Saab 29 "Tunnan"
Tarangus

 

Wie die wesentlich berühmteren MiG-15 und F-86 zählte die Saab – 29 zu den ersten Strahlflugzeugen mit Pfeilflügeln. Der Erstflug des Prototyps fand am 1. September 1948 statt, ab Mai 1951 begann die Indienststellung bei den schwedischen Streitkräften. Einflüsse aus deutschen Entwürfen fanden nicht nur im Äusserem des Flugzeuges seines Ausdruck , sondern waren auch ein Ergebnis aus der Mitarbeit des ehemalige Messerschmitt-Mitarbeiter Dr. Hermann Behrbohm an diesem Entwurf. Die bei den schwedischen Streitkräften J-29 genannte Maschine (S-29 für die Aufklärervariante) wurde von einem De Havilland Ghost Radialtriebwerk angetrieben, verfügte über einen ebenfalls von Saab entwickelten Schleudersitz und war mit 4 20mm Hispano-Suiza Maschinenkanonen bewaffnet. An Unterflügelstationen war die Mitführung von Zusatztanks, Bomben und ungelenkten Raketen möglich. Saab stellte insgesamt 661 Exemplare der „Tunnan“ her, von denen 30 nach Österreich exportiert und 11 Exemplare für den UN Einsatz im Kongo bereitgestellt wurden. Ab 1960 wurde die J-29 von der J-35 ersetzt, in Österreich blieben die „Tonnen“ noch bis 1973 im Einsatz.

„Tunnan“ – auf Deutsch ganz schlicht „Tonne“ : selten heißen Flugzeuge so wie sie aussehen. Die Saab-29, bei den Streitkräften J-29 genannt hat ihr eigenes Äußeres was den Modellbauer reizt. Von Airfix kam schon vor Jahrzehnten ein recht guter Bausatz auf den Markt, welcher sogar Alternativteile für die Aufklärerversion enthält. Ein sehr einfaches Cockpit und erhabene Blechstöße sind an solch alter Werkzeugform natürlich normal. In dieser Form wurde der Bausatz auch von Heller vertrieben. Von Matchbox kam ein sehr grober und insgesamt einfach unbrauchbarer Bausatz heraus, die andere Alternative ist ein Resin-Bausatz vom IPMS Österreich, welcher in Anbetracht des Airfix/Heller – Bausatzes aber nur hinsichtlich einiger Details eine tatsächliche Alternative darstellt. Über die Jahre hat sich auch der Zubehörmarkt dem Airfix/Heller-Bausatz gewidmet und vor allem Teile für das Cockpit auf den Markt gebracht. Die Marktlage zu diesem Typ ist in 1/72 also gar nicht so schlecht – aber besser geht es auch noch dachte sich Fredrik Zetterberg aus Schweden und brachte 2013 unter seinem Label „Tarangus“ einen weiteren Bausatz der „Tonne“ heraus. Die attraktive Faltschachtel mit Farbzeichnungen der Decalvarianten enthält zwei Gussrahmen sowie den Rahmen für die Klarsichtteile, ein Beutelchen mit Resinteilen , Decalbogen und Bauanleitung. Es handelt sich dabei um die frühe A/B Version ohne Sägezahn –Tragflügel und ohne Nachbrenner. Wer die tschechischen Bausätze kennt, weiß sofort das SpecialHobby hier die Umsetzung übernommen hat. „Gehobenes Short Run“ also – vom Modellbauer mit etwas Erfahrung bei normalen Bauaufwand ganz gut machbar, zumal der Bausatzinhalt wirklich übersichtlich ist.

 

