MiG-21 PFM (Zwezda/Fujimi)

Mit der MiG-21F hatte man ein solides, einfaches und vor allem wendiges Flugzeug entworfen. Die Nachteile aber wurden schnell offensichtlich: Durch das fehlen eines Bordradars war nur ein visuelles Ausmachen der Ziele möglich, man musste das Flugzeug also komplett vom Boden bis zum Ziel leiten. Der geringe interne Kraftstoffvorrat machte die Überschallfähigkeit zu einer theoretischen Möglichkeit. So kam es zur Weiterentwicklung zur P-Reihe, deren erster Prototyp, die E-7, am 10.8.1958 zum ersten mal flog. Die wichtigste Änderung gegenüber der F-Reihe bestand in dem Einbau des Radargerätes RP-21 „Safir“ – dies machte den größeren Durchmessers des Rumpfbuges nötig. Um mehr internen Kraftstoff mitführen zu können, wurde hinter der Kabinenhaube ein Rückenwulst angebracht. Die fest eingebaute Kanone entfiel, man verlies sich allein auf die Raketenbewaffnung. Des weiteren wanderte das Staurohr von unten nach oben und die Hauptfahrwerksräder wiesen einen größeren Durchmesser auf. Nach mehreren Prototypen ging schließlich in dieser Form die MiG-21 als „PF“ (Erzeugnis  76) 1962 in die Serienproduktion. Die PF – Reihe wurde ständig weiterentwickelt, so das es zu vielfältigen Änderungen und Versionsbezeichnungen kam. Als „PFM“ werden die modifizierten Versionen mit dem breiteren Seitenleitwerk bezeichnet.
Seit 1964 setzten die nordvietnamesischen Luftstreitkräfte (VPAF) die MiG-17 als Jagdflugzeug ein. Mit diesem sehr wendigen Kanonenjäger wurden so manche Achtungserfolge errungen. Mit der weiteren Intensivierung des Luftkrieges jedoch wurde ein neues, moderneres Muster nötig. Ende 1965 kamen die ersten MiG-21F13 zum Einsatz. Damit hatte die VPAF ein Flugzeug in der Hand, mit dem man im Luftkampf den amerikanischen Mustern ebenbürtig, und sogar überlegen war. Dies machte sich auch in den steigenden Abschusszahlen der nordvietnamesischen Piloten bemerkbar. Auf die F13 folgten nun auch die PF (als speziell modifizierte PF-V), die PFM und schließlich noch die MF Version. Zu den Erfahrungen – auf beiden Seiten – zählte unter anderem, das der Verzicht auf eine feste Kanonenbewaffnung ein Trugschluss war. Und so wurde für die MiG-21 PFM der GP-9 Kanonenbehälter entwickelt (ab der MF war die Kanone wieder fest installiert)

 

Mit der MiG-21 konnten die nordvietnamesischen Piloten viele Luftsiege erringen. Das lag zum einem an der besseren Agilität der MiG-21 gegenüber den schweren Phantoms und Thunderchiefs, aber auch an der wachsenden Einsatzerfahrung der nordvietnamesischen Piloten sowie verbesserten Taktiken im Luftkampf. Eine bewährte Taktik war z.B. das man mit den MiG-17 die schwer beladenen F-105 angriff. Wurden die angreifenden MiG-17 dann von den Deckungsfliegenden F-4 angegriffen, so wurden diese F-4 wiederum von höher fliegenden MiG-21 angegriffen. Solche Einsätze wurden dann auch noch oft mit den FLA -Raketenbatterien kombiniert und führte zu den bekannten hohen Verlusten der Amerikaner über Nordvietnam.  Die MiG-21 der VPFA flogen fast ausschließlich im reinen Metallkleid, einige Exemplare aber erhielten einen „Freihand“ aufgetragenen Tarnanstrich in Grüner Farbe auf den Oberseiten. Belegt sind hier die „5066“ und die „5071“ – beides PFM. Die Taktische Nummer bestand immer aus vier Zahlen am Rumpfbug, wobei die 2. und 4. Ziffer das Rufzeichen des Flugzeuges darstellte.
Die Namen der amerikanischen „Abschusskönige“ sind hinlänglich bekannt: Cunnigham (5), DeBellevue (6), Olds (4) oder Ritchie (5). Doch sie hatten erfolgreiche und ebenbürtige Gegner. Deren Namen aber sind kaum bekannt. Stellvertretend seien hier genannt: Nguyen Van Coc (9), Nguyen Van Nhi (8), Mai Van Cuong (8), Pham Thanh Ngan (8). Besonders bemerkenswert ist auch Nguyen Van Bay (6) – alles seine Luftsiege errang er auf einer MiG-17 gegen  F-8,A -4, F-4 und F-105. Die Liste der nordvietnamesischen Piloten mit 5 und mehr Luftsiegen ist lang – das sagt wohl einiges über die Qualitäten der MiG-21 im Manöverluftkampf aus. Einige MiG-21 der VPFA trugen Killmarks. Hier ist zu beachten, das sich diese Markierungen auf das Flugzeug selber, nicht jedoch auf dessen Piloten bezogen. Dennoch ist es bemerkenswert, das z.B. Die MiG-21PF „4326“ mit ihren verschieden Piloten 13 Abschüsse erzielte. Die Amerikaner zog aus den Luftkämpfen gegen die MiG-21 ihre Lehren: Um eine MiG-21 abzuschießen, gingen im Durchschnitt 2 F-4 Phantom verloren. Ein gutes Radar sowie starke Bewaffnung war nur eine Seite – Wendigkeit, Steigleistung und gute Beschleunigung jedoch eine andere. Das war der Anstoß für die Entwicklung der F-16.
 

