Eurofighter Typhoon Twinseater (Revell)

Mitte der 70er Jahre suchte Großbritannien nach einem neuen Luftüberlegenheitsjäger. Auch Deutschland, Spanien, Frankreich und Italien waren auf der Suche und brachten erste Überlegungen mit ein. In diesen Jahren entstanden die verschiedensten Studien für ein neues Kampflugzeug: ECA und TKF-90 aus Deutschland oder ACA und EAP aus Großbritannien.1983 wurde schließlich von Großbritannien der "EAP“ – Demonstrator gebaut. Nach längeren Diskussionen und verschiedensten Bedarfsanforderungen und Vorstellungen einigten sich schließlich 1985 Deutschland, Großbritannien, Italien und Spanien für ein gemeinsames Projekt, das nun „European Fighter Aircraft“ (EFA) genannt wurde. 1992 bekam dieses Projekt seinen aktuellen Namen „Eurofighter 2000“ sollte das neue Kampfflugzeug von nun an heißen. Am 27. März 1994 schließlich ist es soweit: Der Prototyp DA 1 mit Pilot Peter Weger hebt in Manching zu seinem erfolgreichen Erstflug ab. Seit 2003 läuft die Auslieferung an die Luftwaffen, die ca. 10 Jahre dauern wird. Das Herstellerkonsortium, bestehend aus EADS, BAE SYSTEMS und Alenia Aeronautica, wird in dieser Zeit ca. 130.000 Mitarbeiter beschäftigen. Am 30. April 2004 gegen 11:30 rollte der erste EF Doppelsitzer in Laage beim JG-73 aus, womit der erste Eurofighter an Luftwaffe übergeben wurde.  

 

Der Eurofighter war und ist bis heute ein Gegenstand vieler Diskussionen, Erörterungen und Fehlinformationen der gesamten Medienlandschaft. Das tatsächliche Bild seines Entwicklungsstandes, seines Leistungsvermögens und seiner möglichen Fähigkeiten wird bis heute von den Medien erheblich, teilweise bis zu absoluten Falschdarstellung, verzerrt. Bei diesem Thema begeben sich selbst renommierte und angesehene Nachrichtenmagazine auf das Niveau der Regenbogenpresse aus der untersten Schublade. Angesichts leerer Kassen, und hoher Kosten auf der einen Seite, dringender Bedarf sowie der Wunsch und die Notwendigkeit nach Unabhängigkeit von der US-Militärindustrie auf der anderen Seite,  muss der Eurofighter in den folgenden Jahren sein Potential beweisen – und die Betreiber wie z.b. die Luftwaffe nach einer neuen Art der Öffentlichkeitsarbeit suchen. Ich möchte an dieser Stelle der Luftwaffe viel Glück und Erfolg beim Betrieb ihres langerwarteten neuen Jägers wünschen.

Der neue Bausatz von Revell für den EF- Doppelsitzer aus dem Jahr 2004 kann ausgesprochen gut bewertet werden. Selbst der nicht so erfahrenen Modellbauer wird mit diesem Bausatz und seinen passgenauen, sauber abgegossenen und fein negativ gravierten Teilen ein ansehnliches Modell auf die Beine bringen. Lobenswert, wie immer bei Revell, ist die Beigabe von umfangreichen Außenlasten. In diesem Falle handelt sich um sehr gute Nachbildungen von  2 AIM-9L/M, 4 AIM-120B, 4 Meteor-Flugkörpern sowie 2 Zusatztanks. Der übersichtliche, aber verbesserungswürdige Decalbogen erlaubt die Darstellung von deutschen, spanischen und britischen Exemplaren.

 

Insgesamt gestaltet sich der Zusammenbau dieses Modells relativ einfach – so das ich nur auf bestimmte Schwerpunkte kleinere Hürden und spezifische Änderungen eingehen werde.
Einziger Knackpunkt im Cockpitbereich sind die zwar sehr gut dargestellten, aber zu breiten Martin Baker MK.16 Schleudersitze. Hier müssen im unteren Bereich einfach die Seitenteile abgeschliffen werden, um die Sitze in die Cockpitwanne einsetzen zu können. Mit etwas Draht und Klebeband für die Gurte lassen sich diese Sitze noch erheblich aufwerten.

 

Vor der Rumpfmontage sollte man die Rumpf – und Lufteinlaufteile trocken zusammensetzen, um sich eine genaue Vorgehensweise beim Verkleben sowie der Innenseiten des Lufteinlaufes zurechtzulegen. Der Lufteinlauf wartet an mehreren Stellen mit teilweise doch recht komplizierten Spachtel- und Schleifarbeiten auf. Vor allem eher ungeübte Modellbauer sollten hier lieber einige Kompromisse eingehen. Die Nachbrennerdüsen sowie die Schubrohre habe ich vollkommen abweichend von der Bauanleitung montiert, um die Düsen später separat lackieren zu können.

