Extra 300
Classic Plane / Modellbaustudio Rhein-Ruhr 1:72

 

Basierend auf der  Laser Akro Model Z - welche wiederum auf der Stephens Akro basiert - entwickelte Walter Extra die Extra 230. Dieser kleine Mitteldecker für den Wettbewerbs-Kunstflug wurde über die Extra 260 schliesslich zur Extra 300 weiterentwickelt. Der Erstflug der Extra 300 fand im Mai 1988 statt, die Musterzulassung erhielt das Flugzeug 1991. Angetrieben durch einen Lycoming AEIO-540-L mit 224 kw Leistung und einem Leergewicht von 653kg ist der schnittige kleine Mitteldecker für Belastungen bis zu +/- 10g ausgelegt. Flächen und Leitwerk bestehen aus Kohlefaser-Verbundwerkstoffen, der Rumpf ist eine Rohrkonstruktion. Die Extra 300 erfreut sich bis heute großer Beliebtheit und erschien in verschiedenen Modifikationen.

 

Der kleine Bausatz von Classic Plane entspricht dem, was gemeinhin als "Short Run" betietelt wird - also rustikaler und einfacher als ein herkömmlicher Grossserienbausatz. Zwei Rumpfhälften, Tragflächen, Höhenruder, eine Kanzel sowie diverse Kleinteile für Cockpit, Luftschraube und Fahrwerke. Dazu ein Vaku-Teil für die Rumpffenster und Resinteile für den 4-Blatt Propeller. Mit dem Decalbogen lassen sich in dieser Bausatzvariante die D-EGEW und die D-EAEW markieren.

Die Bauanleitung besteht aus einer schwarz/weis kopierten A4 - Seite und geht auf das Vorbild sowie die Markierung des Modells ein - nicht aber auf den Zusammenbau. Soetwas war in den 90er Jahren noch zumutbar, heute würden virtuelle Modellbauer zur EU - Sammelklage aufrufen. Wer dagegen auch ohne Navi-App noch freihändig laufen kann benötigt bei diesem Modellchen und seinen paar Teilen keine Bauanleitung - erfreut sich aber vielmehr über die Risszeichnung auf besagtem A4-Blatt und den Sachen, die bei diesem Bausatz so richtig gut gemacht wurden.

     

Und richtig gut gemacht wurde das, was Modellbauer auch heute nur mit so einigem Aufwand selber besser machen kann: die vorbildgetreuen Decals auf dünnem Trägerfilm und die hervorragend abgeformte Haube, welche nach etwas überpolieren glasklar und Verzerrungsfrei ist. Selbst Kleinteile wie Spornrad, Propellerblätter und Auspuffrohre sind toll gestaltet. 

Der Zusammenbau selber geht relativ schnell und problemlos von der Hand, da die Teile alle recht gut aneinander passen. Die meiste Zeit ging bei mir für das nachdetaillieren des Cockpitbereiches mit seiner typischen Rohrkonstruktion drauf. Gezogener Gussast, etwas Plastiksheet, Decals für die Instrumente von Mike Grant Decals sowie ein paar geätzte Gurte sind hier das Zubehör, welches ich verwendet habe. Da ist doch von den wenigen Teilen sogar noch eines überflüssig: der Cockpitboden, welchen es im Original ja auch nicht gibt. Hier schaut der Pilot in seinem im Rumpf aufgehängten Sitz durch Rumpfenster, welche aus einem Stück tiefgzogenem Klarsichtmaterial geschnitten werden sollen. Meines war schon schön vergilbt, Ersatz aus dünnem Klarplastik ist aber schnell zurecht geschnitten und eingesetzt.

     

Die Flächen erhielten Bohrungen für einen Holm aus runden Messingprofil, um die stumpf an den Rumpf zu klebenden Flächen zu stabilisieren. Die Haube kommt in geschlossenen Zustand an den Rumpf, um die schnittige Form der Extra 300 zu betonen. Auch sie passt gut an den Rumpf, überhaupt ist Spachtel kaum nötig. Am meisten braucht man den, wenn man den etwas zu schlanken vorderen Bereich der Motorverkleidung korrigieren möchte - der einzigste sichtbare Fehler den ich an diesem Bausatz ausmachen konnte. Da kann man auch gleich noch die kleine, mittlere Kühleröffnung nachdetaillieren. Aus dünn geschliffenen Abluftgittern einer F-14 entstanden die beiden seitlichen Gitterlammellen. Da ich mich von Anfang wegen der guten Quellenlage für die D-EGEW entschieden habe, kommt der 4-Blatt Propeller zum Einsatz, welcher etwas klein wirkt, was am Original aber ganz genauso ist. Mit etwas aufgespühtem Spachtel sind die Fahrwerksbeine dann auch noch fix nachprofiliert.

Für die Lackierung kam Rot 330 von Revell und Blau 5 von Gunze Mr. Color zum Einsatz, beide Farben passen richtig gut im Vergleich zum Original, das Blau entspricht genau dem der Decals. Trotz deren wirklich guter Qualität habe ich die blauen Streifen mit weiser Einfassung nicht verwendet, da diese doch nicht so 100%tig im Vergleich zum Original an das Modell passen. Die weissen Linien habe ich mir aus Decals zusammen geschnitten, was mehr Aufwand machte als Lackierung und alle anderen verwendeten Decals zusammen. Kennung, Hoheitszeichen, Sterne und der "Extra 300"- Schriftzug stammen vom Decalbogen, passen hervorragend und lassen sich sehr gut verarbeiten. Weichmacher sollte nur mit Vorsicht und sparsam eingesetzt werden, da der Trägerfilm schnell und deutlich darauf reagiert.

Ganz zum Schluss wurden dann die Auspuffrohre und das Spornrad aus dem Bausatz montiert, dazu kamen noch Gegengewichte aus Plastiksheet, die beiden Peilrahmen aus Plastik und Draht sowie ein Stauhrohr aus Draht dazu.
Für mich hat der Bausatz alles, was für richtige Bastelfreude sorgt: ein tolles Vorbild, brauchbare, gut durchdachte Einzelteile und Raum für Eigeninitiative bei überschaubarem Aufwand. Das schafft so mancher aufwendige und teure Hi-Tech Bausatz heute nicht ....