MiG-29 9.13 ICM (Eastern Express, Italeri) 1:72

Im Juni 1983 erfolgte die Auslieferung der ersten Serien-MiG-29 Ausführung 9.12. Diese erste Serienausführung ist die bisher am meisten bekannten MiG-29. Ihre Exportversionen mit etwas eingeschränkter Avionik war die 9.12A (DDR/Luftwaffe, Polen, CSSR) sowie die noch weiter abgespeckte 9.12B für andere Exportkunden. Wenn heute von der MiG-29 die Rede ist, so in der Regel von diesen frühen Varianten. Wie alle erfolgreichen Flugzeugmuster aber unterlag auch die 29 von Anfang einer ständigen Weiterentwicklung. Da es an den allgemeinen Flugleistungen nichts auszusetzen gab, standen aber von Anfang die Avionikausrüstung, Reichweite sowie die Waffenlast im Visier der Modernisierungsmaßnahmen. So folgte bereits 1986 die erste Modifikation, die 9.13. Äußerlich ist diese Version sofort an dem erweiterten Rumpfrücken zu erkennen. Hiermit wurde für weitere 240 Liter internen Treibstoffvorrat Platz geschaffen. Darüber hinaus erhielt diese Variante einen Komplex für elektronische Gegenmaßnahmen (Gardenija 1FU) sowie die Möglichkeit, an den inneren Flächenpylonen 1150l Zusatztanks mitzuführen. Ein weiteres Erkennungsmerkmal sind die geänderten Randbögen der Tragflächen. Diese 9.13 wurde den sowjetischen Luftstreitkräften ab 1986 zugeführt. Auf Grundlage der 9.13 schließlich entstand die 9.14 mit neuem Waffenkontrollsystem und auf 4500kg erhöhte Waffenlast. Von dieser Variante aber wurde nur ein Prototyp gebaut, da man bereits an weiter fortgeschrittenen Varianten wie der 9.15 („MiG-33“) und der 9.17 (SMT) arbeitete. All diese und weitere Varianten aber erreichten auf Grund der finanziellen Lage bis heute nicht die Einsatzverbände. Somit blieb bei den russischen Streitkräften bis heute die 9.13 die einzige wirklich im Einsatz stehende Modifikation der MiG-29.

 

Im 72er Maßstab waren Bausätze der MiG-29 recht früh verfügbar – aufgrund der Materiallage aber eben doch etwas zu früh. So sind die Bausätze von Hasegawa, Esci/Fujimi und Revell allesamt von vorne bis hinten maßlich inkorrekt und zeigen nur recht schlechte Abbilder des Originals. In Form und Maß treffend umgesetzt dagegen präsentierte sich der Bausatz von Italeri. All diese Bausätze sowie weitere neuere anderer Hersteller wie Income(Italeri), Airfix oder Bilek stellen die 9.12 oder deren zweisitzige Trainervariante UB dar. Von Eastern Express erschien die SMT. Für all diese Kits gilt, das alles was auf dem Italeri-Kit beruht, zu empfehlen ist. Wer aber eine 9.13 darstellen möchte, welche schließlich die zahlenmäßig wichtigste Modifikation darstellt, der war bisher auf Eastern Express und ICM angewiesen.

 

