibung der U.S. Air Force entwickelte Temco das Modell 51, die TT-1 Pinto. Der kleine Mitteldecker war mit einem J-69-T-9 Triebwerk ausgerüstet, eine Waffenausrüstung war nicht vorgesehen. Der Erstflug erfolgte 1956. Cessna gewann diese Ausschreibung mit der T-37, welche mit zwei Triebwerken ausgerüstet war und somit bessere Flugleistungen erzielte.Die U.S. Navy suchte nach einem Strahltrainer, auf welchem Flugschüler ohne vorherige Schulung auf Propellermaschinen fliegen konnten. Die Navy übernahm zeitweilig die 14 Exemplare der TT-1, Pilotenanwärter E.R. Clark machte schließlich als erster Flugschüler der Marine auf der Pinto ohne jeglichen vorherigen Flug auf einem Propellerflugzeug seinen ersten Alleinflug. Die Pintos dienten bei der Navy von 1959 bis 1960 und wurden dann an private Nutzer abgegeben.1968 modifizierte Allen Paulson eine dieser Pintos mit stärkerem CJ-610 Triebwerk, woraufhin bis auf ein Exemplar alle Pintos entsprechend modifiziert wurden und nun „Super Pinto“ genannt wurden. Eigentlich sollte die „Super Pinto“ als ein Flugzeug zur Aufstandsbekämpfung verkauft wurden, der Aufwand aber war dafür zu groß. Die letzte Modifizierung wurde dann von Ezell Aviation durchgeführt und betraf die Umrüstung auf J-85 Triebwerke, Erhöhung des Kraftstoffvolumens, neue Ruder und Klappen, modifizierte Lufteinläufe sowie verbesserte Avionik und neue Hydrauliksysteme. Einige „Super Pintos“ fliegen bei privaten Haltern noch bis heute.

 

Zwei Gussäste, eine Klarsichthaube und ein kleiner Decalbogen. Das Ganze mit feinen Gravuren, sehr einfachem Cockpit und recht groben Kleinteilen. Dazu eine einfache Bauanleitung, welche den ganzen Zusammenbau auf gerade mal drei A5-Seiten zeigt. Es handelt sich aber auch um ein recht kleines Modell – nicht größer als eine 109er, aber dafür mit zwei Sitzen und in auffallender Gelben Bemalung. Das sollte kein großer Aufwand sein und recht schnell über die Bühne – besser: den Basteltisch gehen. Aber wer SpecialHobby kennt, der weiß, das es ganz so einfach nicht werden kann.

Die Rumpfmontage beginnt ganz klassisch mit dem Cockpit. Ja, das Vorbild dieses typischen Short-Run Bausatzes war mir noch unbekannt, als ich mir die Bausatzteile erstmals ansah. Auch so lernt man eben dazu – und bei diesem Bausatz sollte man sich schon etwas über das Vorbild informieren. All Zuviel gibt es aber nicht dazu. Ein paar Fotos aus dem Internet, mehr konnte ich nicht dazu auftreiben. Aber diese wenigen Fotos reichen schon, um die ersten Mängel festzustellen: Die Schleudersitze. Was das genau für ein Typ ist, konnte ich nicht herausfinden. Nur eben, das sie doch recht anders aussehen als die aus dem Bausatz. Ich habe die Bausatzteile einfach mit Plastiksheet verkleidet sowie mit Gurten und Griffen aus der sehr hilfreichen Ätzteilplatine von MPM versehen. Die recht gut strukturierten inneren Rumpfseiten im Cockpitbereich sowie die beiden Cockpitwannen habe ich zunächst hellgrau lackiert. Die Cockpitwannen sind einfach, aber auch mit Instrumentendetails versehen. Bei der Positionierung der beiden Wannen und Sitze sollte man sich weniger an die Bauanleitung als vielmehr an Vorbildfotos orientieren. Überhaupt ist die Bauanleitung bei diesem Bausatz kaum hilfreich. Ich habe dazu die Haube mit etwas Tape an eine Rumpfhälfte geklebt und die Lage der Cockpitwannen nach den Sitzen ausgerichtet. Dabei wird schnell klar, daß Einiges hier nicht passt. Beide Sitze müssen nach vorne verschoben werden, dementsprechend auch die Steuerknüppel. So richtig langt das Alles nicht, der hintere Sitz müsste trotzdem noch weiter nach vorne wandern. Da ich aber zu vorschnell schon die Ätzteile von MPM in den Wannen verbaut hatte, beließ ich die ganze Sache so, wie sie nun war. Besser wäre es, die vordere Wanne komplett zu kürzen damit die hintere Wanne insgesamt nach vorne verschoben werden kann. Einen Bugfahrwerksschacht gibt es gar nicht, hier habe ich mit etwas Sheet nachgeholfen und darüber ordentlich Ballast eingeklebt. Die beiden Rumpfhälften passen ganz gut zusammen und machen beim Verkleben keine Probleme. Die Hinterkante des Seitenleitwerkes muss auf jeden Fall angeschliffen werden – sie ist einfach zu dick. Die Pinto hat eine verglaste Bugspitze, in der sich die beiden Landescheinwerfer befinden. Der Bausatz bietet hierzu lediglich ein aus dem Vollem gegossenes Klarsichtteil an. Ich habe dieses Teil mit einen runden Bohrer vom Zahnarzt ausgefräst und mittels Wattestäbchen aufpoliert. Wer bei den Vorbildfotos etwas genauer hinsieht, erkennt nun auch das kleine Staurohr, welches aus dieser Glaskuppel ragt. Also wurde die Kuppel noch aufgebohrt und ein Staurohr aus feinem Kupferrohr und Stahldraht mit Klarlack eingeklebt. Über einem ordinärem Holzzahnstocher habe ich mir die beiden Scheinwerfer aus Klarsichtmaterial gezogen. In den Rumpf wurde ein Stück Sheet eingeklebt, worauf ich die Scheinwerfer montierte. Die beiden Lufteinläufe wurde vor ihrer Montage an den Rumpf innen Weis lackiert. Hilfreich ist hier wieder die MPM-Platine, welche zwei Grenzschichtschneiden beisteuert – welche der Bausatz unterschlägt. Die Bereiche vor dem vorderen Instrumentenbrett und auf der Trennwand zwischen beiden Cockpits wurden mit etwas Plastiksheet nach den erkennbaren Details auf den Fotos noch etwas nachdetailliert. Eine Bohrung für einen Stahldraht hinter dem Cockpit nimmt einen Stahldraht für die stabilere Befestigung der beiden Tragflächen auf. Die Haube wurde zunächst innen maskiert und deren Rahmen Schwarz lackiert. Zwei geätzte und verchromte Spiegel von Eduard wurden nach an den vorderen Rahmen befestigt, bevor die Haube an den Rumpf geklebt wurde, was dank sehr guter Passgenauigkeit keine Probleme macht.

