Convair F-106A "Delta Dart"
Meng

50 Jahre – so lange brauchte es, um den bisher einzigsten 72er Bausatz der F-106 von Hasegawa einen Nachfolger zu spendieren. Diese Ablöse besteht aus immerhin 180 Plastikteilen, dazu kommen noch die Klarsichtteile, eine Ätzteilplatine sowie eine gut gemachte Anleitung in Heftform und der Decalbogen. Ein edel gestalteter, stabiler Karton mit vielen Teilen aber rechtfertig allein noch nicht den immerhin nicht geringen Preis von ca. 35€. Hier erwartet der Modellbauer dann auch Qualität, Originaltreue und gerne etwas „Ausstattung“. Die hohe Fertigungsqualität war für mich schon auf den ersten Blick sichtbar: Feinste Gravuren und Details, alles sehr sauber abgeformt. Auf den zweiten Blick erschloss sich mir dann, dass dieser Bausatz auch in Sachen Ausstattung nicht enttäuscht: Es gibt zum einem viele Darstellungsoptionen und zum anderen hat sich Meng auch die Einsatzgeschichte der F-106 genau angesehen: Obwohl es vom Einsitzer (und auch Zweisitzer) F-106 keine Varianten gab und diese Maschinen auch schnell von 1957 bis 1961 in einem „Rutsch“ produziert wurden, so wurden die Delta Darts über die Jahre in einigen Bereichen modifiziert. Es ist tatsächlich so, das sich bei der F-106 nicht nur die Frage stellt, Welches Exemplar man baut, sondern auch Wann, in welchen Einsatzzeitraum. Meng hat hier sehr genau recherchiert und bietet alle nötigen Optionen an. Ein toller Begleiter dazu ist das in Detail & Scale Heft Nr.13. Mit diesem Heft und dem Bausatz von Meng kann man wunderschön in der Geschichte der F-106 wandeln – und dabei immer wieder staunen, was Meng hier auch qualitativ abliefert. Mit Superlativen sollte man in unserer heutigen Modellbauzeit vorsichtig sein, der Modellbauer wird immer wieder dazu verleitet zu sagen“ besser geht es nicht“. Nun, dieser Bausatz der F-106 verleitet wieder ganz genau dazu. Ob dies gerechtfertigt ist, kann dann nur noch der Bau des Modells beantworten. Der vorgesehenen Reihenfolge der Montageschritte bin ich so nicht gefolgt, da dies wie so oft nicht gerade der praktischste Weg ist. Dieser Baubericht wird auch eine kleine Zeitreise durch die Einsatzzeit der „Last Of The Centuryfighters“

Der Zusammenbau  beginnt mit dem Cockpit, und  jetzt muss man sich entscheiden: Früheres oder späteres Aussehen? Das betrifft hier das Ätzteil des Instrumentenbrettes und den Schleudersitz. Das wird beim Schleudersitz gut sichtbar. Hier stellt der Bausatz den frühen Schleudersitz von Convair und den späteren Standardsitz von Weber zur Verfügung. Die Umrüstung auf den neuen Sitz verlief dabei fliesend und war auf jeden Fall 1964 abgeschlossen. Das Cockpit ist insgesamt recht klein, dennoch sind selbst auf den schmalen Konsolen noch Details der Bedienelemente vorhanden. Decals gibt es dafür nicht, hier ist der Einsatz von Pinsel und Farbe oder auch Decalelementen aus der Restekiste nötig. Das Sichtgerät für die optische Verfolgung der Genie-Rakete, welches deutlich oben aus dem Windshield herausragt, war so nur bis Juli 1972 vorhanden. Wer dies also belässt, sollte sich der entsprechenden Decalvarianten bewusst sein und muss auch auf die Vulcan-Kanone verzichten, denn genau diese ersetzte die Genie-Rakete. 1972 ist ebenfalls das entscheidende Jahr für die Verwendung der beiliegenden Hauben: Bis Oktober 1972 waren die Hauben gerahmt und plan, dann wurden sie durch ungerahmte, leicht ausgewölbte Hauben ersetzt. Beide Haubentypen liegen dem Bausatz bei und sie sind hervorragend, aber deshalb auch aufwendig ausgeformt. So darf der Modellbauer hier nicht nur einen, sondern gleich zwei feine Grate entfernen und auspolieren: die Spritzgussorm der Hauben ist vierteilig!

