F-86K  (Special Hobby) 1:72

Ursprünglich als YF-95A in Auftrag gegeben, startete die YF-86D am 22. Dezember 1949 zu ihrem Erstflug. Der Hauptunterschied zu den bisherigen Versionen der F-86 war der stark modifizierte Rumpfbug sowie das Nachbrennertriebwerk J-47C. In dem voluminösen Radom  war Platz geschaffen wurden für das  AN/APG-37 Bordradar. Zusammen mit dem AN/APA-84 Feuerleitgerät entstand so ein Allwettertauglicher Jäger, der mit seinen 24 „Mighty Mouse“-Raketen  gegnerische Bomber bekämpfen sollte. Die Raketen waren in einer ausfahrbaren Kassette im Unterrumpf untergebracht und sollten im Gegenkurs gegen feindliche Ziele eingesetzt werden. Der Waffenrechner ermittelte aus den Radardaten dazu den entsprechenden Kurs und löste Raketensalven automatisch aus. Auf eine Bewaffnung mit Rohrwaffen wurde vollkommen verzichtet. Die F-86D war der erste weltweit in Serie eingesetzte echte Allwetterabfangjäger und die am meisten hergestellte F-86 Version. Nachfolgemodell der D-Version war die F-86H mit neuem J-73 Triebwerk in einer neu entwickelten Zelle. Mit den  vier 20mm Bordkanonen kehrte man hier wieder zur Rohrbewaffnung zurück. Als Exportversion für die NATO wurde die F-86K entwickelt. Auch hier kamen wieder  vier 20mm Kanonen zum Einsatz, während auf einige Avioniksysteme und die „Mighty Mouse“ Raketen verzichtet wurden. Der Einbau der Kanonenbewaffnung bedingte einen um 20cm längeren Rumpfbug gegenüber der D-Version. Mit den nun mitgeführten AIM-9 Lenkwaffen stand hier eine weitaus wirksamere Bewaffnung zur Verfügung. North American fertigte insgesamt zwei Prototypen YF-86K und 120 Serienexemplare der F-86K für die europäischen Luftstreitkräfte, weitere 221 Exemplare fertigte Fiat in Lizens. Norwegen erhielt insgesamt 60 F-86K aus US-Fertigung, dazu kamen vier von Fiat gefertigte Exemplare. Abschlußversion der F-86 mit Radarnase war die F-86L mit größerer Spannweite.

 

Bis vor einiger Zeit war man im Maßstab 1/72 für den Bau einer „Radar“-F-86 auf die Bausätze von Airfix oder Hasegawa angewiesen. Von Airmodell gab es dazu einen Vaku-Umbausatz für die H/K Version.
Nun hat Special Hobby die Radar-Reihe der F-86 im Maßstab 1/72 voll abgedeckt: für die Versionen D,H,K und L gibt es den entsprechenden Bausatz. Dies Bausätze beruhen alle auf der selben Grundlage, für die entsprechenden Versionsunterschiede sind jedoch die unterschiedlichen Rumpfhälften oder Flächen vorhanden. 
(Wer nun den Hasegawa-Bausatz der F-86D kennt, der weis beim Anblick dieser Bausätze wo SpecialHobby fast Alles abgekupfert hat - und das es besser ist, gleich den Hasegawa-Bausatz zu bauen.) 
Die Rumpf- und Flächenteile mit ihren feinen und sauberen Gravuren und guten Details machen zunächst einen guten Eindruck. Zusammen mit den Resin-Rädern, der zweifach vorhandenen Vaku-Haube sowie den Ätzteilen hat man hier schnell den Eindruck eines sehr gut ausgestatteten Bausatzes, welcher den Modellbauer ohne größere Probleme und zusätzlichen Investitionen zu einem schön detaillierten und vorbildgetreuen „Out Of The Box“ - Modell führt.
Wer aber Special Hobby schon genauer kennt und öfters mit diesen Bausätzen gearbeitet hat, der weis das Überraschungen auch negativer Art zu erwarten sind. Vorbildlich auf jeden Fall ist – wie so oft bei tschechischen Bausätzen – der Decalbogen mit seinen sauber gedruckten, hauchdünnen Markierungen.

