Dassault/Breguet/Dornier Alpha Jet (Fujimi)

Der Alpha Jet wurde als leichtes Waffensystem für Ausbildung und Luftnahunterstützung in Kooperation von Frankreich (Dassault/Breguet) und Deutschland (Dornier) entworfen. Grundlage waren gemeinsame Überlegungen der beiden Länder für ein leichtes Kampfflugzeug, das einerseits als Trainer für die Pilotenausbildung unter europäischen Verhältnissen dienen sollte und andererseits aber auch als echtes leichtes taktisches Erdkampfflugzeug einsetzbar sein sollte. Mit dem Alpha Jet sollte in Deutschland die Fiat G.91 ersetzt werden. Der erste Prototyp machte 26. Oktober 1973 seinen erfolgreichen Erstflug, weitere 3 Prototypen folgten bis 1975 schließlich die Serienfertigung freigegeben wurde. Die französische Variante war der Alpha Jet E während die deutsche Variante der Alpha Jet A darstellte. Weitere Versionen war der für Belgien bestimmte Alpha Jet B sowie die französische Exportvariante MS2.
Der Alpha Jet A der deutschen Luftwaffe war ein relativ billiges, aber modernes und wendiges kleines Flugzeug, das relativ viel Abwurflasten mitführen konnte und vielseitig einsetzbar war. Weiterhin war der Alpha Jet robust und wartungsfreundlich bei relativ geringen Betriebskosten. Die Bewaffnung bestand aus einem Unterrumpfcontainer mit einer 27mm-Kanone BK 27 von Mauser, sowie verschieden Abwurflasten wie Bomben und ungelenkten Raketen.
1978 wurde der erste von 175 Alpha Jet von der Luftwaffe übernommen. 1991 kamen die Alphajets der Luftwaffe in die Schlagzeilen: 18 Flugzeuge wurden im Rahmen der NATO in die Türkei verlegt.
Ansonsten haben die Alphajets der Luftwaffe ihren Dienst eher unspektakulär, aber zuverlässig versehen. Von den Kollegen aus den Tornado- und Phantomgeschwadern wurde das kleine Kampfflugzeug gern scherzhaft als "Luftmoped"" bezeichnet.
Mit dem Zusammenbruch des Wahrschauer Paktes änderten sich vieles, und so musst nun auch der Alpha Jet bei der Luftwaffe seinen Abschied nehmen. 50 Exemplare wurden an Portugal verschenkt, 25 wurden an Thailand verkauft, 4 gingen an das Red-Bull Flugteam, einer nach Frankreich – und ganz interessant: 12 Exemplare wurden an die RAF verkauft welche sich seinerzeit statt für den Alpha Jet für das Konkurrenzmuster Bae „Hawk“ entschieden hatte. Weitere Exemplare wurden von Dornier aufgekauft und einige andere sind heute in Museen und auf verschiedenen Flugplätzen abgestellt.

 

Bausätze des Alpha Jet in 1/72gibt es von Fujimi sowie von Heller. Revell hat den Heller-Bausatz ebenfalls aufgelegt. Das Modell von Heller ist typisch für diesen Hersteller mit erhabenen Gravuren und relativ einfachen Details. Das Fujimi - Modell weist feine versenkte Gravuren auf und macht auch sonst einen guten Eindruck – bis auf die grobe Klarsichtkanzel. Von Matchbox gab es ebenfalls ein 72er Modell, welches mir aber leider nicht weiter bekannt ist. Ich habe mich für den Bau des Fujimi-Modells entschieden, da mir so die zeitraubenden Gravierarbeiten erspart blieben.
Anstelle eines mehr oder weniger eingehenden Bauberichtes möchte ich hier mal vielmehr auf den Bausatz im Bezug zum Original eingehen. Ich finde, eine solche Darstellung kann durchaus aufschlussreich sein. Als Referenz diente mir das Alpha Jet – Buch aus der F-40 Reihe sowie zwei ältere Ausgaben des „Modell-Fan“ ( Heft 5 und 9 von 1986).Hier finden sich neben vielen Fotos auch Risszeichnungen und Hinweise zu den Stencils. Am Bug hat Fujimi die Gravuren einfach an beiden Seiten gleich ausgeführt. Das aber ist so nicht richtig, an der rechten Seite befindet sich eine Wartungsklappe die es auf der linken Seite nicht gibt. Während alle Teile fein negativ graviert sind, erstaunen die Höhenleitwerke mit erhabenen Paneellinien. Das Cockpit ist sehr einfach ausgeführt und eher rudimentär. Die Schleudersitze sind absolut unbrauchbar – auch für die französische Version mit MB-Sitzen. Die deutschen Alphajets hatten Schleudersitze vom Typ Stencel S III S. Diesen gibt es so nicht auf dem Zubehörmarkt, wohl aber den Artverwandten SGU-7 von Neomega. Die Fahrwerke gehen ganz gut in Ordnung. Nicht über das nach rechts versetzte Bugfahrwerk wundern: Genauso ist es am Original. Die Befestigungsposition des Fanghakens wird von Fujimi falsch angegeben: dieser sitzt am Original im hinteren Ende des Kanonenbehälters.

