Lockheed Martin F-16CJ  "Falcon" 
Tamiya

 

Einen kostengünstigen Leichtbaujäger forderte die USAF angesichts teurer und aufwendiger Kampfflugzeuge wie der F-4, F-111 oder der neuen F-15. Mit dem Lightweight-Fighterprogramm wurde 1974 ein Konstruktionswettbewerb gestartet, bei dem sich die von General Dynamics entwickelte und am 2.Februar 1974 erstmals geflogene YF-16 gegen die YF-17 von Northrop durchsetzen konnte. Die F-16 zeichnete sich durch das damals noch neue Fly-By-Wire Flugkontrollsystem, die große Rahmenlose Haube und einem unter den Rumpf befindlichen Lufteinlauf aus. Anfangs als einfacher, unkomplizierter Jäger mit einem Schub-Gewichtsverhältnis größer als 1:1 gedacht, wurde die F-16 im Laufe ihrer Herstellung immer mehr zu einem leistungsfähigen Mehrzweckkampflugzeug weiterentwickelt. 1978 gingen die ersten F-16 bei der USAF in Dienst. Auf die ersten A- (Einsitzer) und B-Versionen (Doppelsitzer) folgten die entsprechenden C- und D-Varianten. Ab Block 30/32 konnte die F-16 wahlweise mit General Electric F110 („0“er –Blockzahlen) oder mit Pratt & Whitney F100Triebwerken („2“er –Blockzahlen) ausgerüstet werden. Weitere ständige Modifikationen betrafen die Cockpitausrüstung, Radar, digitalisiertes FBW sowie die Avionik für den Waffeneinsatz. Ab Block 50/52+ kann die Reichweite mit rumpfkonformen Satteltanks erheblich gesteigert werden. Die F-16 wurde auf Grund ihrer Leistung und der annehmbaren Kosten auch ein großer Exporterfolg, bis heute wurde dieser Typ in 25 Staaten exportiert. Mit ca.4500 gebauten Exemplaren stellt die F-16 eines der erfolgreichsten Jet-Kampfflugzeuge überhaupt dar, die Nachfolge soll die F-35 antreten.

Noch eine F-16 ? - das fragt man sich angesichts der guten Auswahl am Markt wirklich. Aber Tamiya investiert fast immer in gut gehende „Klassiker“. Diesmal ist es die F-16, und das gleich zweimal: Nr.86 und 88 – letztere trägt den Zusatz „w/FULL EQUIPMENT“ und hat noch Pylone, Zusatztanks, HARM-Lenkwaffen und Pods an erweiterten, nicht zusätzlichen, Gussästen. Das passt zur Block 50, denn diese F-16 CJ wurden speziell als Ersatz für die F-4G zur Niederhaltung des feindlichen Radars angeschafft. Doch das ist gar nicht das Entscheidende, zudem der Aufteilung nach noch die Zweisitzervariante und eigentlich alle A und C- Versionen möglich sind. Was diesen Bausatz von seinen Mitbewerbern absetzt, ist die korrekte Formgebung und auch die hochfeinen Oberflächendetails, wobei besonders die extrem feinen Nietreihen auf den Tragflächen auffallen. Mir kam der Bausatz 88 – also das „volle Programm“ in die Hände, und so wollte ich mein Modell auch darstellen: Als typisches Einsatzmodell mit voller Zuladung, geschlossener Haube und Pilot im Cockpit, denn der ist im Bausatz auch enthalten.

