Vought F-8J "Crusader" ( Academy)

Der Prototyp der F- 8 startete im März 1955 zu seinem Jungfernflug. Entwickelt wurde das Flugzeug als Jäger für die U.S.Navy. Die F-8 war mit 4 20mm Maschinenkanonen - zur damaligen Zeit da man bei vielen Neuentwicklungen auf Kanonenbewaffnung verzichtete etwas Ungewöhnliches : es brachte ihr den Titel „Last of the Gunfighters“ ein. Hinzu kamen zwei,  und später vier  Sidewinder-Raketen an seitlichen Rumpfpylonen. Eine Besonderheit der Crusader bestand in ihren Tragflügel dessen Anstellwinkel verändert werden konnte um bessere Starteigenschaften zu erreichen. Von der F-8 wurde in verschiedenen Versionen 1207 Exemplare gefertigt. Die F-8 war wendig, konnte gut beschleunigen und verfügte über gute Flugeigenschaften die sie zu einem beliebten Muster machte. Über Vietnam wurde die Crusader erfolgreich als Jäger eingesetzt. Frankreich setzte die Crusader ebenfalls als Trägergestütztes Jagdflugzeug ein. Als einer ihrer wenigen Nachteile werden die oft zu Ladehemmungen neigenden Kanonen genannt.

Mit neidischen Blicken schaute die 72er Gemeinde auf den Bausatz der 48erCrusader von Hasegawa. Im Maßstab 1/72 war dieser Typ bisher mehr schlecht als Recht von Heller, Fujimi,  Revell und Esci/Italeri vertreten. Vor allem letzterer stellt die beste Alternative dar – mit vielen Schwächen im Detail. Alle Bausätze hatten dieselben Mängel : zu einfach gestalteter Lufteinlauf, nicht darstellbare Vorflügel ( was bei der F-8 wichtig ist), schlechte Cockpits sowie Fehler in der Formgebung. Halbwegs ordentliche Modelle ließen sich damit nur mit großen Umbauaufwand sowie Zurüstsätzen bauen. So war die Freude über die Nachricht das Academy sich dieses Typs mit einer neuer Bausatzform annimmt und die gespannte Erwartung auf das Ergebnis kein Wunder. Das Warten hat sich gelohnt – Academy ist kurz gesagt den hohen Erwartungen gerecht geworden und präsentiert nun einen Detailreichen und durchdachten Bausatz der Crusader. Alle Teile sind sehr sauber und fein detailliert und graviert. Mängel und Unstimmigkeiten sind bis auf 2 Details nicht vorhanden – sofern man die Besonderheiten am Original genauer betrachtet und beim Bau berücksichtigt – worauf ich im folgenden Baubericht eingehen werde.

Der schöne Anblick der Oberflächengravuren der Rumpfhälften wird bei der trockenen Passprobe nicht getrübt : Spachtelarbeiten und damit erforderliches Nachgravieren ist kaum nötig. Doch zunächst muss das reichhaltige Innenleben verbaut werden – und das ist nicht wenig da Academy das Modell mit all seinen Besonderheiten gestaltet hat. Die beiden Hälften des wie am Original verschwenkten Luftkanals werden zunächst innen weis lackiert und dann miteinander verklebt. Wer hier sauber arbeitet hat an den sichtbaren Innenseiten keinerlei Spachtelarbeiten zu befürchten. Der Luftkanal selber passt hervorragend Übergangslos an den Lufteinlauf. Das Cockpit wurde Grau grundiert und die Details und Instrumente dann mit dem Pinsel farblich hervorgehoben. Über die Passgenauigkeit sage ich nur da etwas, wo es Problemchen gibt – ansonsten passt einfach alles bestens. Der hervorragende Fahrwerksschacht wird zunächst aus 5 Einzelteilen vormontiert. Die weise Lackierung kann jetzt oder auch später erfolgen da die Unterseite ohnehin ebenfalls weis wird. Bevor der Fahrwerksschacht nun eingebaut werden kann muss der Schacht der Bremsklappe verbaut werden. Diese beiden Baugruppen sollten sorgfältig trocken angepasst werden : hier geht es sehr „Eng“ zu – teilweise muss an den Kontaktstellen des Rumpfes etwas Material abgetragen werden um eine einwandfreie Montage dieser Teile zu gewährleisten. In den hinteren Rumpfteil wird nun der kleine Schacht für den Fanghaken montiert. Den hinteren Nachbrennerbereich habe ich nun vorsorglich mit einem sehr dunklen Metallton (Auspuffmetall von Modelmaster) lackiert. Die spezielle Besonderheit der F-8 bestand darin das der Tragflügel komplett für Start und Landung angehoben werden konnte. Damit lies sich der Anstellwinkel in diesen Flugabschnitten stark verringern , was unter anderem zu dem relativ „schwach“ ausgelegten Fahrwerk beitrug. Nun kommt der Punkt wo man sich entscheiden muss : baue ich mein Modell mit angestellten Tragflügel oder nicht ? – dies sollte man sich beim Wunsch der authentischen Gestaltung genau überlegen – dazu aber im nächsten Abschnitt mehr.

