Jakowlew Jak-3 Zwezda 1/72

 

1939 war man sich in der Sowjetunion klar, das man im Jägerbau Nachholbedarf hatte. Die in Massen vorhandenen I-15, I-53 und I-16 Jäger konnten mit modernen Mustern wie der Me-109 nicht mehr mithalten. Eine entsprechende Ausschreibung erging auch an die jungen Konstruktionsbüros. Jakowlew hatte viele Erfahrungen im Sport- und Leichtflugzeugbau gesammelt und entwickelte nun mit der I-26 seinen ersten Jäger. Aerodynamik, Leichtbauweise und einfache Fertigung waren hier die Grundlage des als Jak-1 bezeichneten Serienjägers. Der Fronteinsatz führte bald zu Verbesserungen und Modifikationen , welche zur Jak-1B mit abgesenkten Rumpfrücken führte. Auf diesem Modell fußten letztlich alle folgenden Jak-Jäger mit Kolbenantrieb: Die Jak-7 als zweisitziger und abgespeckter Trainer, welcher aufgrund seiner guten Leistungen und noch einfacheren Fertigung wiederrum zur Jak-7B als einsitziger Jäger führte, welche schließlich zur Jak-9 in all ihren Bewaffnungs- und Reichweitenvarianten führte. All das aber waren keine Neukonstruktionen, wenn die Bezeichnungen das auch vermuten lassen. Diese Jäger waren den deutschen Gegnern zwar nicht überlegen, aber durchaus gewachsen. Da es aber nach wie vor keine grundsätzlich neuen Jägermotoren gab und die Leistungen des WK-105 nur geringfügig gesteigert werden konnte, kamen Jakowlew seine Erfahrungen und Herangehensweisen aus dem Sportflugzeugbau zugute: Bei selber Motorleistung können nur Aerodynamik und geringeres Gewicht zu mehr und besseren Leistungen führen. Dazu kehrte Jakowlew zur Jak-1B zurück, welche nun mehr Strukturteile aus Aluminium erhielt. Die Spannweite wurde von 17,5 auf 14,5m verringert. Weiterhin wurde die gesamte Aerodynamik verbessert: Wegfall des Ölkühlers unter dem Bug und dafür zwei entsprechende aerodynamisch sauber eingepasste Einläufe in den Flächenwurzeln, modifizierte Kabinenhaube welche etwas tiefer im Rumpf eingepasst wurde sowie ein einziehbares Spornrad. Das neue Muster wog nun nur noch magere 2660kg – und war mit dem Serienmotor WK-105PF schneller und wendiger als alle seine Vorgänger: 650km/h in 4650m Höhe und eine 360° Kurve in 18,5 Sekunden machten die als Jak-3 bezeichnete Modifikation  zum besten Jäger der Sowjetunion im 2.Weltkrieg. Ab Sommer 1943 kam die Jak-3 an die Front und wurde von den Piloten begeistert aufgenommen: einfach zu fliegen, leicht zu warten und zu reparieren und dabei den rauhen Bedingungen der Ostfront bestens gewachsen. Lediglich die Bewaffnung mit einer 20mm Motorkanone und nur einem 12,7mm MG im Bug wurde als Nachteil empfunden. Nachbesserung brachte hier der Einbau eines zweiten MGs im Bug. Für die deutschen Piloten war die Jak-3 eine gehörige Überraschung – das entsprechende Verbot, sich mit diesem Typ in Luftkämpfe einzulassen ehrte diesen Typ ebenso wie die Wahl der französischen Piloten des Normandie-Njemen Geschwaders, welche immerhin frei zwischen allen sowjetischen und einigen alliierten Mustern wie P-47 und der Spitfire wählen durften. 4848 Exemplare der Jak-3 wurden gefertigt, welche letztlich noch zur Jak-3U in Ganzmetallbauweise und WK-107 Motor entwickelt wurde. Diese jedoch erlangte keine Bedeutung mehr – die aus der Jak-3 entwickelte Trainervariante Jak-11mit Sternmotor und die direkt aus der Jak-3 abgeleitete Jak-15 mit Strahlantrieb aber blieben noch einige Jahre im Dienst.

 

„No Glue Required“ und „SnapFit“ – das verwundert schon etwas bei dem inzwischen wohlbekannten russischen Bausatzlabel. Ein Bausatz also eher für Kinder ? – die 46 sauber abgeformten und teilweise sehr filigranen Bausatzteile eignen sich dazu kaum. Ein Bausatz also für mal eben Zwischendurch, so ganz ohne Kleben und Spachteln ? – dafür ist das Ganze einfach schon wieder zu schade: Die berühmte Jak-3 wurde von den Herstellern eher stiefmütterlich behandelt, der Bausatz von Heller/Smer hat einen deutlich falschen Rumpfquerschnitt und das an sich recht originalgetreue Modell von Hasegawa kommt doch etwas einfach daher. Da fragt man sich schon, was Zwezda mit einem gut umgesetzten und recht detaillierten Modell als Steckbausatz eigentlich bezweckt – und ob das nur per Zusammenstecken auch funktioniert.

