Saab JAS39C "Gripen"
Revell

 

1988 fand der Erstflug der „Gripen“ („Greif“) statt, welche in Kooperation von SAAB und BAE Systems gebaut wird. Als modernes, aber auch kostengünstiges und einfach zu wartendes Mehrzweckkampflugzeug stellt sie die Ablösung für die JA-37 „Viggen“ dar. Mit 6622kg Leermasse ist die Gripen ein echtes Leichtgewicht. Schon traditionell darf man die Delta – Tragfläche nennen, welche zusammen mit den vorgelagerten, beweglichen Canards für eine hohe Wendigkeit sorgen. Auf die beiden ersten Varianten A (Einsitzer) und B (Doppelsitzer) folgten die aktuellen Versionen C und D mit verbessertem Volvo RM12UP Triebwerk, neuer Cockpit- und Avionikausrüstung sowie Luftbetankungsstutzen. Das Gripen-Programm war von Anfang an auf Exporte ausgelegt, da eine wirtschaftlich tragbare Fertigung sonst nicht möglich ist. So nutzen außer Schweden bisher die Streitkräfte Südafrikas, Ungarns, Thailands und Tschechiens die Gripen. Tschechien hat seine 12 Ein- und zwei Doppelsitzer dabei für 10 Jahre bis 2017 geleast, eine Verlängerung ist geplant. In Großbritannien wird ein Exemplar genutzt. Weiterer Exportkunde wird Brasilien sein, andere Länder wie Argentinien oder die Slowakei zählen zu den aktuellen Interessenten. 2008 wurde die zukünftige Version „Gripen NG“ (Next Generation) mit GE F414G- Triebwerk und erhöhter Zuladung vorgestellt. Trotz günstiger Anschaffungs- und Wartungskosten läuft der Export der Gripen jedoch eher zäh. Bis 2007 wurden insgesamt 249 Gripen produziert.

Den schwedischen „Jäger 90“ hatte Revell schon in den 90er Jahren im Angebot. Den über die Jahre „angestaubten“ Bausatz hat der Hersteller aus Bünde 2014 durch eine komplette Neukonstruktion ersetzt. Der gerade noch als übersichtlich zu bezeichnende Bausatz enthält 104 hellgraue Plastikteile an 4 Gussrahmen, dazu kommen noch 10 Klarsichtteile. Cockpit undFahrwerksschächte sind auch hier die ersten Bereiche beim Bau des Modells. Die Details an den Teilen entsprechen so dem Vorbild, der doch recht einfach gehaltene Schleudersitz langt gerade noch so für eine Darstellung mit geschlossener Haube. Wer da wie ich noch einen Piloten hinein „operiert“, dem wird so richtig bewusst, wie klein dieses Cockpit ist – und das die vordere Instrumententafel zu tief sitzt und deren Abdeckung zu flach ist.
Viele Teile für einen kleinen Rumpf lassen auch viele Problemzonen erwarten. Die zwei Hälften der Cockpitsektion, noch mal zwei Hälften für den Heckbereich, das in den Flächenunterteil integrierte Rumpfunterteil, das Radom und schließlich noch die Teile für die Lufteinläufe – ganz schön komplex für so einen ja recht kleinen Vogel. Dazu noch die Klebenähte gerade auf den Oberseiten in mehrfach verwundenen Oberflächen – aber: Das Ganze passt doch recht gut! Klar, man muss da schon etwas genau arbeiten und etwas Spachtel zumindest am Unterrumpf habe ich doch gebraucht, trotzdem fällt die Nacharbeit überraschend gering aus. Auch das Radom passt sauber an den Rumpf, dafür zeigt das Radom aber so einige Oberflächenfehler welche verspachtelt und überschliffen werden müssen. Zu deutlich sind erhabenen Streifen der Formationsleuchten an Vorderrumpf und Leitwerk dargestellt – diese sollten auf jeden Fall abgeschliffen werden.

 