Die gar nicht so große F-16 wird durch die modulare Aufteilung des Bausatzes ganz schön „zersprengt“, trotzdem lässt sich der fast der ganze Rumpf inklusive Cockpit, Lufteinlauf sowie des Fahrwerksschachtes ohne Klebstoff zusammen setzen. Hier bekommt man dann gleich einen Eindruck von der wirklich tollen Passgenauigkeit der Bausatzteile. Ich habe die Aufteilung der Oberrumpfschale in Vorder- und Hinterteil an einer F-16 mit ihrem geschwungenem Rumpfquerschnitt immer skeptisch betrachtet. Die trockene Probepassung dieser beiden Teile versetzte mich hier dann doch in freudiges Erstaunen: Das funktioniert hier Spalt- und Übergangslos! Das ist auch wirklich gut so, denn diese wirklich absolut feinen Oberflächengravuren möchte ich nicht nachgravieren wollen! Auf der rechten Oberseite des Hinterrumpfes werden Versionsspezifische Wartungsdeckel mit einem separaten Bauteil realisiert. Auch dieses Teil passt hervorragend, wenn auch nicht ganz 100%tig. Angesichts der sehr feinen Gravuren sieht man das leider auch. Abhilfe schafft hier das vorsichtige Auffüllen von Flüssigspachtel mittels feinem Pinsel. Das war die eine Stelle, wo ich an diesem Modell Spachtel einsetzen musste. Alles Andere passt ganz einfach unglaublich gut zusammen. Mit Ruhe, Sorgfalt und Flüssigkleber werden hier so einige modellbauerische Grundlagen „überflüssig“. Dennoch, etwas Erfahrung fordert auch dieser Bausatz. Einerseits ist die in der Bauanleitung vorgeschlagene Montagereihenfolge nicht überall sinnvoll, Andererseits fordert gerade solch ein Bausatz mit seinen feinen Details eine saubere Farbgebung. Spachteln wird sogar in der Bauanleitung verlangt, um an der rechten Rumpfseite ein versionsbedingtes Paneel „verschwinden“ zu lassen – das war die zweite und auch letzte Stelle, wo ich an diesem Modell Spachtel benötigt habe. Zwei, drei kleine Schwachpunkte finden sich dann doch noch…

 

Etwas anders als beschrieben sollte man das Modell montieren. Das betrifft zunächst den Schleudersitz. Hier hat sich Tamiya so richtig gehen lassen und diesem gut sichtbarem Teil fast keine Details spendiert. Das verwundert angesichts der vielen anderen toll modellierten Bereiche schon etwas. Abhilfe hat bei mir ein Alternativteil von Neomega geschafft. Die Cockpitpaneele sind sehr fein erhaben detailliert, es liegen aber keine Decals dafür bei. Ich habe die Paneele und Instrumente im Cockpit alleine durch Farbgebung realisiert und finde, daß dies für eine Darstellung mit geschlossener Haube völlig ausreicht. Der Fahrwerksschacht ist toll gestaltet und stellt bereits ohne Kleber eine stabile Konstruktion dar. Der größte Fauxpas bei der vorgeschlagenen Bauabfolge ist die Montage der Fahrwerksbeine noch vor der Lackierung des Modells. Dafür verantwortlich ist die untere Abdeckung des Schachtes zwischen den Klappen, welche die gesamte Schacht- und Fahrwerkskonstruktion überdeckt. Diese Abdeckung wird in den vorderen Rumpfanschluss des Fahrwerkschachtes integriert, was eine spätere Montage der Fahrwerksbeine auf den ersten Blick unmöglich macht. Das Problem wird man auf einem Schlag los, indem man diese Schachtabdeckung einfach teilt und erst ganz zum Schluss, nach Lackierung des Modells und Montage der Fahrwerke anklebt. Schließlich stellt dann das Schubrohr noch ein verbesserungswürdiges Teil dar. Guter Einblick ist durch die große Schubdüse ja genug vorhanden, und die schön gemachte Schubdüse aus dem Bausatz lädt dazu auch ein. Tamiya bietet dem Betrachter hier aber nur ein glattes Schubrohr ohne jegliche Andeutung eines Flammhalters. Tatsächlich, eine glatte Wand ist hier alles was angeboten wird und wirkt an diesem Bausatz wirklich Anachronistisch. Gut das ich da noch einige Bausätze der Konkurrenz zu liegen habe, welche das entsprechende Teil in bester Qualität bieten.

