Fouga C.M. 170R „Magister“ (Heller)

Der Anblick dieses kleinen Flugzeuges mit der relativ großen Spannweite lässt es erahnen: Der Urahn war ein Segelflugzeug. Allerdings ein Motorsegler mit Gasturbinenantrieb aus dem Jahre 1949, die CM 8-R13.Am 23. Juni 1953 erfolgte der Erstflug des ersten Prototypen der C.M.170. Die „Magister“ war als leichtes Schulflugzeug für die französische Luftwaffe geplant. Die Magister kam damit genau zum richtigen Zeitpunkt: Viele Luftwaffen rüsteten  zu dieser Zeit auf Strahlflugzeuge um, woraus sich zwangsläufig der Bedarf nach einem speziellen Schulflugzeug mit entsprechenden Antrieb ergab. Die Luftwaffe bestellte ebenfalls 234 Magister. Die ersten 40 kamen direkt von Fouga,  der Rest stammte aus deutscher Lizenzproduktion der „Flugzeug Union Süd" (Konsortium von Heinkel und Messerschmitt). Damit wurden die veralteten Kolbengetriebenen Harvards  ersetzt. Am 28. Mai 1957 erhielt die Luftwaffe ihre ersten beiden Magister, 1962 wurden die letzten 2 Exemplare an die Luftwaffe übergeben. Eingesetzt wurden die Flugzeuge vor allem bei der FFS „A“ in Landsberg. Weiterhin wurde die Magister bei der WaSLw 50 in Erding zur Ausbildung genutzt, bei den Aufklärungsgeschwadern 53 und 54 kamen die Magister als Verbindungsflugzeug zum Einsatz. Weitere Nutzer waren das MFG1 und 2. Mit der Verlegung der Pilotenschulung in die USA Anfang der sechziger Jahre endete jedoch  auch recht schnell die Karriere der Magister bei der Luftwaffe. 1966 wurde die FFS „A“ aufgelöst, die letzten Nutzer waren nun bis Ende der 60er Jahre die Marineflieger sowie die Erprobungsstaffel in Manching. Einige Magister wurden mit zivilen Kenzeichen noch bis Anfang der 70er Jahre von der Reservistenkameradschaft der Luftwaffe geflogen.

Das „Acro -Team“ der Luftwaffe und die Magister

  Bei der FFS „A“ kam es 1959 zur Bildung eines Kunstflugteams. Damit sollte, wie in anderen Ländern auch, das Können der Flugzeugführer für die Öffentlichkeit und dem Steuerzahler präsentiert und bewiesen werden. Zunächst wurden die deutschen Piloten von englischen Fluglehrern für den Formationskunstflug ausgebildet,  ab 1960 wurden die ersten deutschen Fluglehrer eingesetzt,  1961 wurde sogar eine zweite Kunstflugstaffel eingesetzt. Flogen die Magister des Acro –Teams noch im normalen Aluminiumkleid, so wurde später eine spezielle Lackierung mit roten Streifen in Schwingenform auf den Flächen, roten Blitzen am Bug sowie weiteren roten Flächen an Rumpfober- und Unterseite. Die Leitwerke sowie die Tragflächenendbehälter wurden in den deutschen Nationalfarben lackiert. Auf der Bugoberseite befand sich eine Blau/Rote Verzierung. Die normalen Hoheitszeichen und Kenner wurden beibehalten. Das Acro-Team war vielbeschäftigt: Bei Flugtagen wie in Jagel, beim Flugtag zum 5jährigen Bestehen der Luftwaffe in Fürstenfeldbruck trat das Acro – Team vor begeistertem Publikum auf. Der Höhepunkt dürfte der Auslandseinsatz 1961 in Florennes/Belgien gewesen sein.1962 aber war Schluss: In Folge des Absturzes  von 4 F-104F der WaSLw 10 im Juni 1961 wurden alle Aktivitäten in Sachen Formationskunstflug bei der Luftwaffe eingestellt. Daran hat sich leider bis heute nichts geändert.

Aus neuen Formen gibt es keinerlei Angebote für den Modellbauer – aber das ist auch gar nicht unbedingt nötig. 1975 brachte Airfix einen sehr liebevoll gestalteten Bausatz der Magister heraus. Zwar sind hier die Nietenreihen auf den Oberflächen eigentlich überflüssig, die Klarsichtkanzel, das Cockpit, die Fahrwerke und auch dessen Schächte aber sind sehr gut (auch nach heutigen Maßstäben!) gestaltet. Die brauchbaren Decals auf glänzenden Trägerfilm lassen die Markierung einer Luftwaffen- und einer belgischen Magister sowie einer Französischen der französischen Patrouille de France zu. Man braucht hier keine Angst vor dem relativ hohen Alter des Bausatzes zu haben, mein vorliegendes Exemplar ist nun fast 30 Jahre alt  - die Decals aber noch im Topzustand.Eine weitere Möglichkeit für den Modellbauer besteht in dem ebenfalls nicht unbetagten Bausatz von Heller. Die Qualität dieses Bausatzes ist nicht so gut wie die der  Airfix – Magister – dennoch stellt auch dieser Bausatz eine gute Grundlage dar und ist zudem weitaus besser verfügbar. Bei beiden Bausätzen sind die Blechstöße erhaben ausgeführt sind aber teilweise bei Airfix und komplett bei Heller falsch. Im folgenden Baubericht möchte ich nun auf den Bau des Heller-Modells eingehen.