 

Das Cockpit besteht aus den Plastikteilen für die Wanne, Rückwand und den Schleudersitz. Für die Detaillierung der Instrumente und des Sitzes sind Ätzteile  gedacht. Front- und Seitenpaneele sind dabei farbig bedruckt ausgeführt. Hier muß auch gleich aufgepaßt werden, um nicht wie ich die Arbeit am Schleudersitz doppelt zu machen: Die norwegischen F-86K waren mit einem Martin Baker MK.IV ausgerüstet, worauf der Bausatz nun gar nicht eingeht. Das Ganze fiel mir selber erst auf, als ich eigentlich die Kanzel montieren wollte – für schnelle Abhilfe sorgte mal wieder AeroSpezial in Form eines Resinsitzes von Neomega. Mit etwas Anpassungsarbeit paßt das Cockpit dann auch ganz gut in die Rumpfhalbschale.
Der Rumpf Erfordert sehr viel Arbeit. Schwerpunkt ist hier die Anpassung von Radom und Lufteinlauflippe an den Rumpfbug. Der Querschnitt des Rumpfbuges mit seiner Einschnürung in diesem Bereich macht das Ganze auch nicht gerade einfach. Entgegen der Bauanleitung habe ich zunächst den Lufteinlaufkanal mit der Radom,/Einlauflippe-Einheit verklebt und den an den Innenseiten entstehenden Spalt verschlossen. Hierbei habe ich auch gleich das Radom mit Bleistücken verfüllt, um das nötige Gewicht für einen sicheren Stand zu gewährleisten. Nun wurde diese Lufteinlaufeinheit  an die rechte Rumpfhälfte montiert. So läßt sich ein ausreichend sauberer Übergang dieser Teile realisieren, da die beiden Rumpfhälften in diesem Bereich nämlich schlecht zusammenpassen. Erst jetzt habe ich beide Rumpfhälften miteinander verklebt. Dabei kann nun auch die linke Rumpfhälfte an die Radom,/Einlauflippe-Einheit richtig positioniert werden. Dadurch entstehen wiederum größere Luftspalte  an Ober- und Unterseite im Bugbereich sowie an der Unterseite des Heckbereiches. Diese habe ich mit Sekundenkleber vergossen und anschließend alle Übergänge sauber verschliffen.

 