Wer nun das Modell mit angestellter Tragfläche darstellen möchte muss auf jeden Fall nun noch die 3 Teile des unter der Tragfläche befindlichen Luftkanal- und Triebwerksbereiches einbauen. Hier stellt sich die Frage nach der Lackierung : Academy gibt hier ein Gelbgrün an. Belege in Form von Aussagekräftigen Fotos konnte ich dafür nicht finden. Es besteht nämlich für mich der Verdacht das dieser Bereich – ebenso wie der der anderen Schächte – einfach weis sein müsste um auch hier anhand von Verunreinigungen Undichtigkeiten oder Schäden schnell erkennen zu können. Da ich nun wie gesagt keinerlei fotografischen Belege für beide Varianten habe, habe ich mich für Academys Farbvorschlag entschieden. Grundiert wurde mit Innengrün von Modelmaster. Anschließend wurde mit Pale Yellow von Revell übernebelt und dann mit Metallfarben die Strukturen etwas hervorgehoben. Nun habe ich zur Sicherheit im vorderen Bereich etwas Ballast eingebaut um dem Modell – das später nach hinten geneigt stehen wird – den entsprechenden Schwerpunkt zu geben. Nun können die Rumpfhälften miteinander verklebt werden. Das macht kein Problem wenn man mit Bedacht beim Einbau der Schächte für die Bremsklappe und des Hauptfahrwerkes vorgegangen ist. Die Passgenauigkeit ist so gut das nur an wenigen , kleinen und begrenzten Bereichen, gespachtelt und geschliffen werden muss. Das Hauptaugenmerk sollte beim Zusammenfügen auf dem Nachbrennerbereich mit seiner feinen Nietendarstellung liegen – Spachtelarbeiten wären hier recht nachteilig. Das Verkleben des festen vorderen Haubenteiles mit dem Infrarotsensor am den Rumpf ist problemlos – hier muss jedoch ein wenig nachgespachtelt werden. Die Bohrungen für die beiden Kühllufteinläufe am Nachbrenner sollten mit Bedacht gesetzt werden – am besten weglassen und die Passzapfen an den Kühllufteinläufen entfernen. Eine gute Hilfe dagegen stellen die Bohrungen am Rumpf ( vor dem Verkleben der Rumpfhälften nicht vergessen !) für die beiden Falschkiele dar – sie erleichtern deren Montage erheblich.

Mein Modell soll entgegen zum Bausatz (F-8E) eine F-8J darstellen. Hierzu muss am Leitwerk ein keulenförmiger Sensorenbehälter angebracht werden. Diesen habe ich mir aus einem Gussast zurechtgefeilt, längst getrennt und dann angeklebt. Der verbleibende Spalt hinter Leitwerkshinterkante wurde mit Plastiksheet verfüllt welches dann in Form geschliffen wurde.
Die Tragfläche besteht aus dem Ober- und dem Unterteil, dem separaten „Buckel“ sowie den 4 Teilen der Vorflügel. Nun kommt der „Knackpunkt“ des Bausatzes – obwohl Academy sich überall größte Mühe an der Umsetzung des Originales gegeben hat – hier kommen wir nun zu 2 Mängeln die sich eingeschlichen haben . Diese Mängel aber sind nur dann welche wenn das Modell mit angestellter Tragfläche dargestellt werden soll. Typisch für die Crusader deren Tragflächen am Boden angestellt sind die ausgefahrenen Vorflügel sowie die ausgelenkten Landeklappen. Nun  - die Vorflügel sind separat im Bausatz – Nur eben nicht so, das man sie ausgefahren darstellen könnte. Wer nun die Tragfläche NICHT angestellt darstellen möchte – der überlese folgende Zeilen und gehe einfach nach Bauplan vor.