Der Zusammenbau beginnt ganz klassisch mit dem Cockpit. Die Teile haben teilweise schöne, feine Strukturen und entsprechen auch dem Vorbild. Die Grundfarbe ist ein dunkles Grün. Ich habe alle Teile zunächst mit Mr.Color Russian Green lackiert – die kurze Trocknungszeit der Gunze-Enamels sorgt für flottes Vorwärtskommen. Einzelne Details wurden mit dem Pinsel Schwarz und Grau eingefärbt. Bei SpecialHobby gibt es nur selten Positionierungshilfen und wo da eine Cockpitwanne Wo genau zu sitzen, hat muß man oft erst mit einigen Trocken-Anpassversuchen festgestellt werden. Bei diesem Bausatz aber findet sich tatsächlich der „Luxus“ einer Markierung in der rechten Rumpfhälfte nach der man sich auch wirklich richten kann. Der Pilotensitz ist sehr gut dem Original nachempfunden, mit ein paar Gurten aus dem Restbestand und einem Drahtbügel am Kopfende wird er so auch einer Darstellung mit geöffneter Haube gerecht. Die relativ großen und am Modell gut einsehbaren Hauptfahrwerksschächte werden durch je ein Resinteil dargestellt. Hier sind die Strukturen originalgetreu und sehr sauber einmodelliert. Nacharbeit ist nur wenig nötig, da von den Angüssen nur wenig entfernt werden muß – das ist der Vorteil breiter Rümpfe. Die Grundlackierung habe ich mit Duralaluminium durchgeführt, die Strukturen wurden mit schwarzer Farbe hervorgehoben. Die Schächte passen gut in die Rumpfhälften – man muss aber genau darauf achten, dass beide die jeweils selbe Position haben, sonst steht die „Tonne“ später schief. Nach dem einkleben des Bugfahrwerkschachtes habe ich den Raum unter dem Cockpit mit ordentlich Bleiballast versehen, um dem Modell einen sicheren Stand auf dem Bugrad zu garantieren. Die beiden Rumpfhälften passen gut zusammen, hier gibt es zwar keine Passzapfen, dafür aber nur wenig Nacharbeit im Heckbereich. Jetzt kann auch der Lufteinlauf eingesetzt werden welcher ebenfalls nur wenig Nacharbeit verlangt. Den Einlaufkegel sollte man übrigens farblich nicht betonen! – eher abfräsen. Hier hat man nämlich einen richtigen Fehler gemacht: Der Lufteinlaufkanal wird unter dem Cockpit geführt und der Pilot sitzt praktischerweise nicht im Triebwerk! Die saubere Oberfläche mit den feinen Gravuren ist eine gute Grundlage für die spätere Naturmetalllackierung, ich habe mich entschieden noch die Nietenreihen mit einem Rändelrad zu ergänzen. Als Vorbild dienten hier Fotos, welche es in sehr guter Qualität im Netz gibt.

Die Tragflächen machen zunächst wenig Arbeit, die etwas dicken Hinterkanten sind schnell abgefeilt. Die recht markanten Positionslampen an den Randbögen sind durch Gravuren und Angüsse dargestellt. Die vorderen Lampen habe ich durch Klarsichtmaterial dargestellt, die hinteren wurden nach der Lackierung mit Tropfen aus „Bondic“ – Masse neu erstellt. Die größte Nacharbeit bei den Tragflächen ergibt sich nach deren Montage an den Rumpf. Die am Rumpf angegossenen Tragflächenansätze passen nicht wirklich mit den Tragflächen zusammen, man sollte hier allein nach der richtigen Stellung und Geometrie anpassen. Dadurch ergeben sich dann Spachtelarbeiten in diesen Bereichen . Das Höhenleitwerk benötigt ebenfalls etwas Spachtel. 
„Kleinzeugs“ im Bausatz sind die beiden Lufthutzen vorhanden, welche in der Rumpfmitte sitzen. Ich habe den kleinen Teilen noch die Öffnung eingefeilt. Die beiden Lufthutzen am Schubrohrbereich hat man vergessen, diese habe ich aus Teilen von Fujimi-MiG-21 gefeilt. Die ausgeklappten Landescheinwerfer sind schön dargestellt, hier ist es sinnvoll an der entsprechenden Rumpfposition die Wölbung vorher gerade zu feilen. Die Fahrwerksteile sind mit etwas Nacharbeit allesamt gut brauchbar. Besonders eindrucksvoll sind dabei die Felgen der Hauptfahrwerksräder gelungen. Diese sollten eigentlich grün sein – doch dafür waren sie mir einfach zu schön und so habe ich sie einfach in Aluminium gehalten. Das vordere, feste Haubenteil passt ebenso wie die Schiebehaube sehr gut an den Rumpf. Das vorgesehene Reflexvisier aber bekommt man nicht so ohne Weiteres montiert – die Materialstärke des Klarsichtteils raubt hier den nötigen Platz. Ich habe aus etwas Plastik ein neues Teil gefertigt, die kleine Scheibe aber habe ich dennoch nicht unterbringen können.