Besonderes Aufmerksamkeit verlangt dabei die Kontur der Bugoberseite um diese in den entsprechenden typischen sauberen Bogenförmigen Verlauf zu bringen. Diese ganze Prozedur ist schnell geschrieben, zusammen mit den erforderlichen Nachgravierungen im Bugbereich aber sehr Zeitaufwendig. Das Schubrohr und die halbrunde Hecksteissabedeckung habe ich erst nach der Rumpfmontage montiert.  Die Haube ist als Vacu – Teil zwar doppelt vorhanden, auf Grund ihres viel zu hoch angesetzten Rahmens aber nicht akzeptabel.  Ich konnte mir diese Haube ansehen und an der Unterkante abschleifen wie ich wollte – der falsch positionierte erhabene Rahmen erweckte einfach nur den Eindruck eines „Guckloches“ für den Piloten. Ich habe mir zunächst aus der Haube einen neuen Ziehstempel gefertigt, wo der Rahmen abgeschliffen wurde um diesen später mit dünnen Decals darzustellen. Nachdem ich aber ca. 1m² klares Tiefziehmaterial „verbraten“ hatte und kein einziges brauchbares Exemplar gewinnen konnte, gab ich entnervt auf. Nun, da der Schleudersitz schon ein Zurüstteil geworden war, gab ich das Vorhaben eines „OOB“ – Modells vollkommen auf und entnahm einem schönen alten Fujimi -Bausatz die Plastikhaube. Die Hauben der normalen F-86 Versionen haben die selbe äußere Form und lassen sich so auch für eine Radar-Variante anpassen. Nach etwas Anpassungsarbeiten konnte ich die Haube schließlich ankleben und einspachteln. Die Tragflächen des Bausatzes sind von den Oberflächen her schön ausgeführt. Nacharbeit aber benötigen auf jeden Fall ( wie alle Flächen) die Vorder- und Hinterkanten. Ich habe mich dazu noch entschlossen, die Vorflügel im ausgefahrenen Zustand darzustellen, was gar nicht so kompliziert ist. Wäre ich nun konsequent gewesen, hätte ich die Landeklappen auch noch ausgesägt. Ausgefahrene Vorflügel und Landeklappen sind Standardmerkmal der F-86 am Boden. Seit dem Baubeginn aber waren bereits einige Monate vergangen und ich wollte nun einfach mal zum Ende kommen. Die Tragflächeneinheit selber paßt nur schlecht in den dafür vorgesehenen Rumpfausschnitt. Um die richtige Position und einen brauchbaren Flächen – Rumpfübergang zu erhalten, muß hier eine große Abstufung an der Unterseite zum Rumpfvorderteil in Kauf genommen werden. Diesen Übergang habe ich großflächig mit Sekundenkleber vergossen, durch Verschleifen neu in Form gebracht  und die wichtigsten Gravuren neu erstellt.

 

Teile wie Fahrwerke , Zusatztankes und Raketen machen zusammen genommen ja oft einen beträchtlichen Teil des Gesamtbauaufwandes aus. Im Falle der Fahrwerke geht es hier unerwartet schneller als ich dachte – die Fahrwerksbeine müssen zwar erheblich entgratet und versäubert werden, sind aber doch gut brauchbar und richtig dimensioniert. Die Resinräder sind sehr schön detailliert – wer es genau nimmt, muß sich aber nach einem anderen Bugrad umsehen, da die Felge für eine norwegische Variante nicht passend ist. Die Fahrwerksklappen sind sehr gut umgesetzt und bedürfen keiner weiteren Nacharbeit. Der „Spaß“ aber beginnt erst richtig mit den Windleitblechen (Vortexgeneratoren). Diese sind am Original am Rumpfheck und den Unterseiten der Höhenruder zahlreich vorhanden. Der Bausatz sieht dazu Ätzteile vor. Für die richtige Positionierung sind dankbarer Weise feinste Gravuren vorhanden. Hier nun sollen eigentlich feinste Löcher gebohrt und somit die Ätzteile montiert werden. Auf 1,5cm²  pro Höhenruder kommen 32 Teile, weitere 6 an der Unterseite und nochmals 6 Teile an der Oberseite jeweils links und rechts am Heck. Das ganze in engen Abständen – insgesamt 88 Bohrungen. Dazu muß äußerst sauber gearbeitet werden da die anschließende Metalllackierung vor allem am Heck keine Fehler verzeiht – Nacharbeiten sind auf Grund der engen Abstände kaum möglich. Ich sah mich dazu nervlich und handwerklich nicht im Stande. Also habe ich mir aus dünnem Plastiksheet jede Menge feine Blättchen geschnitten und diese mittels Nitroverdünnung angeklebt. Dazu wird das mit der Pinzette gefaßte Teil an der Klebeseite mit einem Pinsel mit wenig Verdünner benetzt und auf die Modelloberfläche aufgesetzt. Das Blättchen kann nun noch einige Sekunden lang fein nachpositioniert werden. Die Klebeverbindung selbst wird auf diese Weise tatsächlich recht haltbar. Die Sidewinder – Lenkwaffen aus dem Bausatz sind unbrauchbar und wurden durch Teile aus dem Fundus ersetzt. Die Zusatztanks sind schön dargestellt, die Endscheiben werden mit Ätzteilen dargestellt. Spätestens bei der Montage der fertig lackierten Tanks aber wird überdeutlich, das diese Tanks viel zu voluminös sind. Ich habe mir also noch mal neue aus denen eines Hobbycraft - Bausatzes gebaut. Die Abdeckungen für die Kühllufteinläufe an den Rumpfseiten habe ich nicht montiert, da ich diese an Hand von Originalfotos nicht eindeutig belegen konnte ( und ich mir auch mal Arbeit sparen wollte)

