Convair F-102A (Meng)

 

Abfangjäger 1954 : "Delta Dagger"

1949 wurde ein neuer Jäger gefordert, der die neuen sowjetischen Bomber abfangen konnte. Convair‘s Vorschlag für den „Jäger 1954“ (Jahr der geplanten Indienststellung) beruhte auf dem Prototyp XF-92A von 1948, von dem die zukünftige F-102 die Auslegung als Delta-Nurflügler erbte. Der Prototyp YF-102 hatte am 24. Oktober 1953 seinen Erstflug und ging bereits 9 Tage später verloren. Die zweite YF-102 flog erstmals am 11. Januar 1954 und bestätigte, das mit diesem Muster so keine der geforderten Flugleistungen erreichbar sind. So wurden schon jetzt zwei Entwicklungsstufen des Jägers geplant: Die F-102A als Zwischenlösung und als eigentliche Endversion die F-102B, welche dann später zur F-106 wurde. Die YF-102 wurde erheblich modifiziert: Ein neues und stärkeres J-57 Triebwerk (das J-67 wurden endgültig fallen gelassen) sowie eine Umgestaltung des Rumpfes nach der gerade erst entdeckten Flächenregel schafften zumindest so viel Verbesserung, das mit der dritten YF-102 Überschallgeschwindigkeit, welche eine Grundanforderung dieses Jägers darstellte, gerade so erreicht werden konnte. Die U.S.A.F. nahm das Muster in Ermangelung jeglicher Alternative notgedrungen ab. So wurden ab April 1956 schließlich die ersten Exemplare in Dienst gestellt. Die F-102 verzichtete auf jegliche Rohrbewaffnung und führte für Abfangeinsätze entweder 6 AIM-4 „Falcon“ –Lenkwaffen oder drei AIM-4 und eine nuklear bestückten AIM-26 mit, welche im großen Waffenschacht untergebracht waren. In den inneren vier Waffenschachtklappen waren zudem 3 Röhren für insgesamt 24 ungelenkte 7cm Raketen integriert. Als Feuerleitanlage war anfangs das FSC MG-3 installiert, welches schnell durch die MG-10 Anlage ersetzt wurde. 889 Einsitzer und 111 TF-102A Doppelsitzer – Trainer wurden gebaut, außer in den USA wurden auch 36 Flugzeuge in der Türkei und 16 in Griechenland eingesetzt. Der Einsatz der von der Truppe als „Deuce“ („Mordslärm“) genannten F-102 dauerte bis Anfang der 70er Jahre, wobei sie aber schnell ins zweite Glied zu den ANG- Einheiten rückte. Ein Teil der Flugzeuge wurde zu QF-102A , PQM-102A und PQM-102B Drohnen umgebaut.

 

