Lockheed F-104C "Starfighter" (Hasegawa/Esci/CMK/Verlinden)

Die Entwicklung der F-104 beruhte auf den Erfahrungen des Koreakrieges – man wollte einen schnell steigenden Abfangjäger mit starker Beschleunigung und hoher Geschwindigkeit konzipieren. Entwickelt von Clarence L. (Kelly) Johnson, startete am 28.Ferbruar 1954 der Prototyp XF-104 zum ersten Mal. 1958 erfolgte die begrenzte Einführung der ersten Version, der F-104A. Die F-104 war ein typisches Kind ihrer Zeit: Geschwindigkeit war alles – wenn auch ihre projektierte Höchstgeschwindigkeit von über 2000Km/h zunächst auf Grund des begrenzten Treibstoffvorrates eher hypothetisch war. Ihre Steiggeschwindigkeit von 207m/s aber war für die damalige Zeit einfach phänomenal. Ihre einzigartige Form mit dem Raketenartigen Rumpf und Stummelflügeln sowie ihre starke Beschleunigung wurden Namensgebend: man nannte die F-104 die „Einmannrakete“.

Die F-104B war die erste Zweisitzige Variante, die A –Version wurde zur C modifiziert. Die F-104C war mehr auf die Jagdbomberrolle zugeschnitten, sie konnte mehr Außenlasten wie Treibstoffzusatzbehälter oder Atomwaffen mitführen, zusätzlich kam die Möglichkeit der Nachtankeinrichtung hinzu.

Am 16. Oktober 1958 landete der Lockheed – Testpilot Lou Schalk ( flog als erstes die A-12) mit der F-104C, Nr. 60891 auf der Nellis AFB, Nevada, zur Übergabe an das TAC. Diese erste F-104C für das TAC war sehr farbenfroh lackiert. Hier noch etwas nebenbei : "Really George" war nicht die erste gebaute F-104C - das war die 56-0883  - das wird oft falsch angegeben. Auf der linken Rumpfseite unter dem Cockpit befand sich der Name des Flugzeuges: „Really George“ – was passte besser zur 479. TFW, deren Standort George AFB in Kalifornien war? Die 479TFW blieb der einzige aktive  Betreiber der F-104C in den USAF : Die F-104 wurde den amerikanischen Anforderungen für einen Jäger/Jagbomber nicht gerecht, es wurden nur 77 Exemplare ausgeliefert. Die Karriere der F-104 aber sollte dennoch erst beginnen: Die Geschichte der weiterentwickelten Exportvariante F-104G ist hinlänglich bekannt.

F-104 Bausätze in 72 gibt es eigentlich genug: Von Hasegawa kennen wir die vielgelobten G/S/J Versionen, von Revell die G und die C. Esci hatte einst die F-104A im Programm, welche von Italeri als F-104C neu aufgelegt wurde. Alle diese Bausätze verfügen über versenkte Gravuren und weisen auch sonst eine gute Spritzqualität auf. Unterschiede liegen in Maß und Form sowie zahlreichen Details – die nicht nur Versionsbedingt sind. Verlinden und CMK steuern dazu noch Detaillierungssets hinzu, so das man sich nun nur entscheiden muss, welchen Bausatz man dafür zersägt.

Da ich seit einiger Zeit die Detaillierungsets von CMK für Triebwerk, Cockpit, Fahrwerksschächte, Bremsklappen, Radar und Avionikbuchten sowie Vorflügel und Klappen (7008 und 7057) sowie das Updateset von Verlinden (allerdings zweisitzige für die TF-104G/J) auf Lager hatte, wollte ich diese nun auch einmal verbauen – an einem Modell. Das ganze sah ich dabei als Herausforderung – und die sollte es auch werden. Aus subjektiven Gründen entschied ich mich als Grundlage für das Modell für den Hasegawa - Bausatz. Da dieser jedoch nicht die C-Variante darstellt, ersetzte ich die hintere Rumpfsektion  durch die aus dem Esci – Bausatz. Beim Studium des Esci – Bausatzes fielen mir auch die feinen und korrekten Gravuren dieses Bausatzes auf sowie die von allen Bausätzen am besten gestalteten Tragflächen. Die genaue Durchsicht der Teile aus den Detaillierungsets ergab, das sich auch einige Ätzteile von Verlinden sowie dessen Radar  für meine ja einsitzige C nutzen ließen, während einige Teile von CMK wie Radom ( einfacher, leicht nachdetaillierter Revell – Abguss), Vorflügel und Klappen oder die Vacu-Haube (falsche Form) einfach nutzlos sind. Somit stand mein „Fahrplan“ fest:  Rumpf von Hasegawa und Esci, Tragflächen von Esci sowie die entsprechenden Ätz – und Resinteile, die Haube steuert Hasegawa bei.