Der genannten Literatur liegen Risszeichnungen bei. Dazu mal ein paar Erfahrungen von mir dazu: Solche Risszeichnungen wollen hinterfragt sein! Als erstes sollte man die Grundmaße des Modells mit denen des Originals vergleichen. Am Beispiel dieses Modells ergeben sich dabei folgende Differenzen: In der Spannweite fehlen 2,5mm, in der Höhe 4,0mm und in der Länge (ohne Staurohr) 3,75mm. Im Vergleich zu den Risszeichnungen ergeben sich da teilweise einige Unterschiede – vor allem in der Spannweite. Die wäre nach den Rissen gleich mal ca. 10mm zu klein. Woher kommen solche Unterschiede? Nun, oft wird bei Risszeichnungen die Projektionsproblematik nicht beachtet, sondern einfach geometrische Werte verarbeitet. So hat eine Tragfläche am Original etwa eine bestimmte Länge. Diese wird nun korrekt im Riss umgesetzt. Nur : Tragflächen etwa haben immer eine Neigung, negativ oder positiv. Bei einer Draufsicht von oben also muss ihre Länge entsprechend kleiner sein. Wird dies nicht beachtet ( und das ist oft so), hat das Flugzeug im Riss eine zu große Spannweite – trotz Annahme richtiger geometrischer Maße. Dies nur mal als Beispiel – Risszeichnungen können noch aus vielen anderen Gründen solche und andere Fehler haben.

Der Fehler in der Spannweite ist für mich persönlich nicht gravierend. Die zu geringe Höhe zieht eine falsche Geometrie des Seitenleitwerkes nach sich, die sich nur durch kompletten Neubau lösen lässt Wo Fujimi die fehlenden knapp 4mm in der Länge „verschusselt“ hat, konnte ich nicht herausfinden. Weitere Geometrie- und Formfehler finden sich an den Höhenleitwerken und den Lufteinläufen. Nun, einige werden das wieder „Nietenzählerei“ nennen. Jeder hat nun mal seine Ansprüche, und wie gesagt stellen 2mm in der Spannweite kein Problem für mich dar. Fast 4mm in der Länge und 4mm in der Höhe ergeben bei einen solchen kleinen 72er Modell aber doch ein schon etwas anderes Aussehen.
Dennoch stellen diese Mängel für mich keinen Grund dar, das Modell nicht zu bauen – zumal der schwerste und viel einfacher erkennbarer Mangel ganz woanders liegt: in der Gestaltung der Haube. Hier haben sich Heller und Fujimi offenbar einen Wettkampf geliefert, wer den dicksten Haubenrahmen abliefert Hinzu kommen zu dicke Kanzelstreben und eine total falsche Form des Querschnitts. Die Haube des Alphajets ist im Original einfach schön ausgerundet und nicht „eiereckig“ wie in den Bausätzen von Heller und Fujimi. Das Ergebnis sind Hauben, die kaum einen Einblick in das relativ große Cockpit gestatten. Auffallend an den Bausätzen ist auch das Extrateil für die Rumpfunterseite. Dieses Teil ist ganz einfach Formentechnisch bedingt, um die entsprechende Einschnürung zwischen den beiden Lufteinlaufhälften darzustellen. Für den spitzen (deutschen) Bugkonus liegt in den Bausätzen ein separates Teil bei, welches sehr einfach dargestellt wird und einige Spachtelarbeiten nach sich zieht.

Am Original finden sich bei den deutschen Alphajets 2 verschiedene Konfigurationen der Antennenausrüstung. Der Unterschied dabei besteht in der Ausrüstung mit den Konusantennen 86S ( Rumpfrücken) und 89S (Unterrumpf) sowie der Hornantenne 87S am Seitenleitwerk. Diese genannten Antennen sind nicht an allen Alphajets zu finden – hier kommt es einfach auf das explizite Vorbild an, welches man darstellen möchte. Dazu sei noch gesagt, das der hintere Sitz durch ein ECM-Geräteträger ausgetauscht werden konnte.
Weitere sichtbare Details bestehen im fehlenden Lufteinlauf am Kanonenbehälter, der zwei kleinen Antennen auf und unter dem Rumpfbug sowie der zwei Messgeber rechts und links am Rumpfbug. Weiterhin fällt das zu kleine Gehäuse an der linken Seitenleitwerksseite, die fehlenden Hilfslufteinläufe auf der Triebwerksverkleidung und auf der rechten Seite des Rumpfrückens auf.
Nach einigen Studiums des Vorbildmaterials und dem Vorliegen des Deaclbogens von HaHen entschied ich mich zur Darstellung der 41+12 des JaboG 43.