Die Lackierung erfolgte alleine mit Alclad 2- Farben. Saubere, glatte und farblich homogene Oberflächen sind hier die notwendige Grundlage. Sehr hilfreich ist ein vorheriger Auftrag mit Gunz Mr. Metalprimer – dieser sehr Widerstandsfähige Klarlack glättet kleine Kratzer, sorgt für eine polierte Oberfläche und dient zudem als Haftvermittler. Als Grundfarbe habe ich Duralaluminium verwendet, mit High Polished Aluminium, Airframe Aluminium und Stahl wurden dann einzelne Paneele abgesetzt. Nieten und Verschlüsse wurden gezielt mit stark verdünnter schwarzer Ölfarbe betont. Die tschechischen Decals sorgen wie immer für keinerlei Probleme und selbst die feinsten Schriftzüge sind per 1:1 Makro-Objektiv noch lesbar – ohne das der Trägerfilm sichtbar wird . Ursprünglich wollte ich die „schwarze 13“ mit den schwarzen Streifen und Randbögen in Dayglow darstellen. Die aufzulackierenden Streifen sind in der Bauanleitung mit Maßangaben versehen – vorbildlich! Diese Farbfelder aber hätten einen Großteil des Lackieraufwandes für die abgesetzten Metallpaneele nutzlos gemacht, so das ich mich für die ganz konventionelle „8“ der F8 Wing Barkarby/Stockholm entschieden habe. Für den gelben Streifen am Bug habe ich dazu Revell SM310 verwendet. Da auch Alclad 2- Farben keinesfalls unverwüstlich sind verwende ich auch hier immer einen abschließenden Klarlacküberzug. Dieser sollte – wie bei allen anderen Lackierungen auch – keinesfalls hochglänzend sein. Für Metallflächen eignet sich ein mittlerer Seidenmatt-Effekt, welcher sich ganz individuell dem verwendeten Lackarten richtet. Im Falle des hier von mir verwendeten Gunze Enamel - Klarlackes empfehle ich Seidenmatt mit ca. 1/3 Matt versetzt, das Ganze sehr reichlich mit Nitro-Verdünnung!

Die Endmontage geht dann auch noch recht problemlos von der Hand. Viel ist ja auch nicht mehr zu tun: Fahrwerke und Klappen, Pitotrohre, Schiebehaube und eine Antenne. Bei den Hauptahrwerksbeinen am besten Sekundenkleber verwenden, der nicht so schnell trocknet. Günstig ist hier Gel, da die abgespreizte Stellung beider Fahrwerksbeine doch etwas Korrektur erfordert. Für die beiden Pitotrohre an den Flächen habe ich 0,4er Kanülen verwendet, die Antenne auf dem Rumpf kann problemlos vom Bausatz verwendet werden. Bei der Schiebehaube heißt es etwas aufpassen: Soll sie geschlossen bleiben, kann man diesbezüglich nach Bauplan vorgehen. Im geöffneten Zustand muss aber das Teil 4 aber hinten in die Haube eingeklebt werden. Hier kann dann auch an die Unterseite ein kleines Distanzstück aus Plastik geklebt werden, um die aufgeschobene Haube im richtigen Winkel zu positionieren.

Short Run ? -das liest man aus dem Bericht gar nicht heraus und tatsächlich ging der ganze Bau auch schnell und relativ einfach über die Bühne. Klar, das Vorbild selber ist nicht gerade komplex, aber auch der Bausatz mit seinen passgerechten und vor allem stimmigen Teilen steuert seinen Beitrag dazu bei. Nach meinen bisherigen Erfahrungen mit Bausätzen von SpecialHobby & Co war dies der bisher einfachste und entspannendste Kit überhaupt. In relativ kurzer Zeit bekommt man hier Modell mit eigenem Flair in die Vitrine, das zudem nicht allzu oft zu sehen ist. Zurüstteile sind keine nötig da der Bausatz auch ganz gezielt die Schwächen der bisherigen Mitbewerber berücksichtigt - somit ist das ganze Modell auch noch preisgünstig. Ich jedenfalls hatte regelrecht „Kurzweil“ mit der nordischen „Tonne“ und kann diesen Bausatz Jedem mit entsprechendem Interesse empfehlen.