Bell P-39 N  "Airacobra" (Academy)

Der Erstflug der XP-39 fand am 6.April 1938 statt. Dieser Prototyp und Urahn aller P-39 ( und P-63) Varianten zeigte ein völlig neues Konstruktionsmerkmal : der Allison V1710 Motor war nicht wie herkömmlich im Bug, sondern ganz unkonventionell in der Mitte eingebaut. Diese Schwerpunktverschiebung sollte zu einem insgesamt bessern Flugverhalten verhelfen. Dies machte aber auch ein Bugfahrwerk nötig - das wohl markanteste äußerliche Merkmal der P-39. Der frei gewordene Bugraum wurde für den Einbau einer starken Bewaffnung genutzt - im Falle der N-Version einer 37mm Kanone sowie 2 12,7mm MG's . Dazu kam noch die Flächenbewaffnung - im Falle der N waren das nochmals 4 7,6mm MGs.
Zunächst gingen für das Muster keine US- Bestellungen ein. Frankreich sollte nun der erste Exportkunde werden - in Folge des Kriegsverlaufes aber wurden dies Maschinen von der RAF übernommen. Die RAF setzte  die P-39 zunächst für Tiefangriffsflüge ein und zog sie schließlich aus dem Einsatz. Die noch nicht ausgelieferten Flugzeuge übernahm nun die USAAF zur Pilotenschulung. P-39 der nachfolgenden Baureihen wurden dann schließlich im Pazifik eingesetzt.

Ein großer Teil der P-39 Produktion aber ging im Rahmen des Pacht- und Leihvertrages an die Sowjetunion : ca. 4800 P-39 N und Q wurden bis 1944 an die Sowjetunion geliefert. Für den Einsatz an der Ostfront eignete sich das Muster recht gut  - ihre guten Tiefflugeigenschaften waren genau das Richtige für diesen Kriegsschauplatz. Nicht wenige bekannte sowjetische Jagdfliegerasse erzielten auf der P-39 eine große Anzahl ihrer Luftsiege - der bekannteste war Alexander Pokyshkin. Die P-39 war Leistungsmäßig zwar nicht besser als sowjetische Typen - für sowjetische Verhältnisse mit ihrem Funkgerät und der guten Instrumentierung aber geradezu eine "Luxuskutsche".

Academy brachte 1996 seine 72er Umsetzung der "Airacobra" heraus und bietet damit einen wirklich schönen Kit an. Die Oberflächen der sauber abgespritzten Teile sind fein und sauber graviert. Das Cockpitinnere wird recht gut dargestellt. Die linke Tür wird als Klarsichteile separat ausgeführt und somit kann das Modell einseitig  - ohne Gebrauch der Säge - gebaut werden. Die Passgenauigkeit der Teile ist sehr gut. Mit dem Bausatz lassen sich durch entsprechende Austauschteile de N- oder die Q-Version darstellen. Die sauber gedruckten Bretter - Decals lassen die Markierung einer amerikanischen Q und einer sowjetischen N zu.

Beim Rumstöbern in einem gewissen MPM - Laden in Cheb (Tschechei) stieß ich unter anderem auch auf das Aires - Detailset für die P-39 : Es enthält Teile für das komplette Cockpit sowie der 2 Einsiegstüren. Mit diesem Zurüstsatz lässt sich das ohnehin schöne Academy - Modell noch besser detaillieren.

Die Montage des Aires - Cockpits verläuft unproblematisch. Beim Einbau muss man darauf achten vorher die Bugfahrwerksschachtwand neu zu gestalten. Das austrennen der rechten Tür aus dem Rumpf und des Klarsichtteils verläuft ebenfalls - mit etwas Geduld und Vorsicht - problemlos. Etwas komplizierter ist da schon in Form biegen der jeweils zusammenzufaltenden Einstiegstüren die aus Ätzteilen bestehen. Diese Türen habe ich zusätzlich mit kleinen Griffen aus Draht versehen. Etwas trickiger aber ist das einsetzen des Aires - Resinteils mit dem Funkgerät hinter dem Pilotensitz. Hier musste ich an den Rumpfwänden mit Spachtelmasse zunächst ein Auflage modellieren um das Teil dann schließlich mit Sekundenkleber ankleben und einspachteln zu können. Die Mündungen der Maschinengewehre am Rumpfbug wurden aufgebohrt und hier feine Kupferrohre als Gewehrläufe eingesetzt.
Vor dem Verkleben der Rumpfhälften sollte man soviel wie nur irgend möglich Ballast in den Bugraum einbringen : Durch das relativ lange Bugfahrwerk und den kurzen Vorderrumpf braucht das Modell hier sehr viel Gewicht um später "freihändig" stehen zu können. Für den Propeller habe ich mittels einer Gummi-Steckmuffe ( aus einem Hasegawa - Kit) eine neue Aufnahme gebaut. Die Propellernabe selber wurde dahingehend geändert das ich die Kanone mittels einer Kanüle darstellte. Ein klein wenig Anpassungsarbeit in Form von Spachtelmasse benötigen die Klarsichteile. Hier sollte man vor allem im Vorfeld schon auf die richtige Form der breiten "Kabinenstrebe" achten. Eine schöne Fummelei stellte das Aufbohren der Auspuffenden dar - sie sind im Querschnitt genauso groß wie ein 0.3er Bohrer ...