Im 72er Maßstab ist die MiG-21 in ihren Versionen an sich recht gut vertreten: KP (MF),  Bilek (F13, PF) und vor allem Fujimi (PF, MF, SMT, Bis) bieten seit Jahren ihre Bausätze an. Aber keiner von ihnen kann so richtig befriedigen: Entweder erhabene Gravuren oder Formfehler machen dem Modellbauer hier das Leben schwer. Insgesamt schneiden hier noch die Fujimi-Kits am besten ab – trotz ihrer Form- und Detailfehler. Relativ neu auf dem Markt ist nun die MiG-21 PFM „Phantomkiller“ von Zwezda. Nach dem öffnen des Bausatzes  erschließt sich dem Betrachter die Qualität des Bausatzes nicht sofort: Der erste Eindruck ist der eines typischen Short - Run Kits. Doch in dem Kit steckt mehr! Die Oberflächen sind sehr fein und sauber graviert, die Klarsichteile für die Kanzel dick, aber transparent und ohne Schlieren und Verzerrungen. Beim Betrachten der Kleinteile ist man hin- und hergerissen zwischen „Schimpf und Lob“: Einlaufkonus, Antennen, Lufthutzen, Nachbrennerdüse und Schleudersitz sind einfach gestaltet und teilweise schlecht abgegossen. Die Teile aber für die Fahrwerksschächte, Fahrwerksklappen und Fahrwerke sowie für die Bremsklappen sind teilweise ein Quantensprung in Sachen MiG-21 in 1/72. Am Rumpfbug befinden sich ärgerlicherweise  einige sehr störende und deutliche Sinkstellen. Diese Sinkstellen  sind das Ergebnis einer misslungenen Cockpitgestaltung in Form von Seitenpanelen aus der Phantasiewelt. Warum nun solch MiG von Zwezda bauen wenn man doch noch einige Fujimi – MiGs auf Lager hat? Ganz einfach: Die Zwezda –MiG schafft etwas entscheidendes, was kein einziger Fujimi – Kit schafft: Der Rumpf des Zwezda – Modells passt absolut deckungsgleich auf die Risszeichnung. Als ich mich zum Bau des Modells entschied, verglich ich zunächst alle Teile von Fujimi und Zwezda, und legte fest welche Teile verwendet werden. Eine vergleichende Übersicht dazu findet Ihr im Kasten. Zusätzlich habe ich ein Resincockpit von Pavla sowie eine Ätzteilset von Eduard verwendet.