Etwas eingestaubt steht sie noch bei mir, das alte Hasegawa-Modell der „Delta Dagger“. Sehr viele neue Modelle kamen heraus in den letzten Jahren – eine 72er F-102 aber war nicht dabei. Schon erstaunlich, wenn man das Modell des alten Hasegawa-Bausatzes vor sich stehen hat. Mit seinen erhaben Paneellinien und der generell einfachen Machart war es tatsächlich mal Zeit für einen neuen Bausatz. Den hat nun Meng herausgebracht, ein Hersteller welcher relativ neu am Markt ist. Ein attraktiver Karton, darin sauber abgeformte und in einigen Bereichen dazu noch sehr schön detaillierte Plastikteile. Das machte mich dann doch gespannt auf ein Modell, dessen Vorbild ich bisher nur recht wenig abgewinnen konnte. Nein, das Vorbild finde ich noch immer nicht attraktiv – als der Modellfan mir aber eben die lange fällige Ablösung dieses „Century-Fighters“ zusendete, da überfiel mich doch die Neugier: Wie würde dieser neue Bausatz des ja dazu noch neuen Herstellers sich auf dem Basteltisch machen und wie das Endergebnis ausfallen? – das Ganze mal wirklich einfach „Out Of The Box“
Das Cockpit macht wie so oft auch hier den Anfang und macht dabei keinerlei Probleme. Viel ist hier auch nicht zu tun, der Sitz erhält noch ein paar geätzte Gurte aus der Krabbelkiste und macht so einen guten Eindruck. Die seitlichen Bedienelemente der Cockpitwanne werden mit Pinsel bemalt, das Instrumentenbrett bekommt das gut passende Decal aus dem Bausatz. Hier fallen gleich zwei Sachen auf, die sich durch den ganzen Zusammenbau ziehen werden: sehr gute Passgenauigkeit und massive Angüsse an den Einzelteilen. Die Cockpitwanne wird auf den Bugfahrwerksschacht geklebt, welcher ebenso schön detailliert ist wie die Hauptfahrwerksschächte.
Die Rumpfhälften passen sehr gut zusammen und entsprechen dem Vorbild – wenn da nur nicht diese viel zu stark ausgefallenen Gravuren wären! Die Gravuren dieses Bausatzes habe ich von Anfang an mit Sorge betrachtet: auf den Oberseiten der Tragflächen durchaus im heute üblichen Rahmen, aber sonst einfach deutlich zu kräftig. Das passt so gar nicht zu den im Original recht „glatten“ F-102. Der ambitionierte Modellbauer steht hier am „Scheideweg“. Was aber am alten Hasegawa-Modell recht schnell bewerkstelligt ist, fordert hier zusätzlichen und erheblichen Aufwand: Bevor neu graviert werden kann, müssen die Gravuren ja erst mal verschlossen werden… Ich habe mir diesen Aufwand erspart und die Gravuren so belassen, in der Hoffnung, die ja recht großflächigen Decals werden hier Einiges relativieren können.
Bevor die Rumpfhälften aber verklebt werden können, muss vorher noch das Schubrohr montiert und eingebaut werden. Hier hat Meng gute Arbeit geleistet, das lange Schubrohr mit dem gut modellierten Nachbrenner macht keinerlei Probleme. Schubrohr und Cockpit/Bugfahrwerksschacht passen sehr gut in die Rumpfhälften. An der Unterseite wird nun der Mittelteil des Hauptfahrwerksschachtes eingeklebt. Nun aber muss man auf jeden Fall mit Spachtel ran: Die als Paneellinie gedachte Trennstelle der beiden Leitwerkshälften fällt nun doch zu grob aus. Hier habe ich verspachtelt und neu graviert. Dabei sei gleich mal auf ein Detail verwiesen: Die F-102 unterscheiden sich nicht nur in der „Case X“ und „Case XX“ – Tragfläche. Frühe Exemplare hatten auch ein deutlich kleineres Leitwerk, wie es am alten Hasegwa-Modell dargestellt wird. Dabei aber sollte beachtet werden, das diese Exemplare auch keine vorgelagerten Grenzschichtschneiden hatten, was das Hasegawa-Modell wiederrum nicht berücksichtigt. 
Auffallend am Rumpf sind die erhaben dargestellten Positionsleuchten. Am Original sind diese aber „Aalglatt“ bündig mit den Oberflächen eingelassen. Ich habe diese Positionsleuchten zunächst leicht angebohrt (angesenkt) um sie später mit entsprechender Farbe und Klarlack zu verfüllen. Das betrifft alle Posileuchten am Rumpf - nicht aber die an den Tragflächen! – Letztere waren auch am Original erhaben.

 

Die Lufteinläufe sind einfach, aber gut gemacht. Vor allem fällt auch hier keine Spachtelarbeit an. Bevor man die jeweiligen Teile aber verklebt, sollte man sich mit deren Lackierung befassen. Die Grenzschichtschneiden haben am Original eine recht komplexe Farbgebung in Form von Metallpaneelen. Meng hat das berücksichtigt und legt als Hilfe dafür Decals bei, welche mir in Form und Farbgebung als nicht wirklich passend vorkommen. Mit etwas Geschick und Tape aber hat man diesen Bereich schnell selber lackiert. 
Die Tragfläche und der Waffenschacht stellen nun den nächsten Schritt dar. Der große Waffenschacht mit den sechs ausfahrbaren Trägern für die Falcon-Lenkwaffen ist wohl neben den Delta-Flächen eines der Hauptmerkmale der „Deuce“. Hier wartet für den Modellbauer auch die meiste Arbeit – wenn man sich denn für dessen geöffnete Darstellung entscheidet. Für die geschlossene Variante legt Meng ein hervorragend passendes Unterteil bei, welches viel Arbeit erspart. Letzteres gilt selbst für die geöffnete Darstellung, da dieses Teil gleich als Maskierung bei der späteren Lackierung dient. Die gut gemachten Lenkwaffen, Träger und Klappen dieses Bausatzes aber wollte ich nicht übergehen, zumal sie am fertigen Modell schon einen „Anziehungspunkt“ bilden. Das Ganze geht recht einfach von der Hand: Der große Schachtboden wird – wie alle inneren Schachtflächen – in Grün bemalt. Ich habe mich hier für eine Grundierung in Aluminium mit nachfolgendem lasierendem Auftrag von Xtracolor X116 entschieden, was gerade an den schön strukturierten Flächen recht „interessant“ wirkt. Der Schachtboden passt sehr gut in das Flächenunterteil und Diese auch sehr gut an den Rumpf. Etwas Spachtelarbeit fällt aber am hinteren und vorderen Rumpfanschluss an. Entgegen der Bauanleitung habe ich erst zuletzt die Oberseiten und die separaten Case X - Flächenenden montiert. Nun noch das hervorragend abgeformte vordere Klarsichtteil der Kanzel angeklebt – und mit dem eigentlichen „Rohbau“ des Modelles ist man schon durch. Fehlen noch die diversen Teile wie
Klappen, Fahrwerke, Bewaffnung und Radom
Sämtliche Klappen sind an den Innenseiten sehr schön detailliert. Das fällt am fertigen Modell vor allem bei den Fahrwerks- und den Bremsklappen auf. Hier also sollte man besonderes Augenmerk auf die Betonung der Strukturen legen. Ich habe dazu diese Flächen zunächst in Aluminium lackiert, dann die Vertiefungen mit schwarzer Farbe ausgelegt. Dann erfolgte die schon beschriebene Farbgebung mit lasierendem (stark verdünnt und mit Klarlack versetzt) Grün. Die Fahrwerke hat Meng originalgetreu und schön modelliert umgesetzt. Das Bugfahrwerk wirkt sehr zerbrechlich, ist dem Modell aber doch gut gewachsen. Die Träger für die Lenkwaffen habe ich etwas heller lackiert als die sonstigen Schachtinnenflächen, das bringt etwas zusätzlichen Kontrast. Bei den ausgefahrenen Trägern sollte noch jeweils an der Unterseite vorne etwas Plastiksheet (ca. 1-1,5mm stark) aufgebaut werden, damit die Lenkwaffen wie am Original leicht nach unten geneigt sind.
Bei den Falcon-Raketen selber heißt es aufpassen: Meng bietet hier die Auswahl zwischen AIM-4C und AIM-4D Lenkwaffen. Die D-Variante aber gab es erst ab 1963. Man sollte sich also schon im Klarem sein, welche Decalvariante man für sein Modell benutzt – aus dem Bausatz würde für die AIM-4D nur die mit der Vietnam-Tarnung passen. Egel welche Variante, ordentlich Arbeit macht die Rot/Weise Lackierung aber in jedem Fall.

