Northrop BT-1(Valom)

1934 forderte das amerikanische Marinebüro ein neues trägergestütztes Bombenflugzeug mit Sturzflugeigenschaften. John Northrop, der gerade die Douglas Werke verlassen hatte, aber noch in Verbindung mit den Douglas-Werken stand entwickelte daraufhin die BT-1. Ed Heinemann hatte auch hier schon einen großen Anteil an der Konstruktion. Am 14. April 1936 (nach anderen Angaben im August 1935) startete der Prototyp XBT-1 zu seinem Erstflug. Es war ein einmotoriger Tiefdecker mit halb einziehbarem Fahrwerk und zwei Mann Besatzung. Ein auffälliges Merkmal waren die großen Landeklappen und Sturzflugbremsen – diese sollten alle kommenden entsprechenden Entwicklungen der US Marine kennzeichnen. 
Das Flugzeug war anfangs mit einem P&W XR-1535-66 Twin Wasp Junior Sternmotor ausgerüstet, in der weiteren Entwicklung folgte der P&W XR-1535-94. Der Produktionsauftrag umfaßte 54 Serienexemplare mit denen die VB-5 und VB-6 der USS Yorktown und er USS Enterprise ausgerüstet wurden. Die BT-1 war fliegerisch kein einfaches Flugzeug und sorgte so auch für einige Unfälle. Im Zusammenhang mit den insgesamt nicht ausreichenden Leistungen forderte die Marine eine Weiterentwicklung, woraufhin die BT-1 zur XBT-2 mit dem Wright XR 1820-32 Cyclone entwickelt wurde. Weitere Änderungen betrafen die Zelle sowie weitere Einzelheiten. Da Northrop nun endgültig Douglas verlies, übernahm Douglas die volle Verantwortung für diesen Typ, welcher nun letztlich zur berühmten SBD „Dauntless“ entwickelt wurde.

 

Den weniger bekannten Flugzeugtypen nehmen sich immer wieder gerne die tschechischen Bausatzhersteller an. Valom brachte einen Multimedia-Bausatz der BT-1 heraus, welcher für Abwechslung im Regal sorgt. Ein Gussast mit sauber abgespritzten Plastikteilen, eine Platine für die Flächenklappen, eine weitere für Cockpitdetails sowie das Leitwerk der Bombe, Resinteile für den Motor, weitere Cockpitteile sowie dem Bombenkörper sowie je eine gegossene und tiefgezogene Klarsichthaube sind der Inhalt. Auf den ersten Blick sehen alle Teile nach einem schnellem Bastelprojekt aus, die sauber gedruckten Decals und die zwei möglichen Markierungsvarianten für knallig bunte „Yellow Wings“ motivieren extra zum Zusammenbau.
So habe ich dann auch nicht lange überlegt und mit dem Bau begonnen. Die Quellenlage zum Original ist schlecht – warum also nicht einfach mal ein Modellchen direkt aus dem Kasten ? – genug Teile zur ausreichenden Detaillierung sind ja vorhanden. Das geht dann gleich beim Cockpit los : Im Wesentlichen werden hier die meisten Teile auf eine Resingrundplatte montiert. Die genaue Lage und Position der einzelnen Teile ist aus der Bauanleitung nicht zu ermitteln. Hier muß man sich einfach durch Vergleiche mit den spärlichen Vorbildfotos helfen. Ich habe hier vor allem verglichen, in welcher Position zu den Kanzelstreben der Pilotensitz und die sich dahinter liegende Panzerplatte befindet. Die Cockpitteile selbst sind sehr gut dargestellt, vor allem das Instrumentenbrett , Pilotensitz und der Stand des Bordschützen. Eine weitere Frage die es zu lösen galt, betraf die Positionierung der hinteren Notinstrumentierung. Hier habe ich mich einfach an das Nachfolgemodell, der Dauntless, gehalten. Dem Bausatz liegen zwei Hauben bei : eine gut gemachte einteilige Spritzgußhaube sowie eine sehr schöne einteilige Vakuhaube. Da beide Hauben gut an den Rumpf passen, plante ich das zerschneiden der Vakuhaube in seine fünf Teile, um das Cockpit geöffnet darzustellen. Sollte dabei etwas schief gehen, würde mir immer noch die geschlossene Variante mit der Spritzgußhaube bleiben. 

Nun, das Zerschneiden in die fünf Einzelteile ging problemlos – womit aber die nächste Frage aufgeworfen war : Wohin eigentlich mit dem Abwehr -MG ? – In die Halterung des Drehstandes , klar doch. Nur ergibt das so keinen Sinn, da sich so alleine die hintere Haube nie schließen lassen würde. Die mir erreichbaren Vorbildfotos konnten diese Frage nicht beantworten. Bei der Suche im Internet aber fand ich das 48er Modell der BT-1 von Bernhard Schrock. Diese Fotos zeigten nun das, was eigentlich auch in die Bauanleitung von Valom gehört hätte : Im Rumpfrücken direkt hinter dem Cockpit befindet sich ein Schacht, in dem das MG bei Nichtverwendung versenkt wurde. Bausatz und Anleitung gehen darauf überhaupt nicht ein – also nix mit „OOB“, sondern mit Säge, Plastiksheet und etwas Tapestreifen diesen Schacht selbst dargestellt. Das MG selbst entstand im Eigenbau aus mehren Teilen. Verwendet habe ich hier Plastiksheet, Ätzteilreste, einen Resinlauf von Quickboost sowie etwas Draht. Da mir das erste Exemplar noch nicht so gut gefallen hatte, baute ich etwas später ein besser gelungenes, zweites Exemplar. Vor der Flächenmontage habe ich am Rumpf nun noch die beiden festen Haubenteile geklebt. Die drei beweglichen Teile wurden separat lackiert und wurden erst ganz zum Schluß nur auf- und eingeschoben. 

