Lockheed F-22A "Raptor" (Revell)  1:72

 

1975 stellte die U.S.Air Force die F-15 „Eagle“ als Luftüberlegensheitsjäger in Dienst. Das Muster war technisch voll auf der Höhe ihrer Zeit und besaß genug Reserven für die Zukunft – und diese sollte lang werden. Obwohl bereits 1983 Untersuchungsaufträge für einen Nachfolger, den „ATF“ (Advanced Tactical Fighter) an mehrere amerikanische Flugzeughersteller ging und diese bis 1986 ihre Vorschläge vorstellten, sollte es dennoch bis zum 17. September 1997 dauern, bis das erste Serienexemplar der F-22A von Lockheed/Boeing in Dienst gestellt werden konnte. Grund dafür sind vor allem die hohen Anforderungen wie Stealth – Eigenschaften, „Supercruise“ – Fähigkeit ( Marschflug im Überschallbereich) sowie natürlich auch die „klassischen“ Forderungen wie Agilität und modernste Avionik und Bewaffnung. Um aus den Prototypen YF-22A von 1986 das Serienexemplar F-22A von 1997 zu machen,  war also nochmals viele Änderungen nötig welche sich auch deutlich auf das äußere Erscheinungsbild auswirkten. Entstanden ist letztlich ein leistungsstarker Jäger mit Schubvektorsteuerung, vollständig intern untergebrachter Bewaffnung in einem selbst für die heutige Zeit etwas futuristisch anmutenden, leicht unförmigen Rumpf mit durchaus klassischen Tragwerk. Zusätzlich zu den Luft-Luft Lenkwaffen können auch moderne Luft-Boden Waffen wie die GPS - gesteuerte GBU-32 eingesetzt werden. Damit ist die F-22A zur Doppelrolle Jäger – Jagdbomber befähigt und wird auch die F-117A ersetzen. Das Ganze hat natürlich seinen Preis – und dieser lag zur Einführung bei stolzen 136 Millionen US Dollar pro Flugzeug.  Dieser bewirkte eine Auftragsreduzierung auf letztlich 339 Exemplare. Damit steht fest, das die F-15 auch weiterhin gebraucht wird, zumal die Auslieferung der F-22A sich über Jahre hinzieht. Hinzu kommen einige nicht unerhebliche Anfangsprobleme wie Software- und Strukturschwächen. In wie weit die F-22 ihrem Vorgänger F-15 in Zukunft ein gutes „Erbe“ sein wird, wird erst die Geschichte zeigen. Fest steht, das die F-22 heute die „Meßlatte“ für alle entsprechend anspruchsvollen Konstruktionen darstellt.

 

Der Bausatz von Revell  weckte gleich mein Interesse: wie würde das Original umgesetzt sein ? Im Grunde beinhaltet der Bausatz zwei Hauptkomponenten, die Rumpfober- und Unterhälfte wobei die Tragflächen hier gleich mit integriert sind.. Alle restlichen Teile dienen letztlich nur der Komplettierung. Die Oberflächen sind sauber, aber doch etwas zu deutlich graviert. Gut gelungen ist die Umsetzung von erhabenen Details und Strukturen an den Oberflächen, Klappen und Schächten. Das Cockpit ist einfach, aber ausreichend detailliert. Alle drei Waffenschächte können geöffnet dargestellt werden und sind mit ausreichend und originalgetreuen Strukturen versehen. Die Strahlruder sind doppelt vorhanden, jeweils für eine geöffnete und „geschlossene“ Darstellung. Die Lufteinläufe sind mit weit in den Rumpf reichenden Luftkanälen versehen. Die Fahrwerke und Räder treffen das Original gut, ebenso die beigelegten Waffen und Zusatzbehälter. Die einteilige Haube kann geschlossen oder geöffnet dargestellt werden – und ist hervorragend abgeformt. Der Decalbogen erlaubt die Darstellung von 6 Exemplaren. Bis hier hin also ist also alles gut und läßt einen an sich unkomplizierten Bau erwarten ...