Die Teile für das Schubrohr mit Flammhalter und Nachbrennerdüse passen gut zusammen. Hier hat der Modellbauer noch eine Option, auf welche der Bausatz mal ausnahmsweise nicht eingeht: Ganz frühe F-106A (und auch B) waren anfangs noch mit dem J-75-P-9 Triebwerk ausgerüstet. Das war von außen sehr deutlich an der Nachbrennerdüse erkennbar, da diese im Gegensatz zum späteren J-75-P-17 nur kaum aus dem Rumpf herausragte. Am Modell sind das im ersteren Fall nicht mehr als 1,5mm. Wer ein solches Exemplar durch das entsprechende einkürzen des Schubrohres darstellen möchte, sollte aber auch diverse andere Details, wie etwa noch nicht vorhandenen Infrarot-Sensor oder die ebenso noch nicht vorhandene Nachtankvorrichtung in Betracht ziehen. Letztere liegt im Bausatz ebenfalls bei – also jeweils als optionales Teil für vorhanden oder nicht vorhanden. Die nicht vorhandene Nachtankvorrichtung sieht der Bausatz für die 57-2455 von 1960 vor. Zu diesem Exemplar gibt es ein gutes Farbfoto aus dem Jahr 1959. Entgegen der Bauanleitung ist hier der Nachtankstutzen schon vorhanden, allerdings gibt es noch keinen Infrarotsensor. Generell sollte man gerade bei der Darstellung mit frühen Komponenten gründlich recherchieren.

 

Ganz vorn am Rumpf kann man sich entscheiden, ob man die hervorragend dargestellten Geräte des MA-1 Leitrechners offen oder geschlossen darstellen möchte. Wer hier noch mehr möchte, dem sei das entsprechende Resin-Set von Meng empfohlen. Das Radom kann ebenfalls im abgenommenen Zustand dargestellt werden. Cockpit, Bugfahrwerksschacht, Lufteinlaufkanal und Schubrohr passen genau, wenn auch teilweise recht straff in die Aufnahmen der Rumpfhälfte. Hier sollte man sehr genau arbeiten, jeder Fehler hier setzt sich dann unweigerlich bei der folgenden Rumpf- und Flächenmontage fort. Die Rumpfhälften geben die Form der F-106 sehr gut wieder. In Längsrichtung findet sich hier ein feiner Absatz, welcher von einem zusätzlichen Schieber stammt und für die gar nicht so unkomplexe Formgebung der Rumpfhälften nötig ist. Dieser Absatz sollte durch leichtes überschleifen entfernt werden. Nach dem Verkleben der Rumpfteile muss auf der Oberseite hier da ein klein wenig nachgespachtelt oder nur überschliffen werden, wobei der größte Bereich dann aber später vom Leitwerkskanal abgedeckt wird.
Ich habe mir zum Bausatz noch das Resinset für die Fahrwerksschächte von meng besorgt. Dieses Set beinhaltet Teile für den Haupt- und Bugfahrwerksschacht sowie der Nachbrennerdüse und ist qualitativ in jeder Hinsicht Atemberaubend. Jede, aber auch jede Leitung und jedes Detail ist hier genauso wie am Original gestaltet und befindet sich auch am richtigen Platz. Diese Teile sind das mit Abstand Beste an Resin, was ich bisher gesehen habe. Die Grundlackierung nahm ich mit der Airbrush vor, dann wurden die Details mit dem Pinsel bemalt. Das Ergebnis ist umwerfend und zum verbauen tatsächlich eigentlich zu schade! Da diese Teile die vorbildgetreue Tiefe aufweisen, muss gehörig Platz in den Flächenteilen geschaffen werden. Die Verbindung von Tragfläche und Waffenschacht mit dem Rumpf geht etwas hakelig und straff von der Hand, passt am Ende aber. Wer jetzt aber zwischen Flächen und Rumpf einen Spalt haben sollte, muss nachrichten. Die Flächen müssen direkt an den Rumpf anschließen, sonst stimmt der Winkel der Flächen zum Rumpf nicht. Die Vorderteile der Lufteinläufe passen sehr gut und fügen sich auch gut den Konturen des hinteren Einlaufbereiches an. Dennoch, ein kleiner Spalt verbleibt und muss verspachtelt werden.