 

Der erste Schritt besteht  im Entfernen der Seitenpaneele im Cockpit – diese werden komplett abgefräst. Nun werden die Sinkstellen am Rumpfbug beseitigt. Da hier einige der Gravuren in Mitleidenschaft gezogen werden, habe ich mich zum Einsatz von Spachtelmasse aus aufgelösten Plastikmaterial (Giesastteile in Verdünnung aufgelöst) entschieden. Solche Masse lässt sich zwar schlecht auftragen und benötigt eine Aushärtungszeit von ca. 1 Woche (Ja ! – hier darf man nicht ungeduldig sein !) – so aber lassen sich die Oberflächen wunderbar neu gravieren. Nun wurden die Öffnungen der Fahrwerksschächte nach oben hin weiter ausgeschnitten, da Zwezda diese Öffnungen zu klein gestaltet hat. Die Ansätze für die Tragflächen werden durch Abschleifen entfernt, da ich die Tragflächen Fujimi mit den richtigen Ansätzen verwende. Die Hinterkanten des Nachbrennerbereiches werden dünner geschliffen, wobei gleich noch die Innenseiten ausgeschliffen werden. Nun habe ich mittels Klebebandstreifen die typischen Strukturen nachgebildet. Die Nachbrennerdüse selbst kommt von Fujimi und wird mit einem Ätzteil sowie einem Stellring aus Draht komplettiert. Der Einbau der Cockpitwanne von Pavla ist etwas trickig, hier musste ich mit Plastikstücken nachhelfen. Das Instrumentenbrett steuert Eduard bei. Als Bugballast dienten mir Bleistückchen welche mit Weisleim fixiert wurden.

 

Nach dem verkleben der Rumpfhälften sind einige Spachtelarbeiten nötig, störend ist vor allem der Spalt zwischen Seitenleitwerk und Rumpf. Besonders vorsichtig muss man bei der Montage mit dem Einlaufring sein : So „billig“ er auch aussieht, so ist er doch mit seinen messerscharfen ( und daher sehr anfälligen!) Vorderkanten ein „Schmuckstück“ . Die Tragflächen von Fujimi habe ich einfach stumpf an den Rumpf geklebt, ohne extra neue Aufnahmen zuschaffen. Ich verlasse mich hier einfach auf die unerreicht gute Klebekraft des Uhu-Plastikklebers. Vorher habe ich die Tragflächen mit den Trägern für die Raketen sowie den separaten Klappen komplettiert. Die Querruder und Landklappen habe ich dabei nicht in Funktion dargestellt, dies war eher eine Ausnahme wenn die MiG-21 am Boden steht. Die Lufthutzen von Fujimi wurden aufgebohrt und angeklebt, die Position bestimmte ich dabei nach der Risszeichnung. An der Rumpfunterseite wurden die  vier kleinen Erhebungen unter der hinteren Bremsklappe mittels Rundprofilen nachgestaltet. Ebenso im Eigenbau muss der Leitungskanal am linken Rumpfende (warum hat den Zwezda vergessen ?)– hier verwendete ich ein T- Profil als Grundlage. Das feste Haubenteil muss etwas eingespachtelt und eingeschliffen werden, passt aber sonst recht gut. Das bewegliche Haubenteil habe ich – in bei mir altbewährter Methode – innen und außen maskiert, nun innen lackiert und nun mit etwas Maskol als Cockpitmaskierung temporär angeklebt. Die letzten Schritte vor der Lackierung bestehen in der Montage zweier selbstgeschnitzter Antennen am Rumpfrücken sowie des gut passenden Staurohres von Zwezda.