Die Hinterkanten der Vorflügel und die Vorderkanten des Tragflügels sind  einfach rechtwinklig stumpf dargestellt – in dieser Form können sie nur stumpf in eingefahrener Position am Tragflügel befestigt werden. Das ist kein Mangel wenn der Tragflügel am Modell abgesenkt dargestellt wird –in dieser Position sind die Vorflügel auf Fotos auch immer eingefahren – ebenso die Landklappen. Also müssen die Vorflügel an der Hinterkante zumindest angeschrägt werden um in ausgefahrener Position dargestellt werden zu können – es darf kein Spalt zwischen Vorflügel und Tragflügel entstehen. Ganz genau genommen müssten die Tragflügelvorderkanten nun auch noch angefüttert und angeschrägt werden – ich aber wollte es nicht „Übertreiben“ und denke mir das man im 72er Maßstab mit diesem unauffälligen Detail leben kann. Der Zweite Mangel nun betrifft logischerweise die nicht separat vorhanden Landeklappen – diese sägte ich nun aus und teilte sie in die jeweiligen großen und kleinen Hälften. Sind diese Änderungen durchgeführt steht einem realistischen Abbild einer F-8E mit angehobener Tragfläche nichts mehr im Wege. Ich aber will ja eine J ...- und da gibt es wieder ein Detail zu beachten ! – Und dieses Detail ist auch für alle wichtig die eine Französische E darstellen wollen wichtig : Die Vorflügel der J und auch der französischen E sind in ihrem Querschnitt nochmals abgewinkelt. Nach längeren Überlegen habe ich dieses Problem denkbar einfach gelöst : Der Verlauf des Knickpunktes wurde an den Unterseiten der Vorflügel mit dem Bleistift markiert, dann habe ich diese Linie kräftig (sehr kräftig) graviert ( faktisch „angesägt“) und nun konnte ich die Vorflügel genau in Form biegen.  Interessant an dieser Vorflügel-Problematik ist dabei neben noch folgendes : Dem Bausatz liegen bereits die Matra -Raketen für eine kommende Französische Version bei – ob da Academy an dieses Detail der Vorflügel denkt ?

Die Fahrwerksbeine sind allesamt fein detailliert ausgeführt und passen hervorragend. So hervorragend das ich die Teile der Hauptfahrwerksbeine zunächst lose am Rumpf ansteckte und dann die Fahrwerksteile so untereinander – aber nicht am Rumpf verklebte. Nach dem Durchtrocknen der Klebestellen löste ich nun die Fahrwerksbeine vom Rumpf und konnte sie so gleich komplett lackieren. Danach wurden sie mit den Bausatzdecals versehen und erhielten noch die typischen Hydraulikleitungen. Die Räder wurden abgeplattet, lackiert und mit Wasserfarbe etwas gealtert. Sämtliche Klappen  - auch die untere Abdeckung des Fahrwerksschachtes mit den zwei unteren Klappen – wurden separat lackiert, ebenso die Bremsklappe. Das Anbringen der Bremsklappe in ausgefahrener Position ist kein Muss und liegt allein am Ermessen des Erbauers. Die zwei Teile der Nachbrennerdüse wurden separat lackiert und dann miteinander verklebt. Bei den Rumpfpylonen für die Raketen hat man die Wahl : auch schon die E ( alle Versionen ab der C) konnten sowohl mit den einfachen als auch mit Y- Förmigen für 2 Starter ausgerüstet werden. Beim betrachten der Pylone fällt auf das die Y- Förmigen nicht einander gleichen – sie sind unterschiedlich ausgeformt. Aber das ist genau richtig dargestellt wurden von Academy – auch hier hat man schön auf Details am Original geachtet. Der Anbau erfolgt dabei wie in der Bauanleitung beschrieben. Die Leitwerke der vier Sidewinder -Raketen habe ich etwas dünner geschliffen und am Heck jeweils die Austrittsöffnung angebohrt. Die Spitzen der Suchköpfe wurden abgeschnitten. Nach der Lackierung der Raketen wurden diese Schnittflächen grün lackiert und nun ein neuer Suchkopf mittels eines Tropfen Clearcot / Clearfix von Humbrol angebracht – ein schöner Effekt – nur muss ich das nächste mal ein dunkleres Grün wählen.