Damit sind wir nun schließlich beim Thema: Der Bausatz der 9.13 von ICM. Und hier heißt es aufpassen! Bis heute gibt es zwei Bausätze von ICM der 9.13: Nr.7214 „Soviet Frontline Fighter“ sowie Nr.72142 „Swifts“. Ersterer ist nichts weiter als die Wiederauflage des Eastern Express Bausatzes. Grobe Details, obere Rumpfhälfte und Tragflächen mit versenkten, untere Rumpfhälfte mit erhabenen Paneellinien, falsche Form des Radoms sowie richtig, aber zu grob dargestellte Bewaffnung kennzeichnen diesen Bausatz. Der zweite, neuere Kit „Swifts“ überrascht deshalb: der Inhalt ist ein vollkommen anderer. Nach Vergleich mit dem Italeri - Bausatz erschließt sich dann die Grundlage dieses neuen Bausatzes: lediglich die Flächen und Seitenleitwerke wurden hier von Eastern Express übernommen. Fast alle Details aber wie Fahrwerke, Klappen, Cockpit und Kabinenhaube sowie die beide Rumpfhälften wurden eindeutig vom Italeri -Bausatz kopiert. Der oberen Rumpfhälfte wurde dazu sehr sauber der voluminöse Rumpfrücken aufmodelliert. Alles in allem eine hervorragende Grundlage für eine 9.13. Zusätzlich steuert ICM einen weiteren, neuen Gussast mit Teilen für die Darstellung von Zausatztanks und Lenkwaffen R-27, R-60 und R-73 bei –in bester Authentizität und Qualität.

 

Bei meinen Ausführungen zum Zusammenbau möchte ich hier weniger auf den Grundbausatz eingehen, da dieser ohne Probleme mit den entsprechenden „Modellbaubasics“ zu bewerkstelligen ist. Angespornt von einigen schön detaillierten Modellen der 29 im 48er und 32er Maßstab aber wollte ich für mich doch mal herausfinden, was mit eigenen Mitteln und der geballten Kraft der Zubehörindustrie aus dem ja recht einfachen Kit so heraus zu holen ist.

 

Am Anfang stand dabei das Cockpit. Der Aufwand lohnt sich hier, da Instrumentenbretter, Schleudersitz und der rückwärtige Avionikbehälter auch am 72er Modell gut einsehbar sind. Hier hatte ich aus alten Beständen zunächst das Resin-Cockpit von Pavla. Nach dessen Zusammenbau und Lackierung war ich nicht zufrieden und besorgte mir das Cockpitset von Aires. Dieses ist um Längen besser und in allen Punkten realistischer. An der oberen Rumpfhälfte sind dazu die entsprechenden Bereiche für die vordere Instrumententafelabdeckung und dem hinterem Avionikbehälter auszutrennen. Die Rumpfwände im Cockpitbereich müssen erheblich ausgedünnt werden und auch die Wandung der Resin - Cockpitwanne erheblich abgeschliffen werden. Eine echte Problemzone sind die feinen Sicherungen des hinteren Avionikbehälters. Diese hat Aires mit feinen Stiften dargestellt, welche aber durch Transport und endgültig bei der Bearbeitung verschwinden. Eigene Versuche der Darstellung dieses Details scheiterten an meinem beschränkten Fähigkeiten. Abhilfe schafften hier Ätzteile aus dem Part - Cockpitset. Ein weiteres Problem besteht darin, das das vordere Instrumentenbrett nicht richtig mit den seitlichen Konsolen der Cockpitwanne zusammenpaßt. Hier habe ich ein Stück Ätzteil eingesetzt.

 

Die wichtigsten Gravuren sind an den Teilen im wesentlichen korrekt und sauber wiedergegeben. Am Original aber sind weitere Details wie Deckel und Luken, Verschlüsse und ganze Nietreihen oft deutlich sichtbar. Als Vorlage dienten mir hierzu die hervorragenden Rißzeichnungen aus tschechischen (Zlinek) und russischen Zeitschriften. Markante Deckel auf dem Rumpfrücken - vor allem im Triebwerksbereich- wurden neu graviert, einige Gravuren geändert und andere hinzugefügt. Die feinen Nietreihen entstanden mittels Rändelrad aus Eigenbau, die Verschlüsse wurden allesamt einzeln mit einer Gravurnadel gesetzt. Abschließend wurden alle Oberflächen gründlich überschliffen.