Vom Hasegawa – Rumpf sägte ich also das Heck ab. In das Esci-Heck kam nun das sehr gute Schubrohr von Hasgawa. Das nun entstandene Rumpfmittelstück  erhielt die Öffnungen für die Triebwerks – und Bremsklappen. Nach dem Einbau des Triebwerks und der Bremsklappenschächte sowie des Fahrwerkschachtes wurden die beiden Mittelrumpfhälften miteinander verklebt. Nun begann die geradezu nervende Arbeit für das nächste halbe Jahr: das Verkleben von Heck mit dem Mittelrumpf mit den nachfolgenden entsprechenden Spachtel- , Schleif- und Gravierarbeiten. Das Heck brach mir mehrmals ab, die Neugravur wollte und wollte nicht sauber genug werden, ständiger Ausbruch von Spachtelmaterial bei den Gravurarbeiten. Diese Problematik bekam ich erst in den Griff, nachdem ich als Spachtel aufgelöste Giesäste nutzte – eine Methode, die zwar aufwendig und durch die lange Aushärtezeit Zeitraubend ist, aber gerade beim Gravieren große Vorteile bringt.

Das Cockpit von CMK ist von ganz guter Qualität – die Maßstabsbedingte Größe im Zusammenhang mit den dennoch vielen dargestellten Detaills macht die Bemalung nicht gerade einfach – mit meinem Ergebnis bin ich hier nicht gerade zufrieden. Die Montage der Bugsektion mit Cockpit sowie den Resinteilen für die Avionikbuchten macht dagegen kaum Probleme, trickig ist hier nur die Anpassung und der Einbau der Cockpitabdeckung. An die Trennstelle zum Radom wurde nun das Ätzteil für den Rumpfabschluss von Verlinden angeklebt und eingeschliffen, bis es keinerlei Übergänge zum Rumpf mehr gab.

Das Verkleben von Bug- und Rumpfsektion war problemlos und bedurfte nur weniger Nacharbeiten. Diesen traten dann dafür stark vermehrt bei den Lufteinläufen auf : Hasegawa legt in seinen Bausätzen zwar Lufteinläufe für die frühen und späten Varianten bei, nur passen diese nun wirklich nicht gut an den Rumpf. Die Übergänge müssen kräftig verschliffen werden und anschließend neu graviert werden. Nun konnte schließlich das feste Kanzelteil montiert und eingespachtelt werden.  Damit war das „Grobe“ geschafft – es konnte (endlich!) an die Lackierung gehen.

Die Alclad –Farben erleichtern Metallackierungen schon ganz erheblich, Vorraussetzung aber ist eine homogene, am besten Spiegelglatte Oberfläche. Dazu habe ich den Rumpf und alle anderen Teile nach dem normalen verschleifen zunächst mit Alclad Gray Primer & Microfiller grundiert. Diese graue Farbe ist im Grunde ein ganz feiner Sprühspachtel, der auch als Haftvermittler dient. Diese Farbe trocknet seidenmatt aus und wird mit einem Baumwoll – oder Poliertuch vor der nachfolgenden Metalllackierung aufpoliert. Danach erfolgt problemlos die Lackierung mit Alclad Alu und der verschiedenen Paneelen in den entsprechenden anderen Metalltönen – hierbei hielt ich mich an Originalfotos von F-104C aus den 50er und 60er Jahren.

Die umliegenden Bereiche der Avionikbuchten wurden nun maskiert, und nun die Buchten lackiert. Die Tragflächen wurden der Einfachheit halber ( nach Kontrolle der Passgenauigkeit) separat lackiert. Hier heißt es aufpassen : Im allgemeinen waren die Flächen der F-104C oben und unten weis – aber eben nicht alle. Für „Really George“ fand ich nur eine explizite Angabe : Die des Decalbogens von Albatros. Hier werden graue Unterseiten (FS 16515) angegeben, also entschied ich mich für die entsprechende Farbgebung. Bei den Details der Avionikbuchten und des Radars hielt ich mich an Fotos und verlies mich betreffend der Farbtöne teilweise auf mein Gefühl.