Der Zusammenbau aber sieht dann leider doch etwas anders aus – und hier hat Revell bei der Entwicklung ganz einfach einen grundlegenden „Bock“ geschossen:  
Eigentlich weis jeder Modellbauhersteller, das Flächenhinter- und Vorderkanten und auch spitz zulaufende Formen am besten nicht durch einfaches stumpfes aufeinandersetzen von zwei identischen Formteilen erreicht wird. So entstehen einfach immer zu dicke Hinter- und Vorderkanten und sonstige Stöße.  Diese Problematik hat man vor allem oft bei „Short Run“ – Bausätzen, wo eine entsprechende Form einfach zu aufwendig ist. Große Hersteller aber wissen schon lange, wie man dieses Problem umgeht, um dem erfahrenen Modellbauer viel Arbeit zu ersparen und auch dem eher unerfahrenen Modellbauern ein ansehnliches Modell zu ermöglichen. Die entsprechenden Kanten werden einfach „umgelegt“ – sprich: Die obere Flächenhälfte etwa enthält sowohl die komplette Nasenkante als auch die Hinterkante, letztere meist in Form der kompletten Ruder und Klappen. So sind von vornherein scharfe Kanten kein Problem. Die nun kleinere Unterhälfte wird also in die Oberhälfte hinein geklebt. Ebenso geht man Rumpf vor. Hier etwa werden die „scharfen“ Kanten von Flächenansätzen ebenso „umgelegt“. Revell hat diesen „Bock“ dann auch noch auf das ganze Modell angewendet: Man muß vor jeglicher Montage den gesamten Rumpf, die kompletten Tragflächen und auch die Seitenruder entsprechend bearbeiten. Lediglich die einteiligen Höhenruder sind hier ausgenommen. Ich schreibe deshalb so ausführlich zu dieser Problematik, da dies nämlich die eigentliche wirkliche „Arbeit“ bei der ganzen Montage ist. Eine Arbeit, die hier auch wichtig ist und lohnt, denn gerade die Kanten des Rhombenförmigen Rumpfes und auch der Lufteinläufe sind hier einfach ein typisches Merkmal. Es muß denn auch wirklich insgesamt und auch Stellenweise sehr viel Material schrittweise und unter ständigen Anpaßproben entfernt werden. Vor allem die Tragflächen verlangen hier viel Arbeit. Ich bin hier mit Proxon und Fräser, groben und feineren flexiblen Nagelfeilen vorgegangen. Die kompletten Klebflächen müssen hier in ihrer gesamten Tiefe bearbeitet werden. Ein letztes „Anschärfen“ der Kanten war hier nach der Verklebung an den Außenflächen dennoch nötig. An den Rumpfbereichen fällt die Arbeit geringer aus, wichtig sind hier die Bereich der Lufteinlaufkästen. Erst durch deren gründliche Bearbeitung und ebenfalls nachträglichen Bearbeitung von Außen erhalten diese ihr originalgetreues Aussehen.

Ja, bei diesen Arbeiten kommt einem dann schon der Gedanke an einen „Short Run“ - Bausatz !

 

Hat man dies aber erst einmal geschafft, geht der ganze „Rest“ der Montage recht gut und einfach von der Hand. Die Waffenschächte passen gut in den Rumpf und geben diesen die nötige Gesamtstabilität. Die aufwendige Hauptfahrwerkskonstruktion paßt sehr gut und kann je nach eigenem Befinden noch etwas nachdetailliert werden. Vor Geometrieproblemen bei den hier schon zu montierenden Hauptfahrwerken braucht man keine Angst zu haben – Das Ganze paßt einfach ! Die Lufteinlaufkanäle passen ebenfalls sehr gut, die nicht vermeidbaren Spalten brauchen nicht einmal unbedingt verspachtelt zu werden – man sieht diese später nur mit einiger „Verrenkung“. Wichtiger ist hier, das man die kompletten Innenseiten der Lufteinläufe vor deren Montage lackiert. Cockpit und Schubrohre gehen ebenfalls ohne jegliche Nacharbeit von der Hand. Nun muß man sich nur noch entscheiden, ob und welche Waffenschächte geöffnet dargestellt werden sollen. Ich habe mich lediglich für den rechten Seitlichen entschieden, da ich die Linienführung dieses doch eher ungewöhnlichen Modells nicht weiter beeinträchtigen wollte. Etwas Nacharbeit erfordern nun die zu verschliessenden Waffenschachtklappen. Hier müssen in den Randbereichen die Strukturen abgefeilt werden, um ein bündigen Abschluß mit der Rumpfoberfläche zu gewährleisten. Entgegen der Bauanleitung werden die Höhenruder erst zum Schluß, nach der Lackierung an das Modell angebracht. Warum Revell diesen nun wirklich einfacheren Weg nicht selbst vorschlägt und die Zapfen an den Achsen der Höhenruder gleich ganz weg läßt, erschließt sich mir wirklich nicht. Ob man die Seitenleitwerke nun vor oder nach der Lackierung montiert, kann jeder für sich entscheiden. Ich habe sie unmittelbar vor der Lackierung montiert, da an den Innenseiten doch feine Spalten zu verschließen sind. Das später aber notwendige und doch recht umfangreiche Maskieren dieser Flächen aber wird dadurch eben etwas komplizierter.