Fast schon langweilig geht die weitere Montage schnell und problemlos voran. Egal ob das separate Teil für die Kanonenmündung, der ganze Lufteinlauf, der Fahrwerksschacht, obere und unter Rumpfhälfte, die rechte und linke Avionikklappe hinter dem Radom und das dazwischen befindliche optionale obere Paneel und das Radom, das hintere Anschlußsegment zur Nachbrennerdüse: Es passt alles bestens und ohne jegliche Nacharbeiten zusammen. Etwas Flüssigkleber, sanfter Druck – das war es. Da wird einem schon unheimlich zumute und man grübelt vor sich hin, wann Bausätze irgendwann nur noch zusammengesteckt werden. Auch das Leitwerk kommt ohne jegliche Nacharbeit aus so daß ich Nacharbeit nur noch bei den separat ausgeführten Tragflächen vermutete. Die Trennung der Flächen zum Rumpf sind am Vorbild eine Panellinie und das Ganze so eigentlich nachteilig gestaltet. Gerade bei Flächen-Rumpfübergängen zieht das immer Spachtel-, Schleif- und Gravierarbeiten nach sich. Aber auch hier fügt sich wie von Geisterhand bei richtigem Montagewinkel alles passend wie aus einem Guss zusammen. Im Cockpit ist die Reihenfolge der Montage auch sehr wichtig, wenn man den Piloten einsetzen möchte. Der passt nämlich wunderbar und ohne Amputationen zwischen Sitz und Armaturenbrett, wenn man das Armaturenbrett samt Cockpitabdeckung erst als letztes einsetzt. Das HUD entspricht sehr gut dem Original und passt ohne jegliche Anpassung genau wie am Vorbild zwischen Abdeckung und Cockpithaube. Die beiden Haubenteile sind Makellos abgeformt und passen wie alle anderen Teile „saugend“ an ihren Platz. Spätestens jetzt ist es an der Zeit, sich Gedanken über die Lackierung zu machen.

 

Standard mit Abweichungen ist die Regel bei der Farbgebung der F-16. Wichtig ist, das man sich von Anfang auf ein explizites Vorbild zu einem bestimmten Zeitpunkt festgelegt hat. Meine 91379 der 79. FS ist ein gutes Beispiel dafür. Tamiya stellt Decals für den Zustand von 2001 bereit, die Anleitung gibt dafür die Farbtönen Ocean Grey RAF (Radom), FS 36375 (Unterseite), FS 36270 (Cockpitbereich und Lufteinlaufbereich an Unterseite sowie Leitwerk) sowie FS 36118 für die Oberseite an. Das ist die ältere Standardfarbgebung der amerikanischen F-16. Dieses Exemplar findet sich ebenfalls im Academy-Bausatz der F-16CJ/CG. Dort nun aber ein Jahr später zur Operation „Southern Watch“. Hier wird nur noch FS 36270 für die Unterseite, Cockpitbereich und das Leitwerk und FS 36118 für die restliche Oberseite angegeben. Diese Angabe sowie die Ausführung der Decals von Academy decken sich auch mit einem aussagekräftigen Foto der 91379 vom Mai 2002. Ich habe mich für die Variante von Academy entschieden, da ich zum Einem gerne Flugzeuge zum Zeitpunkt von echten Einsätzen darstelle und zum Anderen die Decals von Tamiya qualitativ schlechter als die vom Mitbewerber sind. Letzteres tröstet auch darüber hinweg, das Tamiya mit seinen Decalvarianten nicht einfallsreich war, diese finden sich ebenso bei den beiden Mitbewerbern aus Bünde und Südkorea. Wichtig bei der Sichtung der Vorbildfotos ist dabei auch der ständige Blick auf die Tönung oder Nichttönung beider Haubenteile, doch dazu später mehr. Soweit zu den Vorüberlegungen zur Lackierung, nun geht es an die eigentliche Farbgebung.

Ich wollte das Farbkleid im Wesentlichen sauber, aber doch mit einigen Schattierungen darstellen. Gerade der dunkle Grauton auf der Oberseite zeigt am Original die verschiedensten Zustände: Sauber und eintönig im Neuzustand über teilweise ausgeblichen bis zu total fleckig. Die Paneellinien sind dabei nicht zu deutlich, aber doch meistens sichtbar. Ich habe zunächst sämtliche Gravuren mit verdünnter Ölfarbe dunkel eingefärbt und mich nochmal richtig über die zahlreichen feinsten und sauberen Details begeistert. Nun habe ich mit Airbrush und einem hellen Grauton einzelne Bereiche aufgehellt. Nach der Lackierung der Unterseite, des Leitwerkes und des Cockpitbereiches mit FS 36270 erfolgte die Maskierung für die dunklere Lackierung der Oberseite in FS 36118. Hier habe ich die Bereiche um die Wartungsdeckel herum sowie die Nietreihen auf den Flächen noch zusätzlich abgedunkelt. Für beide Grautöne habe ich Gunze Mr. Color benutzt und diese jeweils stark verdünnt und mit Klarlack versetzt in mehreren Durchgängen lasierend aufgetragen. So lässt sich der Effekt der vorher aufgetragenen Schattierungen gut steuern. Das Ergebnis ist eine „lebhaft“ wirkende, nicht zu eintönige Lackierung eines mittelmässig abgenutzt wirkenden Farbkleides.

