Ausblick

In der letzten Jahren haben viele Hersteller neue Kits in immer besserer Qualität und Detaillierung herausgebracht und der Trend zum Austausch untereinander nimmt immer weiter zu. So haben Hersteller wie HASEGAWA und REVELL in letzter Zeit eine Reihe hochqualitativer Bausätze auf den Markt gebracht und arbeiten auf der anderen Seite verstärkt zusammen. Eine weitere Trendrichtung um noch bessere Kits im Angebot zu haben ist die Zusammenarbeit der Bausatzhersteller mit den Zubehörlieferanten. Hier dürften vor allem die neuen Firmen aus dem Osten wie MPM oder BILEK die Vorreiter gewesen sein : bei vielen Bausätzen lieferten diese Hersteller Ätz- und /oder Resinteile sowie Decalbögen mit. Solche Kits mit die nicht nur die normalen Polysterolteile enthalten sondern auch zusätzliche Teile wie Resin, Metallätzteile oder Weismetallkomponenten nennt man auch "Multimediakits". Bei den Ätz- und Resinteilen stösst man dabei oft auf den Hersteller EDUARD. Diese Firma hat in den letzten Jahren ein Vielzahl an sogenannten "Update - Sets" herausgebracht und sich damit weltweit einen Namen gemacht. Aber auch komplette Bausätze bietet dieser Hersteller an. Beachtlich in letzter Zeit ist das Angebot der Firma ACADEMY in letzter Zeit gewurden, dieser Hersteller dürfte zur Zeit dabei sein sich einen ähnlichen Namen wie HASEGAWA zu machen.

 

Die F-86 von ACADEMY, 2000 - sehr zu empfehlen

 

Zu den Neueinsteigern der letzten Zeit gehören KAGNAM und ZHENGDEFU - beide Hersteller sind aber dem Billigsektor zuzurechnen. So sind die Bausätze von ZHENGDEFU aus China lediglich grausige Kopien anderer Hersteller. TAMIYA hat sich - obwohl eher ein RC - Hersteller - seinen sehr guten Namen als Plastikmodellbauhersteller erhalten können. Das kleine aber feine Angebot dieser Firma in diesem Bereich wird Jahr für Jahr um neue Spitzenprodukte erweitert. Ein Modellbauer der heutzutage mit einem Modell auf die "Ränge" will muss das Original schon ganz schön genau studieren um dieses mit allen möglichen Teilen aus dem Zubehörsektor und Teilen aus Eigenherstellung bis in das letzte Detaill wiederzugeben - ein Modell das pur aus dem Kit gebaut ist hat heute kaum noch Wettbewerbschancen. Hier muss allerdings wiederum bemerkt werden das es dabei auch oft übertrieben wird und teilweise Detaills wiedergegeben werden die im entsprechenden Masstab eigentlich gar nicht mehr sichtbar sein dürfen oder aber bestimmte Teile mit anderen zusammen in Funktion (ausgefahrene Klappen etc.) dargestellt werden was in Wirklichkeit aber mitunter unmöglich ist. Modellbau soll aber in erster Linie Spass machen und dabei eben auch noch Zeitgeschichte und die Entwicklung der Technik vermitteln. Es ist schon manchmal interressant wie gut doch manch einfaches, aber gut gebautes Modell neben einem "Noch teilweise auf Kit basierenden , mit allem möglichen Zubehör versehenen und gescratchten Supermodell" aussieht. Nichts gegen solche Modelle - sie sind Herausforderung und Kunstwerke - aber sie sollten nicht allein den Modellbau an sich präsentieren. Bis heute gehalten hat sich die Tatsache - und es wird weiter so bleiben - ist das mache Typen und Typenreihen von vielen Modellbauern und damit auch Herstellern überbewertet wird. Man braucht sich bloss die Kataloge anzusehen und auf entsprechende Ausstellungen und Messen zu gehen und sieht sofort was damit gemeint ist...( es ist zum Beispiel mal ganz interressant sich die Zahlen der damals tatsächlich gebauten P-VI"Tiger" Panzerreihe anzuschauen oder sich mal genau zu informieren ob die Me-109 Reihe wirklich das meistgebaute Muster des WW2 war). Ein weiterer, aber nicht so erfreulicher Trend ist die Überschwemmung des Marktes durch REVELL und ITALERI.Viele kleine, auf Modellbau spezialisierte Händler, werden durch das Massenangebot dieser Hersteller in den Regalen von Supermärkten und Kaufhäusern förmlich an den Rand gedrückt. Da diese Hersteller oft von den kleinen Händlern Mindestabnahmemengen und Vordergründige Präsentation ihrer Produkte verlangen, können diese sich kaum noch auf die sehr breite Angebotspalette anderer Hersteller konzentrieren. Dazu kommt das in den letzten Jahren sich vollkommen veränderte Konsumverhalten der jungen Käufer : immer weniger wollen Produkte in die man noch Geist, Fingerfertigkeit und Konzentration investieren muss (Selbst Hersteller wie LEGO müssen in den letzten Jahren mit Absatzschwierigkeiten kämpfen). Viel gefragter sind billige Fertigprodukte mit fraglichem materiellem und geistigen Wert gewurden. Den kleinen Händlern geht also zunehmend die frühere Hauptkundschaft aus : den 8 - 12jährigen Kind das mal eben ein Modell bauen möchte und darin vielleicht noch sein Hobby findet. Diese immer weniger werdenden Kunden gehen dann eher in das Kaufhaus oder den Supermarkt, wo man die Modellbausätze von REVELL und ITALERI oft noch billiger als beim Händler bekommt und lernen so die schöne und weite Welt des Plastikmodellbaus erst gar nicht kennen. So kommt es das in den letzten Jahren immer mehr kleine Modellbauläden aufgegeben haben da sie sich von der relativ kleinen Kundschaft der ernsthaften Plastikmodellbauer allein nicht über Wasser halten können. Die besten Chancen haben hier nur noch die Händler in den Ballungszentren da hier die entsprechende Kundschaft grösser ist. Damit wiederrum steigt die Bedeutung der Onlineversandhändler. Diese Art des Verkaufs gibt den nicht in Ballungszentren ansässigen Modellbauern die Möglichkeit sich mit "Ware" zu versorgen die diese sonst nur durch Aufwendige Besuche der dünn gesäten und weit entfernten guten Modellbauhändler mit grossem Angebot.

 

Arne Goethe, Juli 2001