Die 3 Tragflächenteile selber passen sehr gut untereinander als auch an den Rumpf. Hier habe ich in Eigeninitiative die Querruder ausgetrennt und in Funktion eingesetzt. Des weiteren habe ich die markanten Landeklappen ausgesägt, profiliert und die entsprechende Fläche am Tragflügel mit Plastiksheet Strukturiert. Das war die schönste Fummelei beim ganzen Bau. Die Flächenkanonen aus dem Bausatz habe ich nicht verwendet. Ich ersetzte diese durch Kanülen. Durch entsprechende Bohrungen wurden sie horizontal zum Rumpfquerschnitt ausgerichtet eingesetzt. Das Staurohr ist ebenfalls ein Eigenbau aus Kanüle und Draht. Zu guter Letzt wurden noch die Lufteinlässe an den Flügelwurzeln aufgebohrt. Eine weitere Änderung betrifft die Höhenleitwerke : Hier habe ich die Ruder in Funktion dargestellt.

Die Räder der Fahrwerke wurden abgeflacht und das Bugrad mittels zweier Plastikscheiben mit einer neuen "Felge" versehen. Die Gabel des Bugfahrwerkes wurde aufgebohrt und ausgefeilt um sie realistisch darzustellen.  Hier habe ich auch die Scheren-Spreize abgetrennt und mittels Plastiksheet  mit feinen Bohrungen neu gebaut. Die Beine der Hauptfahrwerke erhielten  schließlich Hydraulikschläuche aus Draht.

Die Grundlackierung der meisten P-39 ist relativ einfach : Oben Olivgrün ( Olivedrab) und unten US-Neutral Grey. Bei dem Oliv aber sollte man sich entscheiden ob man eher ein etwas ausgeblichenes Einsatzmuster darstellen will - hier bieten Xtracolor und auch ModelMaster jeweils ein sehr passendes "Faded Olive Drab" an. Vor dieser Lackierung habe ich mit schwarzer Farbe ein Preshading vorgenommen. Besonderes Kopfzerbrechen hat mir die Maskierung der Türöffnungen bereitet - ich löste das Problem dann schließlich dadurch das ich mir aus Plastiksheet nochmals 2 Türen schnitt um die Öffnungen zu verschließen. Die Maskierung der Klarsichteile erledigte ich mit Maskierfolie.

Das größte Abenteuer beim bau dieses Modells stellte das Aufbringen der Eduard - Decals von Propagteam dar. Ursprünglich wollte ich die im Bausatz angebotene US-Markierung darstellen. Modellbaufreund Sören jedoch riet mir zu einer sowjetischen Variante. Am besten gefiel mir dabei die P-39N von Ivan Iljitsch Babak (Held der Sowjetunion) der 9. GIAD der 100. GIAP von 1944. Dieses Flugzeug mit dem "Racheengel" - Noseart hatte übrigens ein langes Leben : Als Babak in eine andere Einheit wechselte übernahm G. Dolnikow das Flugzeug, und flog es bis zum Ende des Krieges. Da ich nun noch über besagten Decalbogen verfügte und Sören über ein passendes Farbprofil stürzte ich mich in dieses "Vergnügen" : Zum einen sollte man bei WW II - Flugzeugen am besten gar keine Recherche veranstalten ( Decalbögen mit ihren Beschreibungen, Originalfotos und Farbprofile passen selten zueinander und werfen mehr Fragen auf als man vorher hatte - in diesem Falle auch). Zum anderen bestehen die sehr sauber gedruckten Propagteam - Decals vor allem aus Druckfarbe und Klebefilm, jedoch kaum aus Trägerfilm. Das macht zwar eine sehr realistische Darstellung der Markierungen möglich ( die sehen wirklich aus wie auflackiert), macht das Aufbringen der Decals jedoch extrem kompliziert. Hier braucht man schon etwas an Erfahrung um solche Decals "ganzbeinig" aufzubringen. 

Wer sich diese Fummelei ersparen möchte und dennoch ein sowjetische P-39 darstellen möchte dem sei die Nachauflage dieses Kits empfohlen : Selber Inhalt mit neuen Decals - der Kit No. 2223 "Russian Aces". Hier zerfallen die Decals garantiert nicht - die Academy - Decals sind nämlich das totale Gegenteil in Punkto Trägerfilm zu denen von Propagteam ...
Nachdem mir das Aufbringen der Decals geglückt war erhielt das Modell nun noch Abnutzungsspuren in Form von Lackabplatzern, Schmutzspuren mittels Pastellkreide sowie einer Abgasfahne die ich ebenfalls mit Pastellkreide darstellte. Nach dem Überzug mit seidenmatten Klarlack aber war von sämtlichen hellen Pastellkreidepartikeln nichts mehr zu sehen - also musste ich hier noch mal mit der Airbrush ran. der letzte Arbeitsgang schließlich war das Anbringen der Antennenverdrahtung aus warmgezogenen Plastik.