  

Das Zusammenkleben der Rumpfhälften bringt etwas Spachtelarbeiten nach sich, welche aber schnell erledigt sind. Ebenso separat wurden der Sternmotor und die Motorverkleidung behandelt.
Die Tragflächen erfordern etwas Nacharbeit. Hier müssen die Hinterkanten ausgedünnt werden sowie Klappen eingepast werden. Für die Positionsleuchten an den Randbögen wurde jeweils eine kleine Aussparung ausgefeilt, welche nach Abschluss aller Lackierarbeiten mit der entsprechenden Clearfarbe nach und nach soweit aufgefüllt wurde, bis eine sich nach außen wölbende kleine Posilampe entstand. Eine hinzugefügte Gravur vervollständigt dieses Detail. Spachtelarbeiten an den Tragflächen sind nach deren Montage ebenfalls nötig, hier liegt der Schwerpunkt vor allem am Rumpf-Flächenübergang sowie an den Nasenkanten. Nun können auch die beiden angesetzten beulenförmigen Fahrwerksschächte an die Flächenunterseiten montiert werden. Hier fallen auch etwas Anpassungs- und Spachtelarbeiten an. Die beiden Außenlastträger der Flächen entstanden aus Plastiksheet. 
Die drei unteren Flächenklappen, Fahrwerke, Luftschraube sowie Luftschraube und die Bombe wurden separat bearbeitet und lackiert. Der Bombenauslenkmechanismus sowie der Fanghaken entstanden aus Kupferdraht neu, da die vorhandenen Bausatzteile nicht verwendbar sind.

 

Für die Lackierung habe ich zunächst die wenigen Vorbildfotos studiert. Hier fällt auf, das die am Rumpf befindlichen Nietenreihen wohl verspachtelt wurden. Sie zeichnen sich relativ deutlich als Gitterlinien ab. Dieses Detail wollte ich darstellen, wozu der Rumpf und Flächenansatz zunächst mit Alclad Dark Aluminium lackiert wurde. Nun wurden diese Nietenreihen mit dünnen Tapestreifen abgeklebt – eine recht knifflige Arbeit. Nun erfolgte ein leichtes Überlackieren mit Alclad Airframe Aluminium. Dieser Aluminiumton kommt dem Alclad Chrom recht nahe. Somit entstand ein deutlicher Kontrast zwischen den Nietenreihen und der eigentlichen Alu-Lackierung. Nun konnten Rumpfband, Heck und Oberseiten der Flächen maskiert und in den entsprechenden Farben lackiert werden. Danach erfolgte das maskieren und lackieren der Walkaways und der beiden Streifen auf den Flächen. Nun konnte das Auftragen der Decals erfolgen. Hier hat man an diesem Modell recht wenig Arbeit. Die Decals müssen vorsichtig behandelt werden, da sie recht schnell reisen können. Dafür aber sind diese Decals schön dünn und legen sich von Haus aus schon schön in die Gravuren. Der abschließende Klarlacküberzug erfolgte mit Humbrol Seidenmatt. Hiermit wurden auch die Aluflächen behandelt, da das Vorbild nicht in Naturaluminium, sondern mit einem Aluschutzlack behandelt wurde. Dadurch wurde nebenbei der noch etwas zu starke Kontrast zwischen Nietenreihen und Alulackierung gedämpft. 

Nun konnte die Endmontage erfolgen. Ich habe zuerst Motor und Motorverkleidung angeklebt. Ganz genau paßt die Motorverkleidung nicht an den Rumpf, aber man kann auch ohne Änderungen so damit leben. Nun konnten die Fahrwerke montiert werden. Die Aufnahmelöcher der Fahrwerksbeine wurden im Voraus bereits dafür etwas aufgebohrt. Die Streben der Fahrwerksbeine und für die Fahrwerksklappen entstanden aus etwas Stahldraht. Nun folgten die Bombe mit ihrem Auslenkmechanismus sowie die Unteren Flächenklappen. Das Staurohr am rechten Tragflügel entstand aus einem in der Proxon gedrehten und anschließend gebogenen Kupferrohr. In das Cockpit konnten nun der hintere Drehsitz und das MG montiert werden. Die drei Schiebehauben wurden eingeschoben, wobei das vordere und somit außen aufgeschobene Teil mit etwas Klarlack fixiert wurde. Die letzte Arbeit betraf die Antenneverdrahtung, welche wie immer bei mir mit den bewährten Fäden aus gezogenen Wattestäbchen erfolgte.

Das farbenfrohe fertige Modell setzt einen Akzent in der Sammlung und bereichert diese durch einen wenig bekannten, dafür aber historisch nicht unwichtigen Typ. Die BT-1 gehört schließlich zum „Urgestein“ und ist ein Ausgangspunkt der berühmten amerikanischen trägergestützten Kampflugzeuge des zweiten Weltkriegs. Dafür muß man natürlich etwas „ackern“, der Bausatz verlangt einfach Eigeninitiative. Auch wenn der erste Blick in den Karton es so nicht vermuten läßt : Etwas Modellbauerische Erfahrung braucht es hier – denn auch dieser Bausatz von Valom verdient nach wie vor das Prädikat „Short Run“. Dafür aber erlebt man hier das Hobby Plastikmodellbau in seiner ursprünglichen Form.