Die meiste Nacharbeit betrifft dann aber die Tragflächen. Und das gar nicht dort, wo ich es eigentlich erwartet hätte, am Übergang zum Rumpf, sondern vielmehr der Übergang zu den separaten Klappen. Hätte ich das vorher geahnt, hätte ich die Klappen gleich noch im abgesenkten Zustand montiert, der Zusatzaufwand dafür wäre kaum größer gewesen. Ich habe die Klappen so angeklebt, dass die meisten Anpassung an der Unterseite nötig ist. Einige Sinkstellen in den Oberflächen sind dann noch mit etwas Spachtel „auszubügeln“. Die für die festen Ansätze an der Fläche konform gestalteten Pylone für die Außenlasten passen an sich sehr gut – aber erst wenn man deren vordere Montageplatten erheblich dünner geschliffen hat. Am Original ist zwar am hinteren, geschwungenen Teil der Pylone auch ein leichter Spalt vorhanden – nicht aber einer, der am 72er Modell fast einen Millimeter ausmacht. Das Leitwerk passt ohne etwas Spachtel auch nicht übergangslos an seinen Rumpfansatz. Als separates Teil ist das lange Pitotrohr ausgeführt. Mein Versuch, das lange und labile Plastiksonde nicht zu ersetzen, schlug schnell fehl und ein Stück 0,4er Kanüle wurde als Ersatz montiert. Die Cockpithaube ist in Windshield und Haube geteilt, beide Teile sind von unterschiedlicher Qualität. Das Windshield ist perfekt und passt auch gut an seinen Platz. Die Haube hat auf der Oberseite eine feine Naht. Ob diese Naht Formtechnisch bedingt ist, vermag ich nicht zu sagen. Am Original befindet sich aber hier ein feiner schwarzer Streifen. Ich habe die Naht abgeschliffen und die Haube neu poliert, der Streifen wird später mit einem Decal dargestellt. Was beim genaueren Hinsehen dann wirklich stört, ist ein durchgängiger Abdruck im vorderen Teil der Kanzel. Er befindet sich an der Innenseite und weist auf einen Fehler am Werkzeug hin. Da dieser Fehler den Gesamteindruck nicht stört und der Bereich schwer zugänglich ist, habe ich die Sache so belassen. Im hinteren Bereich wird noch ein Steg eingeklebt, dann kann die Haube ohne Problem passgenau angeklebt werden. Die beiden kleinen Leitflächen am Rumpf werden etwas dünner geschliffen und in ihre Aussparungen am Rumpf geklebt, Schubrohr und Nachbrennerdüse verbleiben bis nach ihrer Lackierung separat. Die Schächte und die Kanzel werden in gewohnter Weise mit Tape und Maskol maskiert, doch vor dem Lackieren geht es erst noch mal um die Antennenvariationen.

Was die Antennen angeht, so stellt die Bauanleitung keinen guten Ratgeber dar. Das ist jetzt auch der richtige Zeitpunkt, sich das Vorbild seines Modelles hier mal genauer anzusehen. Dabei sollte man aber auch sein explizites Vorbild im Auge haben, denn es gibt so einige Unterschiede. An der Unterseite befindet sich bei meiner „9240“ am Heck eine längliche Blattantenne, welche aus Plastik schnell erstellt ist. Vor dem Bugfahrwerksschacht gibt die Anleitung die Positionen für eine größere Blattantenne und einen Winkelgeber an. Die Blattantenne aus dem Bausatz ist viel zu dick, ich habe sie mir gleich aus etwas dünnem Kupferblech zugeschnitten. Das Bausatzteil für den Winkelgeber ist unbrauchbar, die selben beiden Geber links und rechts unter dem Windshield sind falsch und leicht erhaben am Rumpf angespritzt. Ich habe mir diese drei kleinen Winkelgeber ebenfalls aus Kupferblech erstellt, aber erst nach der Lackierung montiert. Auf dem Rumpfrücken finden sich am Original nun nochmal vier Antennen: Hinter der Cockpithaube ist eine kleine, runde Antenne. Hier hilft eine Scheibe aus passendem Rundmaterial. Die dann folgende Blattantenne aus dem Bausatz wird dünner geschliffen und kann so verwendet werden. Nun folgen zwei recht kleine Blattantennen, welche direkt am Rumpf angespritzt sind. Meine haben Rumpfmontage und das anschließende Versäubern nicht überstanden und wurden aus Plastik neu erstellt.  Nun schauen wir wieder auf Vorbildfotos: Der Bausatz stellt das Leitwerk mit zwei kleinen Blattantennen am oberen Leitwerksbehälter dar. Das ist richtig so – aber es gibt noch die Variation, wo diese Antennen hier entfallen und dafür am kleinen Behälter in der Nasenkante darunter montiert sind. Und das ist ganz genau bei der „9240“ – dem Tiger-Exemplar auch der Fall. Das ist sogar dem Zeichner des Deckelbildes aufgefallen – nur nicht, das dann eben wie schon gesagt, die Antennen am oberen Behälter entfallen. Ich habe mir aus dünnem Plastiksheet die beiden Antennen neu gebaut, montiert aber werden sie erst später, um nicht bei dem Anbringen der großen Leitwerkdecals zu stören.  

 