Wer sich ein Modell der Fouga Magister bauen möchte, sollte sich zunächst mit etwas Material zum Vorbild versorgen. In meinem Falle erhielt ich die freundliche Unterstützung des BMVD – Verlages, der mir das Fouga - Magister Heft aus seiner F-40 Reihe zur Verfügung stellte. Zunächst habe ich die erhabenen Blechstöße der Rumpf – und Flächenteile sowie der beiden Flügelbehälter abgeschliffen. Nun erfolgte das Vermessen für die Neugravierung. Als Vorlage diente mir dabei der 72er 5-Seitenris aus besagtem F-40 Heft. Dabei wurden natürlich auch die allgemeinen Abmessungen der Plastikteile verglichen, wobei sich eine Abweichung in der Rumpfhöhe heraus stellte. Der nächste Schritt bestand nun im verkleben der Tragflächenhälften. Die Teile passen gut zueinander, Nacharbeit aber erfordern die Hinterkanten. Hier mussten einige Bereiche mit Sekundenkleber neu aufgebaut werden. Nachdem dies geschafft war, beschäftigte ich mich mit dem Cockpit. Die Instrumentenbretter wurden mit dem Pinsel bemalt, die Seitenkonsolen wurden mit etwas Plastiksheet neu aufgebaut und erhielten die Schubhebel sowie einige Schalter und Knöpfe. Die Sitze übernahm ich unverändert, lediglich Gurtzeug aus Klebeband wurde hier hinzugefügt. Ich habe es im Cockpitbereich insgesamt nicht so genau genommen, da die dicke Haube und allgemeine schwarze Farbgebung des Innenbereiches wenig erkennen lässt. Um dem Licht hier wenigstens etwas Angriffsfläche zu bieten, habe ich auch mehr mit einem dunklen Graumetallicton gearbeitet als dem eigentlich vorgeschriebenen Schwarz. Die Cockpitwanne wurde nun in die Rumpfhälfte geklebt.

Als nächstes muss Bugfahrwerksschacht bemalt und das Bugfahrwerksbein montiert werden. Die Fahrwerkschächte und Innenseiten der Fahrwerksklappen der Magister waren in einem Sandgelben Farbton gehalten – sehr passend ist hier Pale Yellow, Nr.81, von Humbrol. Das Verkleben der Rumpfhälften bringt keinerlei Probleme mit sich, es fallen hier nur kleinere Spachtelarbeiten an. Schon etwas mehr in „Form“ müssen da die Lufteinläufe gebracht werden. Sauberes Verkleben mit einem guten Plastikkleber und anschließendes Verschleifen macht den Einsatz von Spachtel aber hier überflüssig. Nun habe ich zunächst die Cockpithaube neu aufpoliert, das typische Periskop (Eigenbau aus etwas gebogenen Draht) montiert und nun angeklebt. Die Haube sitzt nicht sauber auf dem Rumpf auf und muss deshalb gründlich eingespachtelt und eingeschliffen werden. Bevor nun die Tragflächen an den Rumpf montiert werden können habe ich diese mit den Endbehältern versehen. Nach etwas Anpassungsarbeiten an den Montagestegen sitzen die Tragflächen auch recht gut am Rumpf, lediglich der Übergang zum Rumpf muss verschliffen werden. Die Leitwerksflächen habe ich nach Augenmass angeklebt, und denke sie sitzen richtig. Nun konnte die Montage der überschaubaren Kleinteile beginnen: Die Lufthutzen an den Triebwerken wurden vom Bausatz übernommen, lediglich die Öffnungen wurden nachbearbeitet.

Die Blattantenne auf dem Rumpf wurde aus dünnem Plastik geschnitten. Die Kipphebel der Trimmruder auf den Tragflächen entstanden aus etwas gebogenen Draht. Die Haltegriffe am Bug entfallen, da diese an deutschen Magistern nicht vorhanden waren. Der Bugscheinwerfer entstammt ebenfalls dem Bausatz und bedarf keiner weiteren Nacharbeit. Die Verglasung der Positionslichter an den Endbehältern bewerkstelligte ich folgendermaßen: Zunächst wurden die entsprechenden Ecken einfach mit dem Skalpell ausgeschnitten, etwas verschliffen und lackiert. Die Verglasung aber erfolgte erst nach Abschluss aller Lackierarbeiten mit mehreren Aufträgen von Humbrol Clearcote. Die beiden Messonden vor der Frontscheibe habe ich mit etwas gebogenen, sehr dünnem Kupferrohr  dargestellt. Die Hauptfahrwerksbeine wurden zunächst lackiert und dann auf die ebenfalls bereits lackierten Klappen geklebt. Nun habe ich noch jeweils eine Hydraulikleitung aus Draht hinzugefügt.  