 

Nach einer Grundierung wurden Problemzonen nochmals überarbeitet, Gravuren nachgezogen, Verschlüsse nachgestochen und einige Nietreihen hinzugefügt. Nun erfolgte eine Komplettgrundierung mit Alclad Gloss Black Base. Nach ausreichend langer Aushärtzeit wurden alle Flächen komplett mit feinen Schleifleinen nachpoliert. Die Grundlackierung erfolgte mit Alclad Airframe Aluminium. Nach Vorbildfotos wurden entsprechende Paneele mit Jetexhaust und White Aluminium farblich abgesetzt. Ob es an der aufpolierten Grundierung lag ? – ich jedenfalls hatte beim Demaskieren der separat lackierten Flächen mit einer Unmenge von Farbabrissen zu kämpfen – und das, obwohl ich nur mit mehrmals verwendeten, kaum noch klebefähigen Tamiya-Tape arbeitete. Die entsprechenden Nacharbeiten ( Nachgrundieren und Neuüberschleifen  der betroffenen Stellen) jedenfalls war Zeitraubend und nahm so manchen Bereich das ursprüngliche saubere Aussehen.

Die Decals machen hier echt Freude: der dünne, aber doch recht stabile Trägerfilm legt und paßt sich überall gut an. Sämtliche Stencils sind vorhanden, die Anleitung geht übersichtlich auf die entsprechende Positionierung der insgesamt 53 Variantentypischen Markierungen und 99 allgemeinen Stencils ein. Nach deren Aufbringen habe ich die Trennlinien der beweglichen Teile wie Seiten- und Querruder, Lande- und Bremsklappen noch abgedunkelt. Nun erfolgte eine schützende Schicht Klarlack. Wird hier Glanklarlack von Humbrol oder Mr.Metal Primer von Gunze verwendet und dabei sauber und gleichmäßig aufgetragen, so wird der Metalleffekt der Alclad – Farben auch in keinster Weise gemindert. Während dieser Arbeiten aber mußte ich leider etwas mir völlig Neues erleben: Nach und Nach bildeten sich auf den Rumpfflächen feine, aber deutlich sichtbare Risse in der Metallackierung, deren Ursprung mir bis jetzt absolut rätselhaft ist. Das sich nach dem Demaskieren der Kanzel dann hier auch noch jede Menge Plastespäne an den Innenseiten der Kanzel zeigten, schien mir schon irgendwie passend.

Klar, es ist ein „Short-Run“ Bausatz. Ein Mehraufwand an Zusatz – und Nacharbeiten  muß hier auch in der heutigen Zeit voraus gesetzt werden. Nicht verstehen aber kann ich mangelnde Recherche und Umsetzung von eindeutig belegten Details wie Schleudersitz, Kanzel, Zusatztanks und Bugrad. Hier ist ein weiterer erheblicher Zusatzaufwand an Zeit und Geld nötig, um dem eigentlichen Mehraufwand gerecht werden zu können. Ein Verhältnis, das so nicht stimmig ist. Empfehlen kann ich dies nur dem erfahrenen Modellbauer, der „mit aller Macht“ diesen Typ vorbildgerecht in seiner Sammlung haben möchte. Wer dann noch die F-86D von Hasegawa hat, der kann sich viel Arbeit und Probleme ersparen – und sieht auch noch sehr schön, aus was diese Special Hobby Bausätze eigentlich entstanden sind ....