Etwas dick aufgetragen hat Tamiya leider bei den Decals. Der Druck selber ist noch in Ordnung, aber der Trägerfilm ist doch sichtbar dick. Das scheint für Tamiya-Decals generell typisch zu sein. Nicht überall fällt das auf, dennoch habe ich wo es nur ging auf die Decals aus dem Academy-Bausatz zurückgegriffen. Hier ist auch die Druckqualität sichtbar besser, was man vor allem an den hellgrauen Greifvogel – Zeichnungen am Rumpf und den Hoheitsabzeichen sieht. Wunderbar umgesetzt von Acadmy ist der Low-Viz-Tigerkopf am Leitwerk. Vor allem die Tamiya-Decals benötigen den Einsatz von Weichmacher. 

Jede Menge „Anhängsel“ habe ich nebenbei montiert und lackiert. Neben dem Nachbrenner und den Fahrwerken mit den wirklich toll gemachten Rädern und Klappen sind das 3 Zusatztanks, 8 Lenkwaffen, 4 Pods und immerhin 10 Pylone um den größten Teil dieser toll gestalteten Außenlasten Vorbildgetreu am Flugzeug zu befestigen. Die hohe Zuladung mag übertrieben wirken, für eine F-16 aber ist das tatsächlich „Tagesgeschäft“ was nochmals die Leistungsfähigkeit dieses Typs dokumentiert. Mein Exemplar habe ich wie in der Bauanleitung beschrieben als „Wild Weasel“ mit AGM-88 bestückt, so wird diese Version auch eingesetzt. Das separat lackierte Radom behielt seine AOA-Sensoren, das Staurohr habe ich aber dann doch gegen das von Master eingetauscht. Die Montagezapfen der Höhenleitwerke sorgen für den richtigen Montagewinkel und natürlich passen auch diese Teile perfekt. 

Was jetzt noch fehlt, ist das Goldstück -nämlich die Haube. Dieses Teil ist hervorragend mit Unterschnitt ausgeformt, weshalb sich auch ein ganz feiner Grat auf der Oberseite befindet. Den kann fast übersehen und ist somit fix wegpoliert. Die Haube wurde maskiert, der Innenfarbe entsprechend zunächst schwarz und danach mit FS 36270 lackiert. Mit etwas Maskol am Modell befestigt dient das Teil dann gleich als perfekte Maskierung für das Cockpit. Nun nochmal zurück zum Vorbildstudium: Ab Baulos („Block“) 25 wurden die Hauben mit einer feinen Goldschicht versehen um die hohe Radarrückstrahlung des Cockpitbereiches zu verringern. Das ist an den deutlich Goldbraun schimmernden Hauben zu erkennen. Auch hier gibt es Variationen je nach Exemplar und Zeitpunkt. Immer schön auch auf das kleinere, feste Hinterteil achten! Von Tamiya gibt es das „X-19 Smoke“, eine Clear-Farbe welches einen den Namen entsprechenden Rauchfarbenen Ton ergibt. Das entspricht so aber nicht dem Vorbild da der Goldschimmer fehlt. Den liefert Tamiya X-31 „Titanium Gold“. Die Haube wurde wieder maskiert und mit einem Gemisch aus je einem Teil X-19, X-31 und X-20 Acryl-Verdünner mit der Airbrush lackiert. Das geht richtig gut und das Ergebnis ist für mich wirklich überzeugend. Noch die blauen Dichtstreifen aus zurecht geschnittenen Decals sowie die beiden Namen-Schriftzüge aufgetragen und das Ganze mit etwas Klarlack zur Fixierung an das Modell gesteckt.

Kritik geht bei diesem tollen Bausatz nur an Schleudersitz, Schubrohr und Decals. Decals konnte Tamiya irgendwie noch nie... Dafür gibt es jedoch genug Alternativen, nicht aber was die originalgetreue Formgebung und die exzellenten Oberflächen angeht. Hier toppt dieser Bausatz alle Mitbewerber. Bleibt zu erwarten, was Tamiya noch an Varianten folgen lassen wird.