Bevor man nun etwas überhaupt zusammensteckt, muss man sich erst einmal mit den gut gemachten Tragflächen befassen. Die Aussparung für deren Unterteil mit den sehr schön detaillierten Fahrwerksschächten haben an den Oberseiten einen bleibenden Eindruck in Form einer deutlich sichtbaren Aufwulstung hinterlassen. Diese ist mit etwas Angleichen durch Spachtelmasse und nachfolgendem teilweisem Abschleifen schnell eliminiert. Das Unterteil passt dann ganz gut in die Tragfläche, hinterlässt aber schon so einige Spalten wo etwas Spachtel schnell hilft. Direkt auf der Tragfläche sitzt auch gleich das ganze Cockpit. Dieses wird mit einigen recht filigranen Teilen recht gut dargestellt – und tatsächlich: Das lässt sich alles problemlos einfach nur zusammenstecken. Aber mal ehrlich: Mit etwas Flüssigkleber dazu fühlt man sich doch irgendwie sicherer…
Das Spornrad ist schnell in eine der Rumpfhälften gesteckt, bei der Befestigung des Propellers aber sollte man den kleinen Ring für die Achse einfach nur hinter die Rumpföffnung kleben. Das geht einfach und die Achse passt so genau, das sich der Propeller später jederzeit einfach und genau einstecken lässt. Auf der rechten Seite ist das Seitenruderblatt unten recht stark eingefallen und benötigt etwas Spachtel. Nun kann man die Rumpfhälften schon einmal zusammenstecken, was auch hier ganz gut geht. Setzt man nur eine der Hälften auf die Tragfläche, lässt sich auch gut die Passung des Cockpits überprüfen.
Bei dem Zusammenfügen der Rumpfhälften ist Kleber dann auch ganz hilfreich, zumal doch etwas nachgespachtelt werden muss. Fast ohne Nacharbeit passt die obere Motorenabdeckung mit den MG’s auf den Rumpf. An den Stoßkanten etwas überschleifen langt hier schon für einen und aerodynamischen Eindruck. Lediglich zum Cockpit hin ist hier etwas Spachtel nötig.

 

Nun soll die Tragfläche auch schön einfach in den Rumpf eingesteckt werden – was aber gar nicht geht. Und wenn, dann nur mit solchem Kraftaufwand, das die Gefahr einer Beschädigung des Rumpfes sehr hoch ist. Das Tragflächenteil muss in der Mitte vorne erheblich abgeschliffen werden, dann lässt sich das Ganze auch zusammenfügen. Hier ist dann wieder Spachtelmasse nötig – wie eben auch an den Flächen-Rumpfübergängen. Und genau hier findet sich dann auch der wohl einzigste Fehler dieses sonst wirklich originalgetreuen Modells: Dieser Übergang muss im Bereich der Ölkühler einfach stärker ausgewölbt sein, schon das Deckelbild zeigt genau diesen Formfehler, auch müssen die Ölkühler selbst etwas nach unten geneigt sein. Mit etwas Spachtelmasse lässt sich das wohl einfach beheben, ich selbst habe das einfach viel zu spät bemerkt. Nun kann auch der Wasserkühler montiert werden. Dieser glänzt mit toll detaillierten Kühlerfronten, welche man nach deren Einbau leider nicht mehr sieht. Die Höhenruder sind schnell montiert, vor der Montage der gut gemachten Kabinenhaube aber sollte man sich entscheiden, ob man den Antennendraht darstellen möchte. Im Zuge der Gewichtseinsparung und besseren Aerodynamik entfiel bei der Jak-3 nämlich der Antennenmast, der Draht lief nun direkt durch das hintere Haubenteil. Dazu muss die Haube also entsprechend aufgebohrt werden (0,3er Bohrer) und vor deren Montage der „Draht“ ( ich nutze warm gezogene Fäden aus Q-Tips dazu) im hinteren Cockpitraum befestigt werden. Dabei die markante Panzerscheibe hinter dem Sitz nicht vergessen!  Nun kann der „Draht“ durch die Haube gefädelt und diese auf den Rumpf gesteckt –na, besser doch etwas geklebt  - werden. 