 

Das Radom bezieht man normalerweise in die Rumpfmontage mit ein. Aufgrund der sehr guten Passgenauigkeit aber habe ich es separat lackiert. Die Form des Radoms ist übrigens sehr gut getroffen. Das Staurohr habe ich aus Stahldraht in der Bohrmaschine konisch überdreht. Nach einer Grundlackierung in Weis wurde ein dünner Tapestreifen spiralförmig als Maskierung für die rote Ringsprale aufgebracht. Den Innenraum des Radoms habe ich dann noch mit Kerzenwachs verfüllt, das alleine langt schon um dem Modell zu einem sichern Stand auf dem Bugfahrwerk zu verhelfen. Etwas unscheinbar, doch sehr schön modelliert ist die Kuppel des Infrarotsensors. Dieses Teil ist kein Muss am Modell, das es auch am Original nicht Standard war. Ich habe es zunächst mit Alclad Chrom lackiert und dann mit Tamiya „Smoke“ – Klarlack (X19) und Revell Mattschwarz bemalt. Das bewegliche Haubenteil sorgt mit seinen exakt planen Flächen für sehr guten Durchblick. Ich habe an den Innenseiten noch etwas mit Plastiksheet und Draht nachdetailliert. Wichtig bei der Lackierung ist hier der gelbe Streifen um die verglasten Flächen.

 