Der Zusammenbau wurde nun entsprechend der Vorüberlegungen durchgeführt und ich möchte hier nur noch auf die wichtigsten Punkte eingehen.
Das Cockpit erhielt Instrumente in Form der Decals vom HaHen-Bogen. Die zu kurzen Instrumententafelabdeckungen wurden mittels Plastiksheet verlängert. Die SGU-7 Sitze von Neomega wurden mit etwas Draht und Klebeband verfeinert. Im Bugraum wurde vorm zusammenkleben ausreichend Ballast eingebracht. Die Teile von Fujimi glänzen nicht gerade mit Passgenauigkeit, vor allem das Rumpfunterteil verlangt nach Spachtel- und Schleifarbeiten. Der halbe Bugbereich samt Bugkonusteil wurde mittels Plastikspachtel komplett neu in Form gebracht. Die Haube wurde außen abgeschliffen, um die Stärke des Rahmens zu verringern. Die Gravuren für die beweglichen Hauben wurden neu erstellt. Im nachhinein stellte ich fest, das ich diesen Rahmen komplett hätte abschleifen und das hintere Haubenteil korrekt darstellen sollen. Die Haube wurde schließlich verklebt und übergangslos eingespachtelt. Nun erhielt der Kanonenbehälter besagten Lufteinlauf und wurde am Rumpf montiert. Hier erhielt er am hinteren Ende eine Öffnung für das korrekte Anbringen des Fanghakens. Das Seitenleitwerk erhielt entsprechend dem Vorbild die Antenne 87S aus etwas Plastiksheet sowie ein vergrößertes Gehäuseteil. 
Nun wurde die Kanzel maskiert. Die Flächen und die Fahrwerke habe ich, um vor allem die Rumpfseiten besser lackieren zu können, separat lackiert. Bei den Fahrwerken sollte sich das jeder selbst überlegen: Die Bauanleitung gibt die Montage der Hauptfahrwerksbeine vor dem der Rumpfmontage an – nicht ohne Grund. Ich jedenfalls habe einige Nerven gebraucht, um die Fahrwerke später durch die Rumpföffnungen einzufädeln und korrekt anzukleben.

Die Bemalung ist auch wieder so ein Thema. Grundlage allen Handelns ist hier das Tarnmuster nach Schema Norm 72. Die Farben dazu sind RAL 7001 für die Unterseite sowie RAL 6014 und RAL 7012 für die Tarnung der Oberseite. Das Ganze gibt es dann von ModelMaster, Revell, Humbrol, Xtracolor und, und... – ich jedenfalls hatte einige Farbtöne von Revell, Humbrol und Xtracolor zur Hand. Dazu die Fotos aus dem F-40 Buch und einige mehr. Man kann jetzt viel dazu schreiben, ich mache es kurz und verweise mal einfach auf Seite 167 der F-40 Buches zum Alphajet. Was sieht man da? – einen Alphajet in Norm 72 vor einem britischen Jaguar in BS-Farben. Da die beiden Flugzeuge nichts davon wissen, das ihre Hersteller verschiedene Farbsysteme benutzen, tragen sie einfach die selben Farbtöne! Es gibt ganz einfach mehr Farbangaben und noch mehr Modellbaufarben als es eigentlich Farben am Original gibt. Dazu sei noch gesagt, das, wie auf Fotos gut zu sehen, auch die Farben an Alphajets mit der Zeit ausbleichen. Man kann also ganz beruhigt ein Alphajet-Modell mit Norm 72 – Tarnung auch mit BS-Farbtönen von Xtracolor (X15, X4 und X1) lackieren.
Die Decals steuerte HaHen bei. Diese Decals sind sehr schön und sauber gedruckt, bedürfen aber etwas Erfahrung und einen speziellen Umgang. Bei sachgemäßen Umgang aber hat man damit kaum Probleme und erzielt ein gutes Ergebnis. Schade nur, das die Anleitung sich sehr über die Position der „Nicht betreten“ – Hinweise ausschweigt – vielleicht, da sie ob ihrer falschen Größe eh unbrauchbar sind? Entsprechenden korrekten Ersatz druckte mir schließlich Modellbaufreund Jürgen „Viking“ Busse, die Position bestimmte ich nach Fotos.

Als erstes bei der Endmontage sind in diesem Falle erst mal die Tragflächen dran. Die hatte ich ja noch gar nicht montiert. Diese wurden nun also angeklebt, ein wenig verschliffen und die betreffenden Bereiche ganz einfach nochmals lackiert. Das stellte auch keinerlei Problem dar – so unorthodox dies auch bei solch kleinen Modell sein mag. Nun erfolgte die Montage der Fahrwerke – es ist wohl doch besser, die Hauptfahrwerke vor dem Verkleben der Rumpfhälften zu montieren. Nun wurden diverse Teile wie Antennen, Staurohr aus Kanüle, Triebwerksdüsen und Messgeber montiert.
Kein hundertprozentig stimmiges, aber doch ein ganz ordentliches 72er Abbild eines deutschen Alphajets präsentiert sich nach überlegtem Zusammenbau des Fujimi-Modells. Um ein solches Modell zu erhalten, sind doch einige Hürden zu nehmen – und es könnten noch einige Mängel beseitigt werden. Vielleicht ein Anstoß für Revell, hier mal was Neues nachzulegen?