 

Die Tragflächen selber sind soweit ganz in Ordnung, sollten aber Rumpfseitig entsprechend der Rumpfkontur so gut wie möglich angeschliffen werden, um die Nacharbeiten an den Rumpfübergängen so gering wie möglich zu halten. Eine Angabe zur Winkelstellung gibt es nicht, einen Dreiseitenriss konnte ich auch nicht finden: also hielt ich mich bei der deutlich positiven V-.Stellung auch wieder an die Vorbildfotos. Die Fahrwerksschächte sind recht einfach gehalten. Ich habe die Spalten zwischen beiden Flächenhälften noch mit Sheetstreifen verkleidet und einige Strukturen hinzugefügt. Die Höhenleitwerke bedürfen keiner Nacharbeit und wurden nach Fotos im 90° Winkel zum Leitwerk montiert.

Die Hauptfahrwerke sind einfach, aber durchaus ausreichend vom Bausatz wiedergegeben. Die Hilfsstreben habe ich gleich aus Sheet neu gebaut. Die Länge der Fahrwerke geht in Ordnung. Hilfreich auch hier wieder die MPM-Platine mit den Gelenkscheren. Die Fahrwerksbeine sind am Original unlackiert, lediglich die Hilfstreben im oberen Bereich sind Weis lackiert. Das Bugfahrwerk aus dem Bausatz ist sehr einfach und klobig geraten. Ich habe mich für einen kompletten Neubau entschieden. Das Rad spendiert eine MiG-15 von Italeri, die Radgabel selber wurde aus einem flachem Messingprofil gebogen und an ein Stück rundem Messingprofil gelötet. Die Gelenkschere stammt wieder aus dem MPM-Ätzteilsatz. Unter dem Leitwerk wurde eine Posilampe aus mit der Bohrmaschine zurecht gedrehtem Klarsichtmaterial montiert, an die Randbögen wurden Bohrungen für die Posilampem von CMK gesetzt. Die markante Blattantenne unter dem Rumpf stammt wieder vom MPM-Bogen. Der Kühllufteinlauf unter dem Rumpf stammt aus dem Bausatz und wurde erheblich in allen Richtungen kleiner gefeilt.

 

Die Lackierung ist eigentlich relativ einfach: Komplett Gelb, Schwarzer Haubenrahmen und Blendschutz sowie Vorderkanten der Einläufe, alle Nasenkanten der Flächen in Aluminium, die Fahrwerksschächte und inneren Klappenseiten sind Weis. Ich habe zunächst die schwarzen Bereiche lackiert und dann maskiert. Nun stellt sich die Frage nach dem passendem Gelbton. Die Anleitung beruft sich auf Gunze Trainer Yellow H329/C329. Da mir diese Farben nicht zur Verfügung standen, habe ich etwas probiert und mich dann für Gelb 310 von Revell entschieden. Wichtig ist dabei, das vorher mit Weis oder einem hellen Grauton grundiert wird, da nicht nur dieser Gelbton nur schlecht deckt. Vom Farbton her aber macht diese Revell-Farbe einen passenden Eindruck. Da es sich hier um einen Seitenmatten Farbton handelt, muss noch zwingend ein hochglänzender Klarlack aufgetragen werden, da die Decals sonst extrem „silbern“.

 

Die Decals aus dem Bausatz sind von dieser typisch tschechichen Qualität, welche unübertroffen ist: Genau recherchiert, sauber gedruckt und auf feinstem, unsichtbarem Trägerfilm. Letzerer macht natürlich sorgsames und vorsichtiges Arbeiten notwendig, sorgt dafür aber für einen „wie Lackiert“ – Eindruck auch ohne Weichmacher. Nach dem Auftrag der Decals folgte nun noch ein Auftrag mit seidenmattem Klarlack, stark glänzenden Oberflächen sorgen in diesem Maßstab für einen eher unrealistischem Eindruck.

 

Ein Fazit fällt für mich hier doch recht geteilt aus: Eine sehr interessante Vorbildwahl wird hier mit einem einfachen Bausatz realisiert, das ist grundsätzlich positiv. Etwas mehr Recherche und etwas mehr Aufwand hinsichtlich der Detaillierung bei einigen Details wie dem Cockpitlayout, den Sitzen und der Fahrwerke sind gerade bei solch eher unbekannten Vorbildern angebracht – nicht nur im Hinblick auf die hier wesentlich besser aufgestellte vergleichbare Konkurrenz. Dennoch, der Modellbauer mit etwas Erfahrung zur Selbsthilfe bekommt mit diesem Bausatz einen schickes kleines „Vögelchen“ als Farbtupfer in die Vitrine.