Die Tragflächenteile passen hervorragend, ebenso der Rumpfrücken und die Klarsichteile der Kanzel und auch das Radom. Das Radom kann so völlig problemlos separat lackiert und zum Schluss montiert werden -  das Radom ist auch ein sehr guter Platz für den Bugballast. Etwas ärgerlicher sind die schlechten Tragflächen/Rumpfübergänge. Die Klebenähte stellen hier auch noch markante Blechstöße dar. Ich habe in diesem Bereich deshalb alles zugespachtelt und neu graviert. Auf Grund der Teilung der Tragflächen in ein Unter- und zwei Oberteile sowie der passenden Gravierung der Vorflügel, habe ich mich entschieden diese ausgefahren darzustellen. Hierzu wurden zunächst die Vorflügel ausgetrennt und an den Unterseiten dünner geschliffen. Nach der Montage aller Tragflächenteile wurden nun die Auflageflächen der Vorflügel mit ganz normalen Revell - Spachtel (der ist dafür vollkommen ausreichend und bestens geeignet) neu aufgebaut. Die lackierten Vorflügel wurden nach der Modelllackierung angeklebt und mit Auslenkmechanismen nach entsprechenden Vorbildfotos aus Draht und Plastik an der Unterseite versehen Die Fahrwerksbeine erhielten noch einige Hydraulikleitungen aus Draht, die Räder wurden mittels Feile etwas abgeflacht.
Die deutschen Eurofighter sind komplett in FS 35237 lackiert. Die Fahrwerksschächte und Fahrwerke sind weis, Radom sowie Seitenleitwerksspitze, Vorderkanten der Vorflügel und Canards sowie die Vorderkanten des Lufteinlaufes sind in FS 36314 gehalten. Diese Farbtöne sind im Angebot der verschiedensten Hersteller, ich jedoch hatte lediglich die entsprechenden Farben (laut Vergleichstabellen) von Humbrol  (145 und 167) zur Verfügung. Vor allem Humbrol 145 für den Rumpf entspricht meiner Meinung nach nicht dem Eurofighter – Farbkleid. So lackierte ich den Rumpf in einem eigenhändig zusammengemischten mittleren Grau, das schließlich mit Russian Underside Blue von ModelMaster leicht überlackiert wurde. Mit diesem Ergebnis bin ich ganz zufrieden. Der Nachbrennerbereich wurde abgeklebt und mit Alclad Aluminium und Dark Aluminium lackiert. Hier muss an der Unterseite aufgepasst werden – Revell unterschlägt in der Anleitung hier eine Alufarbene Fläche. 

 

Die Nachbrennerdüsen wurden mit Jetexhaust von Alclad lackiert, nachdem die tieferliegenden Flächen schwarz grundiert wurden. Die Kabinenhaube weist fertigungsbedingt einen feinen Grat auf der Oberseite auf, diesen habe ich abgeschliffen. Die Haube wurde innen Mattschwarz lackiert und später mit 5 geätzten Spiegeln (3 vorn, 2 hinten) sowie 2 Griffen versehen. Um sie im geöffneten Zustand am Rumpf zu montieren, habe ich die entsprechenden zwei abgewinkelten Haltearme aus etwas Plastik zurechtgeschnitten und entsprechend am Rumpf montiert. Die Montage der gut gemachten Fahrwerke und schön gestalteten Fahrwerksklappen bringt keine Besonderheiten mit sich.

Der Decalbogen wird der Gesamtqualität des Bausatzes leider nicht gerecht: teilweise verdruckt und einfach zu kräftig in der Farbgebung präsentieren sich die Markierungen und Stencils. Für die Luftwaffe wären korrekt gedruckte Ziffernblöcke doch naheliegend, schade das dies nicht umgesetzt wurde. Mir halfen letztendlich die von Modellbaufreund Jürgen „Viking“ Busse gedruckten Zahlen weiter, um meine „Wunsch“ – 30+10 darstellen zu können.

 

Dank der freundlichen Unterstützung mit tollen Fotos eines fleißigen Spotters (Dank an Olaf Krohn) wurde mir noch rechtzeitig ein neues Detail der Eurofighter aus Laage bekannt: Hinter der Kennung befindet sich nun auch noch ein zusätzliches, kräftiges Eisernes Kreuz.

 

Zur Alterung gibt es genauso viel zu sagen wie zum aktuellen Alter der Eurofighter in Laage:  Die Efs sind noch nicht lange im Einsatz und weisen dementsprechend kaum Abnutzungen auf. Auf entsprechend guten Fotos sind lediglich feine Schmutzspuren an einigen Paneelstößen und Klappen erkennbar. Diese stellte ich mittels Pinsel und etwas bräunlicher Wasserfarbe dar. Regelrecht charakteristisch ist eine Abgasfahne von der Abluftöffnung  an der linken Rumpfseite – hier macht sich der Einsatz von etwas Pastellkreide sehr gut. Die Gravuren habe ich nicht betont – die Blechstöße der noch recht neuen Originale sind ersten kaum verschmutzt, und zweitens aufgrund bester Verarbeitung kaum wahrnehmbar. Ich habe lediglich die Gravuren der vier großen Rumpfdeckel leicht betont und einige Tragflächengravuren ganz leicht hervorgehoben. Die Gravuren der Trennlinien der Steuerflächen habe ich per Nachgravieren vertieft und mit schwarzer Wasserfarbe zusätzlich hervorgehoben. Auf entsprechenden Aufnahmen erkennt man gut die Verschlüsse an einigen Paneelen am Rumpf und auf den Flächen, diese habe ich einfach mit einem Bleistift dargestellt – eine Methode, die ein sehr realistisches Ergebnis liefert.

 

Das fertige Modell mit seinen korrekten Abmessungen und der sehr gut getroffenen Form gibt das dynamische Bild des Eurofighter sehr gut wieder – Revell hat mit dem Bausatz sehr gute Arbeit geliefert. Einzige wirkliche Kritikpunkte gibt es für den mangelhaften Decalbogen sowie fehlende Originalfarbangaben in der Anleitung.