 

Die Lackierung stellt den zweiten „Schwerpunkt“ bei dem Bau dieses Modells dar. Obwohl es sich im Grunde nur um eine einfache Zweifarbtarnung wie etwa bei der F-15 handelt, wird diese Lackierung durch zwei Merkmale  sehr aufwendig und nicht ganz unkompliziert: Zum Einen das metallische Glänzen dieser beiden Standardfarbtöne (FS 36251 und FS 36176), und zum Anderen durch farbliche Absetzung  ALLER Vorder- und Hinterkanten in FS 36375. Nun, zunächst zu dem „metallischen Glänzen“, dem „Metallschimmer“ der Grundlackierung. Hier handelt es sich am Original um eine bestimmte Farbbeigabe zur Reduzierung von Reflexionen gegnerischer Radarwellen – Stichwort „Stealth“. In der Bauanleitung von Revell wird darauf nicht eingegangen, und dies ist nicht einmal ein Fehler. Es ist ganz einfach so, das am Original je nach Blickwinkel und Lichtsituation die Farbgebung mehr oder weniger und eben auch gar nicht metallisch schimmert. Hier also beginnt die Individualität des Modellbauers, hier ist einfach eine recht große Bandbreite gegeben. Wer nun – egal wie stark ausgeprägt – diesen Metalleffekt darstellen möchte, der kann wiederum mehrere Wege nach eigenem Belieben gehen.  Es gibt im Wesentlichen drei Hauptmöglichkeiten, um einer Farbe einen Metalleffekt zu verleihen : Erstens durch eine komplette und deutliche Grundierung in Aluminium und anschließende lasierende Lackierung der eigentlichen Farbtöne (Mischen der Farbtöne mit Klarlack). Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die Farben einfach mit Metallpartikeln zu versetzen. Dies kann etwa durch Mischen mit Alufarben erreicht werden. Hier sollten aber möglichst fein pigmentierte Alu-Farben verwendet werden. Gut brauchbar sind hier etwa Farben von Humbrol („Metal Cote“), Gunze oder auch aus dem Alclad – Sortiment. Ja, es geht wirklich, Alclad läßt sich problemlos mit Enamelfarben mischen und verarbeiten. Die dritte Möglichkeit besteht einfach im normalen Lackieren der Flächen mit den normal belassenen Farben und einem anschließenden Überzug aus einem wie soeben beschrieben behandelten Klarlack. Welche Möglichkeit der Modellbauer nun geht, ist eher nebensächlich. Viel wichtiger ist, das jeweilige Vorgehen und die Farbmischungen an Probeflächen vorher einfach selbst auszuprobieren – und zwar bei Tageslicht. Ich habe letztlich in Aluminium grundiert, dann FS 36251 mit Klarlack lasierend komplett lackiert. Nun erfolgte die Lackierung der dunkleren Flecken in FS 36176, wobei hier die Farbe ( Xtracolor) mit Dark Iron von Gunze versetzt wurde. Die entsprechenden Flächen wurden dazu „schwimmend“ maskiert. Das ist wichtig, da ein gleichmäßiger Metalleffekt bei einer Freihandlackierung kaum realisierbar sein dürfte. Nun erfolgte eine zwei Wochen dauernde Abklebe- und Maskierorgie : Sämtliche in FS 36375 gehaltenen Flächen habe ich lackiert, obwohl Revell als Hilfestellung viele als Decals beilegt. Nur sind diese Decals leider doch etwas zu hell dargestellt. Richtig gut getroffen hat diesen Farbton dagegen Two Bobs Decals – nur das hier eben nur die Markierung für die Nachtanksonde gibt. Alle Flächengrenzen werden übrigens in der Bauanleitung von Revell korrekt aufgezeigt, selbst die spezifischen Unterschiede der einzelnen Exemplare. Vereinfacht wurde hier lediglich die Abgrenzung des Radoms sowie der Strahlruder. Die  Abgrenzung des Radoms zu maskieren, ist eine Arbeit für sich, der nur der erfahrene Modellbauer an Hand von Originalfotos durchführen sollte. Mich hat es volle drei Tage gekostet – dann hatte ich die passende Maske. Diese drei Tage aber hätte ich mir ersparen können : Auf den ARC-Seiten findet sich in der Modellgalerie eine entsprechende Vorlage, hier sind auch die Strahlruder enthalten.  