Das Leitwerk verlangt besondere Aufmerksamkeit, es ist das Teil mit dem wirklich einzigen Fehlerchen. Und der ist nicht mal tragisch. Das Seitenruder ist separat ausgeführt, ist aber im Gegensatz zum Original unten breiter als oben ,ca. 1mm. Das sieht selbst ein geübtes Auge kaum, vor allem nicht, wenn man gar nicht davon weiß. Wer aber wie ich eine andere Markierungsvariante als im Bausatz enthalten verwenden möchte und diese sich auch auf das Seitenruder bezieht, der sollte überlegen, ob eine Korrektur nötig ist. Am einfachsten geht das, in dem man das Seitenruder einklebt, den Ruderspalt verspachtelt und diesen neu graviert. Ich habe mich entschlossen, einfach zu täuschen und habe alles so belassen, wie es ist.
Six Shooter – dieser Begriff verweist vor allem auf die Einrüstung der sechsläufigen M61 Vulcan Kanone. Der Behälter mit Kanone und Munition wurde im Waffenschacht an der Stelle installiert, an der vorher die nun ausgemusterte Genie-Rakete ihren Platz hatte. Für diesen Behälter, welcher aus dem Waffenschacht herausragte, wurden die inneren Schachtklappen modifiziert. All diese Teile hat Meng genau reproduziert. Wer sein Modell mit der Vulcan Kanone ausrüsten möchte, sollte sich an entsprechende Vorbilder bei den Markierungen halten, denn nicht alle F-106 erhielten die Kanone. Der Decalbogen sieht für diese Option allein die 95-0023 der 119th FIS vor. Für mich war die „Six Shooter“ – Variante die Entscheidung dafür, wie mein Modell letztlich aussehen sollte. Den toll modellierten Kanonenbehälter wollte ich auf jeden Fall am Modell zeigen, ebenso den geöffneten Waffenschacht mit den vier Falcon-Raketen an den abgesenkten Pylonen. Die Falcon-Raketen liegen als F- (Radar gelenkt) und G-Version (Infrarot gelenkt) in sehr guter Qualität bei. Dazu gibt es sogar noch die typischen Transportbehälter, wie sie auch oft auf Originalfotos zu sehen sind. Ebenso toll gestaltet ist die AIR-2 Genie – Rakete, für die der Bausatz sogar den Transportwagen beinhaltet. Bevor es an den Ausbau und die Bestückung des Waffenschachtes gehen konnte, muss das Modell zunächst lackiert und markiert werden. Die Maskierung des mit Gunze 136 lackierten Waffenschachtes geht dank der optionalen geschlossenen Schachtklappe schnell und problemlos.

 

"Graue Maus", so kurz & schnell ist die Lackierung jeder F-106 zu beschreiben. Komplett in Hellgrau,  FS 16473 ADC Aircraft Grey. Diesen Farbton gibt es als X138 von Xtracolor. Nach vielen Betrachtungen war mir dieser Farbton dann doch etwas zu hell und ich habe im Verhältnis von etwa 2:1 X133 / FS 16270 beigemischt. Bei Gunze trifft das ziemlich genau Mr.Color 332. Die F-106 waren immer sehr gepflegt und sauber, egal aus welcher Periode man Vorbildfotos sichtet ergibt sich immer dasselbe Bild: Sauber, glänzend mit kaum sichtbaren Paneelstössen. So beschreibt man einen modellbauerischen Alptraum, eine Modelllackierung ohne jegliches Leben und Charakter. Lediglich Radom, Blendschutz werden Schwarz, Lufteinlaufvorderkanten und das letzte Rumpfsegment Aluminium lackiert. Gut, dass die F-106 noch mit großen Kennungen und farbenfrohen Markierungen versehen waren. Mit den hauchfeinen Gravuren und kaum sichtbaren Nietreihen sind die Modelloberflächen ein guter Ausgangspunkt für eine realistisch wirkende Farbgebung. Ich habe die Gravuren zunächst mit dunkelgrauer Farbe ausgelegt, dann erfolgte erster Farbüberzug mit Grau. Nun habe ich mit weiser Farbe die Bereiche zwischen den Nietreihen auf den Tragflächen aufgehellt. Hier zeigten sich am Original gut sichtbare Stressfalten. Das zeigt übrigens auch das Deckelbild des Bausatzes sehr realistisch. Auch diverse andere Bereiche und Paneel habe ich so behandelt, um die Lackierung nicht gar zu eintönig zu gestalten. Ein weiterer Überzug aus dem bereits genannten Graugemisch egalisiert diese noch zu starke Kontrastierung soweit, dass diese kaum noch sichtbar ist. Ein weiteres schön gestaltetes und auch dankbares Feature des Bausatzes sind die Intakecover. Diese passen so gut in die Lufteinläufe, dass ich sie gleich als Maskierhilfe bei der Lackierung der Aluminiumfarbenen Bereiche dort genutzt habe.