Keiner der Bausätze bringt annähernd brauchbare Nachbrennerdüsen mit. Von Aires gibt es gute Resin - Nachbrennerdüsen für die 29. Sie bestehen aus Schubrohr, inneren und äußerem Nachbrennerring sowie dem als Ätzteil ausgeführtem Flammhalter. Um diese Nachbrenner montieren zu können, muß an der unteren Rumpfhälfte die hintere Wand an den Triebwerksverkleidungen aufgesägt werden. Die Triebwerksverkleidungen müssen von innen stark ausgedünnt werden, auch die überlappenden Bleche der oberen Hälfte. Ebenso müssen die in der Triebwerksverkleidung verschwindenden Resin - Schubrohre von außen abgeschliffen werden. Nun muß noch bedacht werden, das die Schubdüsen dabei gegen den Masseschwerpunkt des Flugzeuges gerichtet sind: ca. 3° nach unten und außen müssen die Nachbrenner zeigen. Die Aires-Anleitung geht auf dieses Detail ebenfalls ein, diesem Rat aber braucht man nicht ganz zu folgen: zwischen äußeren Nachbrennersegmenten und der oberen Blechabdeckung geht es am Modell trotz alles Ausdünnens derart eng zu, das die Nachbrenner schon von Haus aus nach unten zeigen. Die Kontaktseiten von Schubrohr und Nachbrennerteilen braucht also nur leicht abgeschrägt zu werden um die Neigung nach rechts und links darzustellen. Die Bremsklappen wollte ich auch geöffnet darstellen. Um die Trennlinien festzulegen, sollte man auf jeden Fall Fotos und Rißzeichnung zu Rate ziehen, denn am Modell sitzen die Gravuren hier etwas falsch. An beiden Rumpfhälften wurden die Bremsklappen ausgesägt, wonach diese aber nicht mehr brauchbar sind. Aus einem zweiten Bausatz wurden deshalb diese Teile verlustfrei ausgesägt. Diese beiden Klappen wurden nun mittels Plastikstreifen und Gußastfäden mit den entsprechenden Strukturen an den Innenseiten versehen. Ein ca. 5mm starkes Stück Plastik wurde als Rumpfabschluß an die untere Rumpfhälfte angepaßt und angeklebt – dabei wurden auch gleich die durch das Aussägen geöffneten Bereiche der Triebwerksverkleidung verschlossen. In diese Rumpfanschlußwand werden nun vier Löcher für die Aufnahme der Hydraulikstempel aus Kanülen gebohrt. Die Bohrungen müssen dabei entsprechend der nach unten und oben zeigenden Hydraulikstempel schräg gebohrt werden. Hierbei muß mit Bedacht und Überlegung vorgegangen werden: es geht recht eng zu, die Stempel müssen korrekt sitzen um später mit dem anderen Ende an der richtigen Position der Bremsklappen zu sitzen. Darüber hinaus sitzt genau mittig zwischen den vier Hydraulikstempeln der Bremsschirmbehälter. Dieses Teil habe ich aus einem Gussast gedreht.

 