Die Decals von Revell sind aber sonst so, wie sein sollten:  Sauber und versatzfrei gedruckt, alle Hinweise ( es sind bei der F-22 sehr wenige) und auch die Formationsleuchten sind vorhanden. Die Verarbeitung ist problemlos, etwas zum gefürchteten „Silvering“ neigen die Decals aber dennoch. Hier hilft nachträgliches Anschneiden mit Skalpell und Behandlung mit SOL Microscale. Wer hier nun generell die Revell-Decals nutzen möchte, muß sich für einige Details auf der Rumpfoberseite dennoch an Hand von Originalfotos entscheiden, da Revell hier auf die vorhanden Optionen nicht eingeht. Vorsicht auch vor den „Zahlendrehern“ in der Anleitung ! – die Decals an Hand der jeweiligen Seriennummer auswählen und vergleichen, nicht überall nach der Numerierung in der Anleitung gehen. 

Finnish und Endmontage gehen schnell und unproblematisch von sich: Ein abschließender Auftrag von seidenmattem Klarlack ist ausreichend. Gravuren müssen nicht betont werden, diese sind ohnehin deutlich genug. Sonstige Alterungen sind auch nicht wirklich nötig wenn man sich Originalfotos ansieht. Die Strahlruder können einfach angesteckt werden, die Hauptfahrwerksräder und das Bugradfahrwerk sowie deren Klappen sind schnell montiert. Der Schwenkarm mit der Sidewinder-Lenkwaffe paßt auch hervorragend. Etwas trickig aber stellt sich die Montage der beiden Waffenschachtklappen dar, es geht hier einfach eng zu. Die Positionsleuchten sind am Original auffällige rhombenförmige Reflektoren mit einer stark gewölbten, nicht eingefärbten Verglasung. Revell liefert hier an den Flächen die passenden Gravuren und auch die Wölbung. Bleibt also nur die farbliche Umsetzung. Ich habe das einfach durch eine Grundlackierung mit Alclad Chrom, Einfärbung der Lampenbereiche mit grüner und blauer Clearfarbe und einer abschließenden Future – „Verglasung“ dargestellt. Bleibt noch die Haube. Offen- oder doch lieber zu ? Vielleicht noch getönt wie am Original ? Ich wollte sie eigentlich nur geschlossen – aber doch getönt. Solch Tönung von nicht gerade kleinen und stark gewölbten Klarsichtflächen ging mir schon öfters in die Hose. Die Haube von Revell ist dazu noch besonders sauber und glasklar. Ich habe mir also kurz entschlossen zur Sicherheit einen zweiten Bausatz besorgt und somit zur Sicherheit eine zweite Haube in der Hinterhand. Dann habe ich trotzdem lange überlegt, um schließlich ganz kurz entschlossen zu handeln: Tamiya Smoke, Tamiya Titanium Gold und Tamiya Thinner gemischt, das Ganze mit der Airbrush leicht aufgenebelt – und innerhalb von fünf Minuten hatte ich zwei schön getönte Hauben ! Da die Haube nun recht gut auf den Rumpf paßt, habe ich nun eine als geschlossene und die andere als geöffnete Haube modifiziert, beide kann ich nach Wunsch einfach aufsetzen. 

Alles in Allem liefert Revell hier ein vorbildgetreues und eigentlich wirklich problemlos zu bauendes Modell. Was hier an wirklichen Aufwand für ein entsprechendes Aussehen zu bewerkstelligen ist, liegt zum Einem an einer nicht idealen Formenauslegung und zum Anderem eben an der doch aufwendigen Lackierung des Originales selber. Dennoch macht das Ganze Spaß, bietet hinsichtlich der Lackierung eine interessante Herausforderung, stellt kein „Langzeitprojekt“ dar und bereichert die Sammlung um eines für die heutigen Tage doch recht ungewöhnlich aussehenden Flugzeuges.Das ich dabei auch noch ganz nebenbei und unbemerkt um jegliche Zubehörsets herum gekommen bin, wurde mir auch erst zum Schluß bewußt.