Die Lackierung des Modelles selber ist denkbar einfach – wenn man sich für eines der typischen ANG-Exemplare entscheidet. Grundfarbe überall ist ein heller Grauton, welcher in der Bauanleitung als „Aircraft Grey“ (Gunze H57 oder C73) angegeben wird. Tatsächlich aber hatten die F-102, wie andere ANG-Typen auch, ihren eigenen Standard-Grauton: ADC Grey FS 16473. Den gibt es passend von Xtracolor als X138 und sorgt so gleich für eine hochglänzende Oberfläche. Und die braucht es für die großflächigen Decals. Der Blendschutz vor der Kanzel und auf den Lufteinläufen wird in mattem Schwarz lackiert.
Die Markierungen auf dem Decalbogen von Meng machen zunächst einen sehr guten Eindruck. Wer wie ich die FC-380 der 327th FIS von 1958 darstellen möchte, der sollte gleich mit dem großen Decal für das Leitwerk beginnen. Aber nicht mit Wasser & Weichmacher – sondern mit dem Skalpell: Da sind nämlich einerseits die separaten Bremsklappen, in welche Meng die Leitwerksdecals gleich mit einbezogen hat. Dieser „Fortsatz“ ist schnell abgeschnitten. Vor den Bremsklappen aber befindet sich am Leitwerk noch ein deutlicher Absatz, welcher auch mit Weichmacher nicht zu überwinden ist. Auch dieser Bereich muss ausgeschnitten und am Leitwerk maskiert und Weis lackiert werden. Die Decals lassen sich gut auftragen, der Trägerfilm ist sehr stark. Weichmacher braucht es überall und viel – dann aber legen sich die Decals auch schön in die Gravuren. Die FC-380 trägt nun noch eine schöne farbige Rumpfbinde. Das große Oberteil passt genau. Wer den Waffenschacht geöffnet darstellt, muss nun aber das kleiner Unterteil in nochmals sechs Einzelteile zerlegen. Dabei muss überlegt vorgegangen und auch gemessen werden: Vier Teile für die Klappen, je eines am Rumpf unter der Fläche. Ansonsten verursachen die Decals keinen weiteren zusätzlichen Aufwand. Deutlich sichtbar sind nun aber die Kanten des starken Trägerfilmes. Hier hilft einige zusätzliche Lagen Klarlack – ich habe seidenmatten von Vallejo benutzt. Mit zerriebenem Graphit (Bleistift) und Pinsel habe ich feine Schmutzspuren am Rumpf und den Flächen dargestellt. Noch einmal etwas näher zum Vorbild: Meine Literatur gibt zu diesem Exemplar nichts her, nach einigem Suchen im Internet aber tat sich eine interessante Quelle auf! Für ein Fotoshooting posierte 1957 das Fotomodel Barbara Lang vor F-102 der 327.FIS, davon finden sich stimmungsvolle Bilder im typischer 50er Jahre-Look. Im selben Blog aber findet sich noch ein weiteres Foto, auch von 1957. Und da ist sie zu sehen, die FC-380 mit dem „Challenger“ – Schriftzug & Logo auf der Bugfahrwerksklappe. Pilot war Lt. Col. Charles E. Rigney, damals Commander 327. FIS. Das Bild entstand beim Bendix Air Race. Hinsichtlich der Markierungen treten da so einige Unterschiede zu den Decals von Meng auf – nur: Meng gibt für seine Variante eben 1958 an- darüber bin ich schon froh ….

 

Die Endmontage betrifft dann vor allem die Fahrwerke und die Bewaffnung. Die Fahrwerksbeine und deren Streben sind kein Problem. Was die Montagepositionen der Scheinwerfer an den Fahrwerksklappen und deren kleinen, runden Streben zu den Fahrwerksbeinen betrifft hilft die Bauanleitung nicht weiter. Hier braucht es schon Zeichnungen und Vorbildfotos. Im Waffenschacht sollte man zuerst die äußeren Klappen einkleben. Dann die Lenkwaffen an die Träger und erst dann komplett in den Waffenschacht einkleben – so ist das korrekte Ausrichten einfacher (Bild14). Bei den geöffneten Bremsklappen geht es auch ganz einfach – der kleine Schwenkmechanismus passt genau. Auch die Haube macht kein Problem, wichtig ist hier aber, das man sich an der Position der seitlichen Laschen und deren Ausbuchtung am Rumpf orientiert. Nun noch das Radom, was tatsächlich ohne jede Nacharbeit gut an den Rumpf passt. Wer jetzt noch mag und keine Angst hat, geht noch mal an das feste Frontkanzelteil: Die feinen Streben sind von Meng bedacht und dargestellt wurden. Mit feinen Streifen aus silbernen Decals kann man hier noch etwas nachbessern. Am Original aber war hier die Verglasung noch blau getönt. Ich habe das zunächst mit Clear Blue von Alclad versucht – womit ich mir selber eine Grube gegraben und für Nacharbeit gesorgt habe: Diese Farbe ätzt Klarsichteile an und wird nicht mal hochglänzend. Ja, da konnte ich nochmal abschleifen, maskieren und neu lackieren. Dann habe ich zum altbewährtem Clear Blue von Humbrol gegriffen. Mit einem Pinsel lässt es sich problemlos auftragen. Einen Verdünner zum Airbrushen habe ich dafür bis heute nicht gefunden …

 

Ein Fazit fällt mir am Ende nicht schwer: Nach so vielen Jahren hat nun auch das alte Hasegawa-Modell ausgedient. Sicher, diese kräftigen Gravuren. Da sind die Teile von Hasegawa schneller neu graviert. Nur, bei Hasegawa braucht man entweder ein Leitwerk – nämlich vom neuen Meng-Bausatz – oder man entfernt die Grenzschichtschneiden und passt bei der Markierung sehr genau auf! Die deutlich besseren Fahrwerke und Bewaffnung hat das Meng-Modell dann immer noch, nicht zu reden von vielen diversen anderen Details.
Nach einer relativ kurzen Bauzeit ohne jegliche Probleme steht die „Delta Dagger“ nun vor mir. Mit wie wenig Aufwand so etwas gehen kann, darüber staune ich schon! Und ja – so irgendwie gefällt sie mir nun doch, die olle „Deuce“ …