Ein Merkmal der 9.13 wie auch der 9.12 sind die zusätzlichen oberen Luftansaugklappen wie auch die Gitter der Maschinenkanone. Am Boden ist die 29 sowohl mit geschlossenen wie auch mit geöffneten Ansaugklappen zu sehen. Ich habe mich entschieden, mein Modell mit geschlossenen Ansaugklappen und Lufteinläufen darzustellen. Die einfachste Art, die geöffnet dargestellten Klappen am Modell zu verschließen, ist wohl das Zuspachteln und Gravieren. Das ist so auch ausreichend, ich aber wollte darstellen, das die einzelnen Klappen wie am Original etwas versenkt gegenüber der Außenhaut sitzen. Von Part gibt es drei Ätzteilsets für die Mig-29: Cockpit (S72-014), Außendetails (S72-013) und eine Platine mit Leiter und FOD – Deckel. Diese Sets sind von toller Qualität und bis auf ein paar wenige kleine Fehlerchen hervorragend recherchiert. Wer hier genug Nerven hat, kann sich aus dem Cockpitset das wohl beste Cockpit eine 72er 29 zusammenlöten. Im Set der Außendetails finden sich sehr filigrane Teile für alle Gitter der Kanone sowie die oberen Einlaufklappen. Also die entsprechenden Bereiche ausgesägt und mit der Schlüsselfeile nachbearbeitet. Was bei den drei Teilen für Gitter der Kanone noch ganz gut funktioniert, habe ich bei den Teilen für die Ansaugklappen nicht bewerkstelligen können: die Teile dreidimensional so zu verwinden, das sie sich sauber an die Oberfläche des Rumpf-Flächenübergangs anpassen. Ich löste das Problem schließlich durch Eigenbau wobei ich die hinteren Gitter aus dem Eduard-Set (SS183) zunächst montierte. Der Klappenbereich wurde von innen ausgedünnt und ein Stück dünnes Plastiksheet eingeklebt. Von außen wurde der Bereich sauber abgeklebt und mittels Airbrush und Mr. Surfacer Flüssigspachtel von Gunze nach und nach so lange „zulackiert“, bis der Höhenunterschied zwischen dieser Fläche und der Außenhaut minimal war. Die mit der Außenhaut plan verlaufenden Streben zwischen den Klappen wurden einfach mit Decalstreifen dargestellt. 
Die Tragflächen von Eastern Express/ICM geben Form und Maß genau wieder. Ich habe lediglich die Querruder ausgesägt um diese in ihrer typischen 3° nach oben ausgeschlagenen Stellung am Boden darzustellen. Die Höhenruder erhielten eine drehbare Befestigung aus einem Stück Stahldrahtes, dabei wurde gleich noch der vordere, innere Bereich entfernt, welcher sich fest am Leitwerksträger befindet.

 

Mit einigen wenigen Anpassungsarbeiten im Bugbereich können untere und obere Rumpfhälfte miteinander verklebt werden. Im Bugbereich fallen einige unproblematische Spachtelarbeiten an. Die Lufteinläufe wurden mit Schutzklappen aus dem Part-Set verschlossen. Nun habe ich mich zunächst mit der Fronthaube befaßt. Deren Materialstärke ist zwar annehmbar, nicht aber wenn man das HUD montieren möchte. In diesem Bereich geht es wie am Original recht eng zu: HUD, zwei Auflagelaschen für die Haube und ein kleines Anzeigegerät müssen hier mit der Fronthaube harmonieren. Ich habe das Klarsichtteil von innen ausgeschliffen und neu poliert, was aber noch nicht reichte. Also das HUD etwas gekürzt – das Ganze paßt immer noch nicht zusammen. Beim Betrachten der Fronthaube fiel mir dabei mehr und mehr auf, das diese etwas zu flach ausfällt. Also habe ich mit Nitroverdünnung und Plastiksheet die äußeren Kanzelränder etwas angefüttert. So wird die Fronthaube etwas steiler und das HUD und die anderen Teile passen nun endlich, wenn auch knapp, darunter. Nun konnten Tragflächen und Seitenleitwerke verklebt werden.