Zunächst habe ich die Fahrwerksschächte  mit einer Mischung aus „Russian Topside Green“ und „Faded Olive Drab“ von Modelmaster lackiert. Deren Maskierung erfolgte mit Maskingtape. Die Grundlackierung des Modells erfolgte mit Alclad – Farben und entspricht der einer normalen Naturmetallenen MiG-21. Für die Farbgebung liegt im Zwezda - Kit ein extra Beiblatt bei. Der genaue Betrachter wird nebenbei feststellen, das hier seltsamer Weise eine nach vorn angeschlagene Kabinenhaube angegeben wird – davon sollte man sich einfach nicht beirren lassen.  Ich wollte von Anfang an eine getarnte MiG-21 der VPAF darstellen. Solch ein Schema findet sich nun auch in der Anleitung von Zwezda. Dies kann durchaus als Vorlage dienen – wenn da nicht einige Fehler wären: Auf allen Fotos von PFMs der VPAF sind die Abdeckungen am oberen Seiteleitwerk  immer Naturmetall. Die Kennung „5070“ konnte ich nirgends bestätigt finden – als getarnte PFM konnte ich nur die „5066“ und die „5071“ belegt finden. Als Vorlage zum Auftragen der grünen Tarnung diente mir ein Farbprofil aus dem Internet sowie eine Teilansicht auf einem Foto. Nach längerem Überlegen habe ich hier als Farbe wieder „Russian Topside Green“ von ModelMaster benutzt – auf den Schwarz/Fotos erscheint die Tarnfarbe immer genauso wie die Farbe des Einlaufkonuses. Augtragen wurde die Tarnung nun per Hand: Druck ca. 1,0 Bar, die Farbe dabei mittelmäßig  (etwa 1:1) verdünnt. Nachdem dies erfolgt war, wurden der Nachbrennerbereich sowie der vordere Teil der Kielflosse maskiert. Der Nachbrenner wurde nun mit dem Bewährten Alclad  „Jetexhaust“,  die Kielflosse mit „Russian Topside Green“ lackiert. Die Kabinenverglasung erhielt einen Schwarzen Rand mittels Wasserfarbe und Pinsel. Die Bremsklappen erhielten einen gelblichen Anstrich an ihren Innenseiten – so ist dies auch auf Farbfotos in der tschechischen „ Zlinek“ zu sehen. Die Kennung „5071“ entstand aus Zahlen des Fliegerevue-Bogens für NVA - Flugzeuge. Die Größe und der Schriftgrad stimmen hier im Gegensatz zu den Zwezda – Decals genau, lediglich die vertikalen Trennungen müssen mit dem Skalpell ausgeschnitten werden. Als Hoheitszeichen kamen Decals aus einem SuperScale – Bogen (Nr. 72-144) zum Einsatz, da die Hoheitszeichen von Zwezda einfach zu groß sind.

 

Als erstes nach der Lackierung habe ich den eingekürzten Einlaufkonus von Fujimi montiert. Die Hauptfahrwerke bestehen aus den Rädern und Fahrwerksbeinen von Zwezda, Draht für die Hydraulikschläuche, den Abdeckungen von Fujimi sowie je einem Ätzteil für den Radschwenkmechanismus von Eduard. Diese wurden zusammen mit dem Bugfahrwerk von Zwezda zuerst montiert. Nun erfolgte zuerst eine „Standprobe“. Nachdem das Modell diese bestanden hatte, ging es an die Montage der gar nicht wenigen weiteren Anbauteile an der Unterseite. Durch einiges Ausprobieren muss zunächst der richtige Öffnungswinkel der hinteren Bremsklappe ermittelt werden, da diese direkt auf den Zusatztank aufliegt. Dementsprechend wurde ein Hydraulikzylinder aus Draht und Kanüle angepasst und mit der Bremsklappe montiert. Nun wurde der Zusatztank angeklebt. Erst jetzt können die rumpfseitigen Hauptfahrwerksklappen montiert werden. Die vorderen Bremsklappen werden ebenfalls mit selbstgebauten Hydraulikzylindern montiert. Der nächste Schritt besteht in der Montage der R-3S (K-13A) Lenkwaffen von Fujimi. Diese werden mit den  APU–13M Trägern von Zwezda kombiniert. Der letzte Schritt an der Rumpfunterseite besteht nun in der Montage der Funkhöhenmesser und der SRO – Antenne (Ätzteile). Zum Schluss habe ich nun noch Schleudersitz und Kabinenhaube sowie die SRO – Antenne auf dem Leitwerk montiert.

 

Diese MiG-21 PFM von Zwezda ist trotz einiger Schwächen im Detail ein lobenswerter, und für mich lang erwarteter Bausatz. Besonders hervorzuheben sind dabei die allgemeine Formtreue, die sehr guten Fahrwerksschächte und die feinen, sauberen Gravuren. Im Zusammenspiel mit Teilen von Fujimi sowie etwas modellbauerischen Geschick und Erfahrung lassen sich nun alle MiG-21 Versionen ab der PF ohne Formfehler darstellen. Da die Zubehörindustrie sich über die Jahre recht gut auf die MiG-21 Familie „eingeschossen“ hat, ist eine Nachdetaillierung und auch die verschiedensten Farbgebungen kein Problem.