Ich habe mich bisher eigentlich nie mit Flugzeugmodellen im Luftwaffen-Farbenkleid beschäftigt. Im besagten F-40 Heft aber sind nun einige Schwarz/Weis Fotos der Magister in der Lackierung des Acro Teams zu sehen. Und diese Lackierung hatte es mir nun angetan. Das Farbfoto im F-40 Heft begeisterte mich sofort - damit stand für mich nun überhaupt fest das ich eine Magister der Luftwaffe bauen würde, zumal ich die Tatsache das es in der Bundesrepublik überhaupt ein Kunstflugteam gegeben hat, äußerst interessant und erinnerungswürdig halte.
Die Grundlackierung erfolgte, nach entsprechenden Polier- und Grundierarbeiten, mit White Aluminium und Chrom von Alclad.  Womit ich nun zu meinem Hauptproblem beim Bau dieses Modell kam: Ich hatte einfach keinerlei Decals dafür. Weder Hoheitszeichen noch Kenner oder Warnhinweisen, von spezifischen Decals für diese Farbgebung ganz zu schweigen.  Die Kenner unter uns werden nun sofort auf den Bogen von Max-Decals verweisen – aber Fehlanzeige, der ist lange nicht mehr im Handel.

Ich brauchte nun überhaupt erst mal aussagekräftiges Material für die Lage der farbigen Flächen – die Fotos aus dem F-40 Heft helfen hier nicht weit. In einer sehr alten Ausgabe vom Modelfan – 1975? -  war nun wiederum  eine Risszeichnung der Magister in der Bemalung des Acro –Teams. Hier fiel mir nun leider sofort ein Fehler im Verlauf der stilisierten roten Schwingen auf den Tragflächen auf – auf den Fotos sind deutliche Abweichungen zu sehen. Ich wollte mich nun also nicht allein auf diese Zeichnungen verlassen. Hier half mir nun die Website von Max-Decals. Der betreffende Decalbogen ist zwar nicht mehr im Angebot, wird aber mit einem stimmigen 3 Seitenfarbriss gut beschrieben. Diesen druckte ich mir nun aus und hatte somit eine gute Vorlage zum maskieren der farbigen Flächen. Das Maskieren und Lackieren ging dann auch ganz gut von der Hand – lediglich die Bemalung auf dem Bug ist doch etwas trickig.

Das Problem der Hoheitszeichen und Kenner gestaltete sich nun schwieriger. Meine Magister von Heller entstammt aus dem Kombi-Kit zum 50jährigen Jubiläum der Patrouille de France – da war schon mal nix mit deutschen Kennern. Mein Fundus ist zwar mit den Jahren ganz gut angewachsen – aber er beherbergte auch nichts in dieser Richtung. Also, mal eben 3 Bögen (Kreuze, Zahlen und Buchstaben) von TL-Decals beschafft. Aber eben nur, um festzustellen das diese eben allesamt nicht in der Größe passen. Lediglich die Nummer am Bug war damit zu bewerkstelligen.  Auf der Modellbauausstellung in Erfurt aber kam ich nun ein wenig weiter. Bei einem Händler konnte ich freudestrahlend den schönen alten Airfix –Kit der Magister ergattern. Hier fanden sich die passenden Kreuze und Warnhinweise. Nun fehlten also noch die Kenner – aber woher nehmen? Nach einigem Überlegen, ob ich mich nun doch mal ernsthaft mit der Selbsterstellung von Decals beschäftigen sollte, aber half mir Modellbaufreund Jürgen Busse alias „Viking“ aus dem Flugzeugforum. Dankbarerweise sendete er mir innerhalb kürzester Zeit hervorragend gedruckte Kenner aus Eigenherstellung zu. Diese Decals waren hervorragend zu verarbeiten und verhalfen mit einem nachfolgenden Klarlacküberzug nun doch noch zu einem glücklichen Ende meiner Magister.

Insgesamt betrachtet lässt sich aus dem Heller Bausatz der Magister mit etwas Eigeninitiative ein hübsches „Vögelchen“ bauen. Wem es aber möglich ist, der sollte doch besser auf den Airfix – Bausatz zurückgreifen, da dieser doch eine bessere Grundlage darstellt.  Wer dabei nun auch noch an eine interessante Farbgebung einer deutschen Magister denkt, dem sei gesagt das es auch einige komplett Gelb lackierte „Tweetys“ bei der Luftwaffe gab –na, das wäre doch auch mal was!