Die Fahrwerksbeine von ICM sind recht gut ausgeführt, ich habe sie noch mit den Hydraulikleitungen und Spreizgelenken von Part versehen. An den schön detaillierten Klappen habe ich nichts weiter geändert. Deutlich sichtbar sind hier die beiden Landescheinwerfer der Hauptfahrwerksklappen. Italeri legt hier Klarsichtteile bei, die mir aber nicht so richtig gefallen. Bei Part gibt es dazu Ätzteile, die aber mal ausnahmsweise ein Phantasieprodukt sind. Im ICM -Bausatz finden sich zwei schöne Scheinwerfer aus grauen Plastik. Da diese von der Form her bestens stimmen, habe ich sie aufgebohrt, weis hinterlegt und mit Tesafilm verglast. Etwas friemelig ist hier nur das darstellen des weisen Lampenrings. Wie bereits erwähnt, sind die Räder ein Problem. Bei Italeri bestens detailliert, aber viel zu klein. Bei ICM die richtige Größe – aber absolut lieblos. Von Neomega gibt es Abhilfe in Form von Resinnaben und Gummireifen, doch da kam ich nun gerade nicht heran. Gut eben, das man tolle Modellbaufreunde hat, und so konnte ich die anständigen Resinräder von TallyHoo verwenden. Das bewegliche Haubenteil wurde mit der Rückwand von Part versehen, welche dazu aber erheblich in Form geschliffen werden muß. Bei Part und Aires finden sich Atzteile zu Gestaltung des Haubenrahmens, die mir aber alleine nicht so richtig gefielen, weshalb ich hier mit Plastik und Draht nachdetailliert habe. Die Spiegel liegen bei Part, Aires und Eduard bei. Das Staurohr bekam eine Aufnahme in Form einer Kanüle, und wurde am Radom eingespachtelt. Die Aufnahmeplatten für die kleinen Pitotrohre am Bug und den Leitwerken steuert Part bei, die vier Lufthutzen der Triebwerke wurden dem ICM -Bausatz entnommen, gekürzt und aufgebohrt. Der Lufteinlauf für die APU -Turbine stammt ebenfalls von ICM und wurde auch aufgebohrt. 
Die Lenkwaffen von ICM sind hervorragend dargestellt, sie bedürfen lediglich etwas Nacharbeit wegen der teilweise rauhen Oberflächen der Raketenkörper. Die Winkelgeber stammen von Eduard, diese sind am besten dargestellt. Richtig schön bei Part wie bei Eduard ist die typische „Teufelskralle“ – Antenne am rechten Seitenleitwerk.

