Teledyne Ryan / Northrop Grumman 
RQ-4B
Global Hawk 
Italeri (Platz)

 

In Konkurrenz zur RQ-3 „Dark Star“ von AAI startete die wesentlich größere RQ-4A (Block 10) am 28. Februar 1998 zu ihrem Erstflug. Völlig autonom, Satellitengestützt  und vorprogrammiert kann dieses UAV in bis zu 19km Höhe bis zu 30 Stunden operieren und dabei eine breite Palette an Aufklärungstechnik wie etwa CCD-Kameras, Infrarotkameras oder Seitensichtradar einsetzen. Ihre ersten Einsätze erfolgten bereits  im Afghanistan Krieg .  Hier konnte sie gute Ergebnisse bei der Echtzeitaufklärung nachweisen. Die offizielle Indienststellung der RQ-4 erfolgte aber erst 2006.  Es zeigte sich, das durch etwas größere Abmessungen für noch mehr Aufklärungssysteme sich das Potential dieses Musters erheblich steigern lies.  Dies führte zu dem Nachfolgemuster RQ-4B (Block 20, 30, 40) welches  2007 zum ersten Mal flog und ab 2008 produziert wird.  Es wurden insgesamt 16 RQ-4A  von einst 59 bestellten Exemplaren hergestellt, von denen noch 7 Exemplare gegen Ende 2009 im Einsatz standen. Seit diesem Zeitraum liefen der Airforce weitere  RQ-4B Block 20 und 40 zu, während Block 30 gestrichen wurde. Block 40 flog im November 2009 erstmals und führte als Neuerung das neue  AESA-Seitensichtradar ein. Auf Block 20 basiert die Variante „Eurohawk“ welche wie die geplante Block 30 Variante vor allem SIGINT-Aufgaben übernehmen soll.  Deutlich unterscheidbar ist diese Variante von den anderen Exemplaren durch ihre zusätzlichen auffälligen Behältern unter den Tragflächen.

 

Da staunte ich nicht wenig, als ich den Karton öffnete und die die doch recht großen Teile sah – für den 72er Maßstab muten die Tragflächen einfach überdimensioniert an. Auch die Rumpfteile  beeindrucken mit ihrer Größe – das eine ferngesteuerte Drohne so groß sein kann... – aber das ist eben auch ein interessanter und lehrreicher Aspekt im Maßstabsmodellbau: die Größenverhältnisse der Vorbilder werden einem so weitaus besser vor Auge geführt als es Fotos und Maßangaben je können. Richtig „normal“ – und für diesen Bausatz geradezu „putzig“ dagegen kommen die Fahrwerke daher. Diese sind nicht größer als die eines Jägers aus den 40er Jahren.  Ein außergewöhnliches Modell also – aber das Original ist es eben auch. Das der Bausatz so nicht von Italeri kommt, war mir gleich klar – die Teile kommen aus Japan direkt von Platz, welche diesen Bausatz zuerst angeboten haben. Italeri übernimmt sozusagen die breite und preiswertere Marktabdeckung. Qualitativ ist da eigentlich alles richtig gut: sehr sauber abgeformt, saubere Oberflächen, schöne Räder und Fahrwerksbeine einfach aber sehr gut gemachte Teile für die erste Verdichterstufe und Triebwerksauslass. Auch die filigranen Antennen wissen zu überzeugen. Negativ aber fallen die doch etwas zu kräftig ausgefallenen Verschlussreihen am Rumpf auf. Absolut Meisterhaft aber die Tragflächen mit ihrem wirklich gut nachempfundenen Profil und trotz ihrer enormen Streckung saubere und gerade Ausführung mit scharfen Hinterkanten. Das war es dann schon – denn trotz der Größe kommt dieser Bausatz mit 36 Teilen aus – Es gibt weder Cockpit noch Pylone, keine Bewaffnung und sonstig bekannten Standard-Details. Was aber kann man damit nun eigentlich wirklich genau bauen? – Klar, eine RQ-4B. Die geometrischen Maße dafür gehen in Ordnung. Schaut man sich aber nun noch ein paar Vorbildfotos an – dann weis man kaum noch, was es wirklich genau für eine Variante ist: unterschiedliche Unterrumpfausführungen, unterschiedliche Tragflächen und unterschiedliche Hauptfahrwerke (einfach- und doppelt bereift) und am Heck sind die unteren Kielflossen mal vorhanden und mal eben nicht – all das begegnet einem unter der Bezeichnung „RQ-4B“. Block 20, 30 und 40 gibt es da, zudem noch eine Navy-Variante  und wahrscheinlich noch so manch unterschiedliche Rüstzustände. Doch Was ist da nun genau Was ? – ich habe mich dann einfach an den Bausatz gehalten und dessen Auslegung umgesetzt.