Das Schwierigste aber war die Lackierung der Räder. „Really George“ zeigt auf dem einzigen Foto in der dieses Flugzeug in seiner schönen Bemalung zu sehen ist, Weisbandreifen. Dafür legt Albatros Decals bei ( weise Ringe für alle Räder) – nur passen diese nicht richtig. Die Räder wurden zunächst mit Alclad Chrom lackiert, dann erfolgte die Lackierung der Reifen. Nun wurden die Decalringe in jeweils 4 Teile zerschnitten und schließlich aufgetragen. Das Ergebnis war so gut, das ich mir diesen Radsatz aufhebe : ich habe ihn nämlich wieder demontiert, nachdem ich mitbekommen hatte, das die C andere Felgen hat als sie in allen Bausätzen beiliegen. Ja, selbst Esci hat hier seinerzeit geschlafen. Nur ein Hersteller nicht : Revell.  Also Notruf im Internet, und nach kurzer Zeit trafen die Räder als dankbare Unterstützung eines mir bekannten Modellbauers ein. Nun also das Ganze noch einmal – nur das ich diesmal erst Chrom lackierte, dann die Felgen maskierte, dann Weis lackierte, dann diese Flächen maskierte und nun schließlich Schwarz lackierte. Hört sich ja einfach an  - nur mache mal einer Masken in diesem Durchmesser – sie mussten auf den halben Millimeter genau stimmen ! (und auch so genau aufgebracht werden)

Man lobt den Tag oft vor den Abend – oder möchte sich vor Freude darüber einen zunächst wunderschön erscheinenden (und teuren!) Decalbogen einrahmen und an die Wand nageln. Bei der Benutzung solcher Decals aber kann es eben auch zu einem fast bösen Erwachen kommen ...
Ich hatte mir den Bogen 72006 „Exotic Stars“ von Albatros Decals besorgt. Hiermit lassen sich eine Vielzahl interessanter F-104 markieren – eben auch „Really George“. Der Trägerfilm dieser Decals reagierte kaum auf Weichmacher – erst der Einsatz von Daco-Weichmacher (der seltsamerweise bei mir sonst nirgends Wirkung zeigte) schuf hier Abhilfe. Schlimmer aber ist : Eine Vielzahl der Decals dieses Bogens sind schlicht falsch oder fehlerhaft. So sind einige Stencils nicht wie sie auf Originalfotos zu sehen sind, ausgeführt. Der Schriftzug „U.S: Air Force“ hat falsche Buchstabenabstände und ist geometrisch auch etwas daneben.

Nach einigem Überlegen und kompletter Durchsicht meines Decalfundus nutze ich schließlich nur die Decals von Albatros, die ich nicht durch andere austauschen konnte. Richtig trickig war das Aufbringen der Roten Blitze auf dem Rumpf  - denn, hier war nun meine „Freude“ am größten, sie sind auch etwas falsch ausgeführt. Das Beheben dieses Fehlers ist auch durch zerschneiden nicht zu bewerkstelligen, deshalb lies ich sie so, wie sie sind ( und verrate keinem, was falsch ist).

Nach dem versiegeln mit Klarlack ( der muss für Metallackierungen nur richtig schön dünn und von Humbrol sein – dann ändert er auch nichts am Metallton) konnte es nun zur Endmontage gehen. Das entsprach bei diesem Modell durch seine vielen Klappen, die separat lackierten Flächen und der geöffneten Haube schon fast dem Bau eines kleinen Modells. Richtig froh war ich z.B., als nach mehreren Versuchen die Radarschüssel endlich mal mittig war ! Die letzten Teile, die montiert wurden, waren die Abdeckkappen der Flächenkanten und die RBF - Fähnchen (Tally Ho!). Letztere wurden mit einem 0,4mm Loch versehen und mit dünnster Kupferlitze versehen.

Kurz zu den Resinteilen von CMK : Der genaue Betrachter wird so einige Unstimmigkeiten auch bei den Teilen finden, die ich verbaut habe. Es gilt auch hier, Kompromisse einzugehen. So manch einer wird sich aber schon fragen, warum ich, anstatt mich mit dem Zusammensetzen des Rumpfes aus Hasegawa- und Esciteilen rum zu ärgern, nicht gleich den Rumpf von Esci oder Revell genutzt habe. Nun, bei Esci stimmt einiges im Bugbereich nicht – die Korrekturen wollten mir hier recht kompliziert erscheinen. Revell : ja, den hatte ich einfach nicht. Aber zwei Hasegawa –Bausätze, mit denen ich nichts anderes vor hatte. Ich hätte auch nur das Leitwerk des Hasegawa –Rumpfes kürzen müssen, nur fiel mir nichts ein, wie ich den Übergang zum Rumpfende neu gestalten sollte. Es führen, wie oft, eben viele Wege nach Rom – ich bin vielleicht nicht den besten gegangen. Aber ich denke, ich bin irgendwie angekommen.

Danken möchte ich den Modellbaufreunden Ronny Hinneburg für die gute Literatur und seine vielen wichtigen Hinweise , Jörg Schlegel für die Radmasken und die Stanzarbeiten für die Radarschüssel und Bernd Korte „Centuryfan“ für die Räder.