Mein Modell sollte einen typischen schon leicht abgenutzten grauen Anstrich mit graublauen Tarnflecken der russischen Luftstreitkräfte Anfang der 90er Jahre erhalten. Nach einer grauen Grundierung wurden zunächst Nietreihen, Gravuren und Verschlüsse im Vorfeld mit schwarzer Wasserfarbe eingefärbt.
Durch die nicht gerade üppigen Flugstunden treten an solchen Flugzeugen die Blechstöße und Nietreihen deutlich hervor, an manchen Exemplaren sogar überdeutlich. Die Gitter der Kanone habe ich bereits vorher lackiert und maskiert. Russische Farbtöne sind generell so ein Thema, ich hatte entsprechende Farben von Xtracolor und ModelMaster. Keiner dieser Farbtöne konnte mich wirklich überzeugen. Also mischte ich mir beide Farbtöne selber an: Das Grau aus Möwengrau FS16440 und Russian Flanker Medium Blue, das Blaugrau aus Russian Flanker Medium Blue und FS16176 von Xtracolor. Das Modell wurde komplett mit dem Grauton lackiert, die Blaugrauen Felder wurden anschließend Freihand aufgetragen. Um zu einem leicht abgenutzten Aussehen zu kommen, wurden einzelne Bereiche Freihand mit dem jeweils aufgehellten oder abgedunkelten Farbton leicht nachlackiert. Ich muß dazu sagen, das ich kein Freund ausgedehnter „Washingorgien“ bin und deren Nutzen oft nicht erkennen kann. Schaut man sich viele Originale an, so ist deutlich zu erkennen, das sich die Abnutzung des Farbkleides vor allem durch unterschiedliche Ausbleichung zeigt. Dementsprechend sollte man auch die Abnutzung am Modell realisieren. Im Übrigen wirkt auch nicht jede Technik in jedem Maßstab gleich – und in 72 sollte braucht es vor allem vielmehr Farbnuancen als einfach nur dunkle Washing -Gravuren. Nichts gegen abgedunkelte Gravuren, aber diese sind nicht mehr als ein Teil der Gestaltung und sollten mit der eigentlichen Lackierung harmonieren. So etwas braucht Geduld, Zeit und Tageslicht. Die Grundfarbtöne stark verdünnt, aufgehellt oder abgedunkelt fein und sparsam nach und nach auf die entsprechenden Bereiche auftragen, das Ergebnis kritisch betrachten und zwischendurch ruhig mal einen Tag Pause einlegen. Man wird sich dabei oft unsicher sein – helfen tut hier nur das Gefühl und mit der Zeit die Erfahrung. Separat maskiert und lackiert wurden der Blendschutz in Revell 9, Radom und Antennenverkleidungen in FS 16118, die hinteren Gitter der oberen Lufteinläufe Rot sowie die oberen Nachbrennerabdeckungen in Aluminium.
Da bisher wirklich alles ganz gut ging, war es nun an der Zeit das auch mal was schief geht. Diesen Part übernahmen die Decals in trauter Einigkeit mehrerer Hersteller wie Eaglestrike, HiDecalLine, ICM und Techmod. Was der eine nicht hat, hat der andere in falscher Dimension und allesamt – bis auf Eaglestrike – einen brettartigen nicht weich zu bekommenden Trägerfilm. Letztendlich habe ich das Sammelsurium, welches ich gar nicht mehr näher beschreiben kann, mit Future regelrecht auftapeziert. Um das Desaster halbwegs zu kaschieren, wurden die Decals mit einer Mischung aus dem jeweiligen Farbton des Untergrundes mit Klarlack überlackiert und später mit Schleifleinen überschliffen. Wer sich solche „schönen“ Stunden ersparen möchte, der sollte mal den Decalsatz zur MiG-25 von Begemot versuchen. Abschließend erfolgte ein Klarlackauftrag mit seidenmattem Klarlack, welcher mit einigen matten Bereichen kombiniert wurde, was recht interessante Effekte ergibt.

Nun wurden die separat gebauten und lackierten Teile wie Fahrwerke, Klappen, Antennen, Winkelgeber, Pitotrohre und Haube angebracht. Diese Teile passen alle gut, selbst die Höhe der Fahrwerksbeine kann unverändert bleiben. Das mehrstufige Staurohr entstand aus Draht und Kanülen, dessen Flächenansätze aus Plastiksheet, da die Eduard-Ätzteile dafür nicht passen. Eine zittrige Angelegenheit war die Montage der Bremsklappen und Nachbrenner. Ich habe lediglich die R-60 Raketen angebracht, da ich die anderen Lenkwaffen separat auf entsprechenden Trolleywagen präsentieren möchte. Zur Montage der Zusatztanks konnte ich mich nicht durchringen.
Die Bausätze von Italeri und ICM der 9.12 und 9.13 stellen eine solide, stimmige und preiswerte Grundlage für wirklichen Bastelspaß dar, den ich dabei wirklich gehabt habe. Was an weiterführenden Details gewünscht wird, kann jeder Modellbauer anhand der eigenen Fähigkeiten und mit Hilfe der Zubehörindustrie für sich selbst entscheiden – die Möglichkeiten sind hier groß. An solchen Bausätzen wird gut sichtbar, das eine stimmige Grundform weitaus wichtiger und entscheidender ist als die Anzahl der vorhanden Gravuren und Details. Sehr empfehlen möchte ich nochmals die Ätzteilsets von Part, die nicht nur eine finanzielle Alternative sind, sondern auch wirklich Akzente setzen. Mein Dank geht an meine Modellbaufreunde „Flugi“, „Rapier“, „Flogger“, „Ronny“ und „Neo“ welche mich bei diesem Modell hilfreich mit Rat, Hinweisen, Kritik und Material begleitet haben. Was wäre man eigentlich ohne solche Freunde?