Der Schwachpunkt des Bausatzes sind ganz eindeutig die Decals. Sauber gedruckt, aber auf viel zu dickem Trägerfilm. Viele Stencils fehlen, die vorhandenen lassen die nötige Detailtreue fehlen. Dieser Decalbogen passt einfach nicht zum Niveau des Bausatzes. Für meine „Six Shooter“ habe ich mir sowieso andere Markierungen gewünscht, mein Favorit waren hier die „Green Eagles“ der 49th FIS. Dafür gibt es Decals von Superscale, der Bogen 72-877 bietet dafür schön gedruckte Markierungen sowie die meisten Stencils auf hauchfeinem, hochglänzendem Trägerfilm. Dazu noch ein paar Stencils aus der Restekiste, die roten Hinweise für die Waffenschachtklappen waren die einzigsten Bausatzdecals welche ich überhaupt verwendet habe. Jetzt kommen wir noch mal zum Seitenruder: Wie bei einigen anderen Einheiten auch, ist bei meiner Variante das Ruder farblich gestaltet. Das betreffende Decal von Superscale orientiert sich an der korrekten Geometrie des Originals und ist somit unten 1mm zu schmal. So fällt dieser Bausatzfehler natürlich auf. Ich habe nun einfach die entsprechenden Bereiche des Seitenruders anlackiert. Noch ein Überzug mit einem Gemisch aus glänzenden und seidenmatten Klarlack, dann zeigt sich das Modell seine gute gelungene Formgebung im zwar einfarbigen, aber nicht mehr gar so langweiligen Farbkleid. Am Boden waren die Bremsklappen der F-106 fast immer geöffnet. Meng hat die Strukturen der Bremsklappen sehr schön dargestellt, ebenso die Hydraulikzylinder und den Bremsschirmbehälter. Hier ist nun wieder etwas Recherche nötig: Die Innenseiten der Bremsklappen wurden oft farblich gestaltet. Bei der 49th FIS wurden dazu die Flächen zwischen den Spanten abwechselnd Grün lackiert. Das habe ich mit einem feinem Pinsel bewerkstelligt.

Der Waffenschacht und die Fahrwerke sind die letzte „Baustelle“ am Modell. Die Fahrwerke hat Meng hervorragend gestaltet. Die Räder sind in der frühen (bis 1965/66) und in der späten Ausführung vorhanden. Spätestens nach der etwas trickigen Montage der Fahrwerksklappen und deren filigranen Anlenkungen wird einem nun bewusst, wie wenig man von den tollen Schächten noch sieht. Der Waffenschacht wird mit Plastik- und Ätzteilen komplettiert, welche allesamt sehr gut passen und sehr Vorbildgetreu gestaltet sind. Probleme machen die Passstifte der Raketenträger, diese am besten einfach entfernen. Ich habe zuerst die Ätzteile, dann den Kanonenbehälter und schließlich die Raketenträger montiert. Die Bauanleitung ist bei der genauen Positionierung zwar keine wirkliche Hilfe, aber Alles passt letztlich wirklich genau da hin, wo es auch hin soll. Vorbildfotos helfen hier sehr gut, auch bei der korrekten Ausrichtung der Teile. Die Schachtklappen machen keinerlei Probleme, für deren Anlenkungen sind Ätzteile vorhanden. Für die Zusatztanks hat der Modellbauer nun wieder Option der frühen 230 Gallonen-Zusatztanks sowie der späteren, überschallfähigen 360 Gallonen Tanks, welche 1967 eingeführt wurden. Nebenbei habe ich diverse Kleinigkeiten wie Fanghaken, Antennen, Winkelgeber und das Staurohr von Master montiert. Ein letztes Mal auf das Einsatzjahr achten muss man dann bei den Kollosionswarnleuchten an Rumpfober- und Unterseite. Bis Mitte 1962 waren diese ausfahrbar und deren Formgebung stellen die Bausatzteile dar. Für mein Modell habe ich mir zwei neue Leuchten aus in der Proxxon gedrehtem Klarmaterial hergestellt. Die leicht erhabenen Navigationsleuchten auf den Flächen und dem Leitwerk wurden maskiert und in den entsprechenden Farben lackiert. Die Montage der Haube geht schnell von der Hand, bei den Bremsklappen müssen aber die Spreizstempel etwas gekürzt werden. Die Leiter liegt als Ätzteil bei und ist schnell fertig gestellt . Schön, das Meng auch an dies immer beliebte und sinnvolle Detail gedacht hat!

Jede Menge Bastelspaß, das ist mein  Fazit nach dem Bau dieses Modells. Details, Oberflächen, Optionen, Ausstattung und Vorbildtreue rechtfertigen am Ende den Preis. Aber, diesen Bausatz möchte ich keinem Modellbauanfänger empfehlen. Obwohl Spachtel und Schleifmittel hier fast nicht benötigt werden, der Bausatz setzt Erfahrung sowie genaues und vorrausschauendes Arbeiten voraus. So mancher Montageschritt erfordert mehrfache Versuche, da die komplexen und dennoch sehr genauen Teile kein Spiel zueinander haben. Die vielen Optionen des Bausatzes wollen dann auch noch verstanden und auch recherchiert werden. Meng liefert mit diesem Bausatz schon etwas Besonderes ab, nicht zu vergessen die extra erhältlichen hervorragenden Resinsets. Zu kritisieren ist nur der Decalbogen. Dieser wird dem Anspruch des Bausatzes nicht gerecht, hier muss Meng generell nachbessern.