"Luftmoped"

Kamov Ka-56 "Osa"  Armory  1/72

Auf dem eDay in Prag habe ich ihn beim herumstöbern entdeckt – ein kleiner Pappkarton mit dem Foto eines seltsamen Vehikels, das Ganze der 72er Bausatz eines mir bis dahin völlig unbekannten zerlegbaren Ein Mann- Hubschraubers. Ein Luftmoped eben! Der Karton ist schon recht klein, in Bezug aber zum eigentlichen Bausatzinhalt ist es die überdimensionierteste Verpackung die ich überhaupt bisher erlebt habe. 15 Resinteile , eine kleine Platine mit 11 Ätzteilen und eine A4-Seite mit der Bauanleitung sind der Inhalt – besser sollten es sein. Etwa die Hälfte der Resinteile ist da schon lange nur noch Bruch und auch sonst heisst es aufpassen: Schon durch zu scharfes Ansehen verbiegt man die Ätzteile! Es ist das generelle Problem bei eigentlich allen Sets von Armory: Wenn schon solch - oftmals sogar sinnlos und völlig übertrieben – dünne Ätzteile, dann sollten die schon aus Edelstahl sein. Was Armory da liefert ist so etwa kurz vor Alufolie… - Aber was soll’s ! – das kleine Häufchen Elend ist dafür schön teuer und es kennt kaum bis gar Keiner – für sowas verbiegt man sich gerne mal die Augen.

Also erst mal im Internet nach dem Vorbild dieses Mopeds stöbern. Man findet da nicht viel: Ka-56 „Osa“ („Wespe“), ein aus mehreren Komponenten bestehender, schnell aufbau- und zerlegbarer Ultraleichthubschrauber der für den Einsatz von U-Booten und als „Gadget“ für Sondereinsatztruppen gedacht war. Das Dingelchen war dem Militär wohl doch zu verrückt und es ging nicht in Serie. Bilder gibt es nur wenige und diese nur in geringer Auflösung. Immerhin ist erkennbar, das der Bausatz sich gut an das Vorbild hält.

Der Bau gliedert sich in zwei „Hauptbaugruppen“: Das Vehikel mit Basisrahmen an dem Leitwerk, Sitz, Räder und der Rotormast befestigt werden sowie dem typischen Kamov - Koaxail - Rotor. Der Grundrahmen, Leitwerk, Sitz und Rotormast und das Teil für das Instrumentenbrett waren bei mir erhalten und auch brauchbar. Die Streben für die Räder entstanden aus Draht, die Räder habe ich mir an der Proxon aus Plastik neu gedreht. Wo alles genau Wie positioniert wird, darf man sich schön selber zusammen reimen, die Anleitung ist sozusagen nur ein grober „Fahrplan“. Alle Teile müssen gründlich versäubert werden, was besonders bei dem recht komplexen Rotormast mit Geduld gemacht werden sollte. Mit ein paar Tropfen Sekundenkleber sind die Teile dann aber schnell montiert. Neue Hebel entstanden aus Draht, welche Verdickungen mittels Weisleim erhielten.Dann habe ich ein paar Monate überlegt, ob ich den Rotor überhaupt zusammen bekomme. Die Pedale sollten erst ganz zum Schluss montiert werden, da sie sonst nur stören und stark gefährdet sind.

 

Die Montage des Rotors besteht aus zwei Hauptarbeitsschritten: Die Ätzteile ohne Schaden aus der Platine herausoperieren sowie deren Montage an sich. Für Ersteres am besten ein scharfes Skalpell nutzen und das Ganze auf einer Glasscheibe oder Metallplatte stattfinden lassen. Schnupfen oder Husten sollte man da nicht haben, sonst sind die Teile gleich wech! Bei der Montage habe ich mich an die Bauanleitung gehalten und habe die Teile dabei von unten nach oben auf einen 0,2er Stahldraht gezittert. Ob es andersrum auch und besser geht das weis ich nicht. Ich war dann jedenfalls heilfroh und hatte Muskelkater in den Fingern und den Augäpfel-Muskeln. Dagegen hilft sehr wirksam ein ordentlich bemessener Bierkonsum zu gutem alten ProgRock!

 

Die Lackierung geht fix und einfach. Mit der Airbrush das Vehikel in einem dunklen Grau, den Rotor in schwarz lackiert. Einige Details wie Gurte, Räder, Instrumentenbrett und Teile des Rotorgestänges werden mit dem Pinsel farblich abgehoben. Zum Schluss noch mal mit Seidenmattem Klarlack drüber, dann kann der Rotor mit seinem 0,2er Draht einfach auf den Rotormast montiert werden. Das Luftmoped ist damit fertig und auch etwas „Kopf“-lastig, es neigt zum nach vorne kippen. Es passt auf eine 2-Euro Münze oder auf einen Finger. Ich brauche jetzt noch eine geeignete Grundplatte….

Was soll ich eigentlich als „Fazit“ zu diesem Dingelchen schreiben? – für mich war es eine Art „Spaß“-Nummer und Spaß hat Luftmoped auch gemacht. Den kleinen Hubi empfehle ich allen Leuten mit etwas Modellbauerfahrung, Spaß und Interesse am anderen Modell – auch wenn das auf einen Ausstellungstisch durchaus übersehen werden kann. Und da wir bei Ausstellungen sind: warum nicht auch als Wettbewerbs-Modell ? – etwa für einen Zeitlimitierten Schnell-Wettbewerbsbau ? Fürs Kinderbasteln aber würde ich den nicht nehmen.