Vor der eigentlichen Lackierung habe ich ein Preshading an den Gravuren durchgeführt. Die Lackierung selbst  erfolgte ganz typisch in Gullgray FS16440 Oben und Weis für die Unterseite – die Typische Bemalung der U.S. Navy Flugzeuge der 60er und 70er Jahre. Maskiert wurden dazu vorher die bereits lackierten Bereiche des Nachbrenners sowie der unter der Tragfläche liegende Triebwerkssektor. Die Farbgrenze zwischen dem Weis und dem Gull Grey maskierte ich mit zurechtgeschnittenem Klebeband. Das Preshading das ich mit Schwarzer Farbe ausgeführt habe zeigt bei solchen hellen Farbtönen deutliche Wirkung so das weder ein einspielen von unterschiedlichen Farbtönen zur Alterung noch  ein nachträglichen Betonen der Gravuren unnötig ist. Nach dem Durchtrocknen wurde nun der Blendschutz sowie das Radom maskiert und schwarz lackiert. Bei den Decals griff ich lediglich für die Hoheitszeichen und den Stencils auf die Bausatzdecals zurück – denn mein eigentlicher Grund eine J zu bauen war das Vorhandenseins eines farbenfrohen Decalbogens von Eaglestrike ( 72005 Crusaders Part I ) – und hier war mein Favorit die F-8J der VF-24 von Jack Datzler  aus dem Jahr 1972 – mit großem Schild und Schwert auf dem Leitwerk – was passt wohl besser zu einer „Crusader“ ! Wer diesen Decalbogen hat sollte sich nicht von dem Namen „Jack Dateler“ in der Decalanleitung irritieren lassen : Auf dem Schwert am Bug steht nämlich richtig, wie in der REVI Nr. 27 festgestellt,  „Jack Datzler“. Genauso sollte man beim lackieren des Blendschutzes das Farbprofil  in der genannten Revi zu Rate ziehen – Eaglestrike gibt ihn in diesem Falle falsch an. Die Qualität der Academy - Decals lässt sich am besten mit der von Möbelplatten beschreiben . Man sollte sie nach dem Ablösen vom Trägerpapier zunächst komplett in SOL von Microscale tauchen und dann aufbringen. Nun ist ein ständiges weiteres Einmassieren von SOL nötig bis sich die Decals schließlich in die Gravuren legen. Academy hat Dankbarerweise die gelben Streifen für die Dichtungen der Kanzeln sehr sauber und Formangepasst gedruckt – nur passen leider nur die für das bewegliche Haubenteil korrekt. Bei dem festen Haubenteil habe ich deshalb wieder zum Pinsel gegriffen.

Versiegelt habe ich das Ganze mit einer Mischung aus Seidenmatten und Glänzenden Klarlack. Nun habe ich mit dem Pinsel diverse Gitter eingefärbt sowie mit Pastellkreide und Wasserfarbe Schmutz- und Alterungsspuren aufgetragen. Nicht vergessen werde sollte das die Nasenkanten der Vorflügel und des Leitwerks in Aluminium gehalten sind – dies habe ich einfach mit dem Pinsel bewerkstelligt. Die Montage der Fahrwerke und Klappen verläuft Problemlos. Die Tragfläche habe ich vor dem Anbringen der Vorflügel und Bremsklappen in der entsprechenden Position eingesteckt und lediglich mit dem Stellzylinder verklebt. Der mit Gurten aus Klebeband und etwas Draht verfeinerte Schleudersitz wurde nun eingesetzt und schließlich das bewegliche Haubenteil montiert : hierzu müssen  lediglich die seitlichen Scharnierlaschen und der Scheitelpunkt der Haubenhinterkante innen etwas dünner gefeilt werden – dann kann man sie ganz einfach anstecken – Klebstoff ist gar nicht nötig.

Mit diesem Bausatz hat Academy ganze Arbeit geleistet : Feine Gravuren und Nietenreihen, Schöne Details vom Bug bis zum Heck sowie sehr gute Passgenauigkeit lassen kaum noch Wünsche offen. Zu bemängeln sind nur Details wie der Klappen und Vorflügel – an die störrischen Decals bei Academy habe ich mich nun schon gewöhnt zumal ihre Druckqualität sehr gut ist. Warum die zwei  Decalvarianten dieses Bausatzes lediglich zwei Markierungen der Marines zulassen wird uns Academy bestimmt noch mit weiteren Neuauflagen Bausatzes erklären – ein Anwärter für das Modell des Jahres 2004 ist auch so schon für mich.