 

Es ist dann schon wirklich ungewohnt, das der Zusammenbau ganz einfach mit dem Anbringen von Bugballlast beginnt – und schon können die Rumpfhälften zusammengefügt werden. Hier ist es sehr wichtig darauf zu achten, das die beiden Hälften unten exakt ausgerichtet und passgenau zum Unterteil sind. Nun habe ich den Auslassbereich sauber ausgearbeitet. und erst dann das Schubrohr von unten her eingesetzt. Bevor nun das Rumpfunterteil montiert wird, sollte die Platte für die Tragflächenhalterung stabil eingeklebt werden. Von oben kann dieses Teil auch mit einer Schraube zusätzlich gesichert werden. Saubere Ausrichtung und wirklich stabile Befestigung dieses Teiles ist sehr wichtig – so hält man sich später die Option offen, die Platzraubenden Flächen abnehmen zu können.  Sind die drei Rumpfteile nun verklebt, fallen doch vor allem am hinteren Rumpfbereich nachträgliche Schleifarbeiten an. Gleiches gilt dann für den Heckbereich nach der Montage des Leitwerkträgers. Richtig gut passt der Lufteinlauf an den Rumpf – wer hier sauber und mit wenig, aber gezielten Klebstoffeinsatz arbeitet, erspart sich jegliche Nacharbeit hier. Die Leitwerke und Kielflossen passen ganz gut an den Rumpf und erfordern nur wenig Nacharbeit – wichtig bei Beiden aber ist die korrekte Ausrichtung. Hierbei gibt die Bauanleitung keinerlei Hilfestellung, ich habe mich hier nach Gefühl und Vorbildfotos gerichtet.

     

Ordentlich Nacharbeit wartet dann aber bei den Tragflächen. Zunächst habe ich die Montagelaschen etwas angepasst - diese wurden etwas gekürzt und alle Aufnahmelöcher zu annähernden „Langlöchern“ gefeilt. Erst so passten meine Flächen nach dem Einrasten in der Rumpfseitigen Montageplatte wirklich an den Rumpf.  Nach dem Einkleben der Unterteile der Tragflächen müssen hier lange und sichtbar breite Fugen verspachtelt und überschliffen werden – gar nicht wenig Arbeit bei einer Flächenlänge von 26,5cm. Keinerlei Extraaufwand erfordern die sehr gut abgeformten Fahrwerke und Räder welche sich auch einfach und sicher montieren lassen. Der Zusammenbau des Modells ist damit bereits abgeschlossen, die Flächen nämlich belasse ich aus Platzgründen abnehmbar, Fahrwerke und Antennen werden sowieso separat lackiert.

 

Die Bemalung ist eigentlich denkbar einfach: Bis auf die weisen Oberseiten der Tragflächen alles in Gunshipgrey. Das klingt so nicht nur sehr eintönig sondern das ist es auch – und Gottlob zeigen Vorbildfotos keinesfalls einen nur eintönigen und einheitlichen Grauton. Da sind schon deutliche Abstufungen am Triebwerksbereich, Klappen und der großen oberen Bugabdeckung deutlich sichtbar. Diese Bereiche habe ich vor der eigentlichen Lackierung einfach abgeklebt und mit Weis und Aluminium vorlackiert. Ebenso ging ich bei den Tragflächen vor – hier wurden auf den Oberseiten vor allem die Spoiler vor der eigentlichen Lackierung mit Weis vorbetont. Für die eigentliche Lackierung habe ich X130 von Xtracolor verwendet. Da diese Farbe extrem gut deckt, wurde sie 1:1 mit Klarlack versetzt. So kann man die entsprechenden farblichen Nuancen der vorher extra lackierten Flächen gut steuern. Für die Flächenoberseiten verwendete ich das bewährte Enamel-Weis von Revell.

   

Die Decals von Zanchetti lassen sich sehr gut verarbeiten, etwas Weichmacher hilft den Decals, sich sauber in die Gravuren zu legen. Der abschließende Klarlackauftrag erfolgte mit Seidenmatt von Humbrol. Das grelle Weis der viereckigen Markierungen auf den Leitwerken  wurde dann noch mit einem Gemisch aus Klarlack und Gunshipgrey abgemildert.

Insgesamt tatsächlich recht wenig Aufwand für ein doch großes Modell – so groß, das es übrigens echte Probleme beim Fotografieren davon gab. Nur gut, das die Flächen abnehmbar gestaltet werden können – das Modell hat die Rumpfgröße einer F-18 bei der Spannweite einer B-29. Überzeugen kann der Bausatz mit der einfachen Ausführung bei gleichzeitig dennoch gut ausgeführten Details – solch sauber und filigran ausgeführten Antennen und Meßsonden findet man wirklich sehr selten. Mit relativ wenig Arbeit kommt man so an ein wirklich auffallendes Exponat.