Graue Farbenspiele erwarten nun den Modellbauer. Revell gibt die beiden grauen Farbtöne mit dem eigenem Farbschlüssel und auch in FS an, doch Letzterem kann ich nicht ganz folgen. FS36375 für die Unterseiten geht in Ordnung und so wurde auch das ganze Modell erst mal lackiert. Um der „grauen Maus“ etwas Leben einzuhauchen, habe ich die wenigen Gravurlinien jetzt noch etwas abgedunkelt, wofür ich ein dunkles Grau verwendet habe. Die Farbgrenzen sind am Original „weich“ gestaltet. Dieser Effekt lässt sich auch im 72er Maßstab gut mit Uhu-Tac als Maskierung umsetzen. Für die Oberseiten gibt Revell jetzt FS36270 an – viel zu hell! Genaue Farbangaben für diesen je nach Lichteinfall immer wieder etwas anders wirkenden Grauton konnte ich jedoch nirgends finden. Meine Wahl fiel dann auf FS15237, wofür ich X126 von Xtracolor verwendet habe. Auf den Bildern der „9240“ im Tigermeet-Sonderanstrich fallen auf den Flächenoberseiten deutliche Verwitterungsspuren auf. Diese habe ich frei Hand mit der Airbrush und FS16375 dargestellt. Für die Tigermeet-Variante muss der Kanal auf dem Rumpfrücken noch schwarz lackiert werden, die beiden kleinen Antennen und ein kleiner rechteckiger Bereich dazwischen müssen maskiert und hellgrau lackiert werden. Nun kann es an die Decals gehen. 
Die qualitativ sonst sehr guten Decals haben leider eine zum Original etwas abweichende Farbgebung, und das fällt auf. Bei den gut recherchierten Stencils ist ja die Welt noch in Ordnung, aber die Bordnummer und die Hoheitszeichen sind einfach zu hell. Seltsam: auf den kleinen Bildern auf dem Bausatzkarton haben diese Nummern den genau richtigen Farbton – und nicht nur diese!. Die „Hauptakteure“ dieser Bemalungsvariante sind die 4 Decals für das Seitenleitwerk und der beiden Canards. Drucktechnisch und auch von den Größenverhältnissen der enthaltenen Elemente und Motive sind auch diese Decals gut getroffen – aber wieder ist es die Farbgebung, die deutlich sichtbar fehl geht. Diesmal ist es der Rot-Violette Farbstich am Leitwerk und eine falsche braune Färbung an den Canards, was so am Original überhaupt nicht vorhanden ist. Am Leitwerk vielleicht noch zu verschmerzen, ist die falsche Farbgebung der Canards nicht mehr schön zu reden. Schade, einfach nur Schade! – ich habe die Decals dennoch verwendet, da mir keine anderen zur Verfügung standen und man ein Modell durchaus auch mal so zeigen sollte, wie es aus der Schachtel kommt. Revell kann hier auch durchaus noch nachbessern… Bei allen Decals habe ich Weichmacher verwendet, welche gerade die am Leitwerk gut vertragen und auch ausreichend benötigen. Der abschließende Klarlacküberzug erfolgte mit einem Gemisch aus mattem und seidenmatten Klarlack.

Fahrwerke, Klappen und sonstige Details hat Revell gut dargestellt. Besonders die filigranen Hauptfahrwerksstreben und die Räder sind sehr fein detailliert und Vorbildgetreu dargestellt. Hier liegt es alleine an der entsprechenden Farbgebung, diese Details auch gebührend sichtbar zu machen. An den Hauptfahrwerken habe ich noch ein paar Leitungen aus Draht hinzugefügt, ebenso am Bugfahrwerk. Im geöffneten Zustand passen die Bremsklappen völlig problemlos an ihren Platz. Mein Modell soll ja die „9240“ beim Ausrollen von der Landung zeigen. Dazu passen geöffnete Bremsklappen – und die jeweils geschlossenen Hauptklappen von Haupt- und Bugfahrwerk, welche die Schächte so vor Verschmutzung schützen. Um diese Klappen geöffnet darstellen zu können, müssen deren Ausschnitte etwas erweitert werden. Für die schon angesprochenen Winkelgeber waren vor der Lackierung Bohrungen für deren einfache Montage gesetzt worden, so sind diese kleinen Eigenbauteile jetzt schnell montiert. Auch die Kanone habe ich separat lackiert, da sie ganz hervorragend an ihre Position unter dem Rumpf passt und sich so deren Metallfarbenes Vorderteil so viel einfacher lackieren lässt. Die beiden selbst gebauten Blattantennen für das Leitwerk können dank ihrer Sockel auch recht einfach montiert werden. Bleiben noch die Positionslampen: Je zwei an den Lufteinläufen und am Heck und eine am oberen Leitwerksbehälter. Die am Leitwerk habe ich ganz einfach mit einem Tropfen Weissleim realisiert, da diese Lampe ohnehin nicht gefärbt ist. Die vier anderen, sehr kleinen, aber sehr gut abgeformten Lampen wurden zunächst am klaren Gussast mit Clearfarben eingefärbt, und dann mit etwas Klarlack an ihren Positionen befestigt.

 

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge steht sie am Ende dann vor mir, die neue 72er „Gripen“ von Revell. Das Modell entspricht in Maß und Form gut seinem Vorbild und bietet kaum Raum für Kritik. Auch ein einfacher und unspektakulärer Bausatz führt zu einem ansehnlichenm Modell. Kritik verdient der Decalbogen, der gut recherchiert wurde, aber zu auffällige Farbfehler hat. Mir scheint das einzig ein Problem beim Seriendruck des Bogens zu sein, denn sowohl Deckelbild wie auch die Fotos des Mustermodells zeigen hier realistischere Farbtöne. Die dazu „passende“ falsche Farbangabe in der Bauanleitung soll auch nicht vergessen werden. Bei diesen beiden Kritikpunkten kann Revell ja bestimmt nachbessern – und die 211. Staffel hat noch so ein paar schöne Bemalungen!