 

Die Lackierung ist an sich relativ einfach, weniger einfach die Bestimmung der Farbtöne. Die Jak-3 waren in der Regel in dem Neueren, Grauen Sichtschutz mit Hellblauen Unterseiten lackiert. Die Tarnschemen variieren dabei etwas, es kamen auch Exemplare in nur einem Grauton vor, ebenso farblich abgesetzte Bugbereiche. Bei den Farbtönen habe ich mich einfach von meinem Gefühl leiten lassen: Das Hellblau der Unterseite aus einem Gemisch Xtracolor X601 und X602, die Oberseiten erhielten X133 FS 16270 als Grundton, die Tarnung wurde mit X4 BS638 dargestellt. Die Maskierung erfolgte dabei mit Hilfe von UHU-Pattafix, da alle Farbgrenzen dem Original entsprechend einen leichten Verlauf aufweisen. Die Bausatzdecals lassen die bekannte Weise „6“ von Marcel Albert und die Weise „15“ von Semen Rogovoy zu. Noch schöner aber gefiel mir die Weise „100“ mit der schönen Schwingen-Noseart der 402. IAP/3 IAK vom Anfang 1945. Propellerspinner und Leitwerksspitze sind hier in Weis/Hellgrau gehalten. Als Pilot wird Anatolii E. Rubakhin (20 Luftsiege) vermutet. Diese Decals von Propagteam sind im Bausatz von Smer enthalten und lassen sich hervorragend verarbeiten – wie übrigens auch die Bausatzdecals welche noch einige Stencils beinhalten.

Eine Jak-3 darf schon etwas mitgenommen aussehen. Historische Fotos zeigen zwar oft die mit Wachs aufpolierten, recht gut gepflegten Exemplare, auf einigen Fotos sind aber doch deutliche Abnutzungen zu erkennen – verweisen möchte ich da mal auf die 1943 in Saratow ausgestellte Jak-1 von Boris Eryomin, welche so richtig schön „heruntergekommen“ daherkommt. Ich habe nach dem Auftragen der Decals das Modellchen vor allem im Motorbereich einfach mit einer dunkelgrauen Farbbrühe mittels Airbrush eingesprenkelt. Hier sind auch die Blechstösse und Verschlüsse am Original immer gut erkennbar, deshalb habe ich sie farblich betont. Die Abgasfahne wurde mit schwarzen Farbpartikeln aufgerieben. Im Modellfan Nr. 2/2012 erklärt Christoph Schnarr sehr schön an seiner 48er Spitfire das Darstellen von Lackschäden mittels Schwammstückchen. Diese Methode eignet sich auch für 72er Modelle – ich habe auf diese Art feine Lackschäden mit hellgrauer Farbe dargestellt. Die Unterseiten der Tragflächen erhielten dann noch feine Schmutzspuren aus bräunlicher Wasserfarbe. Das Finish erfolgte dann mit einem Gemisch aus Seidenmatten und Mattem Klarlack von Vallejo.

Die Fahrwerke sollen mit samst den Rädern auch nur zusammen gesteckt werden. Was die Räder betrifft, sollte man das bleiben lassen: das geht viel zu „straff“, auch hier sind Beschädigungen möglich. Die Bohrungen für die Achsen etwas vergrößern, die Zapfen an den Klappen für die Räder kappen. Die entsprechenden Löcher an den gut genmachten Rädern brauchen nicht einmal verschlossen werden, sie lassen sich gut hinter den Klappen verstecken. Ansonsten aber passen die Fahrwerke gut aneinander, sind filigran und originalgetreu und lassen sich dann auch in die Schächte stecken. Dabei erhalten sie dann auch den richtigen Winkel und die passende Standhöhe. Die inneren Klappen können einfach gesteckt werden.
Und noch ein wenig "Kleinkram" darf dann auch nicht fehlen: Die Öffnungen von Kanone und MGs werden aufgebohrt, ebenso die Mündungen der sehr filigranen Auspuffreihen. Letztere müssen an der Steckleiste erheblich dünner geschliffen werden, um in die Rumpfaussparung zu passen. Das Staurohr an der linken Fläche wurde aus feinem Messingrohr und Draht neu gebaut. Die inneren Fahrwerksklappen wurden mit Gestängen aus dünnem Draht versehen. Die Posilampen an den Randbögen wurden mittels Clearfarben von Humbrol dargestellt – dazu vorher einfach die gravierten Bereiche mit einem Skalpell vorher ausschneiden. Als kleiner „Kick“ wurden nun noch die Fahrwerksanzeigen auf den Tragflächen aus gezogenem Plastik dargestellt. Die Literatur gibt hierfür eindeutig eine Weise Bemalung mit roten Ringen an.

 

Eines steht fest: Trotz des Formfehlers an den Ölkühlern hat man mit diesem vermeintlichen „Steckbausatz“ den besten 72er Kit der Jak-3 auf dem Basteltisch. Geometrie und Maßhaltigkeit entsprechen voll dem Vorbild und die feinen Details können überzeugen. Überhaupt ist  das hohe Niveau der Abformung bemerkenswert. der Die Auslegung als Steckbausatz aber läuft ins Leere: Für die eigentliche junge Zielgruppe einfach zu kompliziert und mit zu filigranen Teilen, für den ambitionierten Modellbauer ein eher „unnützes“ Feature – welches auch gar nicht überall funktioniert. Das aber hindert nicht daran, das man innerhalb weniger entspannter Bastelstunden ein recht beeindruckendes Modell des (leider) weniger beachteten, dafür aber eines der besten WWII-Jägers in die Vitrine bekommt.