Die 60er und 70er Jahre - Plastikmodellbau wird ernsthaft und erwachsen

In den 60er Jahren kamen dann auch die heute altbekannten Hersteller wie FUJIMI, und HASEGAWA. Diese Hersteller übernahmen zunächst Formen oder Kits anderer Hersteller, brachten dann aber mehr und mehr eigene Kits von immer besserer Qualität heraus. TAMIYA begann 1960 die Produktion von Plastikmodellbausätzen nachdem dieser Holzmodellhersteller bereits 1955 einen elektromotorgetriebenen Panzer auf den Markt gebracht hatte. TAMIYA spezialisierte sich bereits in den 60er Jahren auf RC-Modelle von hoher Qualität. TAMIYA nahm bereits damals eine Sonderstellung als Hersteller der auf hohe Detaillierung und Qualität Wert legt ein. Die Palette der angebotenen Modelle und Typen wurde allgemein breiter. Dennoch konzentrierte sich der Grosstteil der angebotenen Flugzeugmodelle - damals wie heute - vor allem auf Englische, Deutsche und Amerikanische Typen des 2. Weltkrieges.Dies war zu dieser Zeit auch noch relativ leicht erklärbar : viele Bastler waren in der Kriegszeit aufgewachsen oder aber eben selbst - sozusagen-mitbeteiligt..

Ein Grumman Wildcat-Kit von Frog, einem der klassischen Kithersteller der 50er und 60er Jahre. Man beachte die Verpackung.

AirfixKatalog von 1971

Als Material der ersten Plastikbausätze verwendete man zunächst das in den 40er und 50er Jahren viel verwendete Bakelit. Dieses Material wurde jedoch schnell von dem Hochmolekularen Polysterol abgelöst das bis heute das wichtigste und am meisten eingesetzte Material ist. Ein anderes, vor allem von den Kleinherstellern verwendetes und für die zahlreichen Um-, Zu-, und Updatekits eingesetztes Material, ist das Epoxydharz, auch Resin genannt. Mit diesem Material lassen sich vor allem komplizierte und hochdetaillierte Teile gut herstellen.

Dioramenbausätze von Airfix, 1971

Flugzeugkits von Airfix, 1971

 Aber auch damals moderne Kampfjets konnte man erstehen, die Palette aber war nicht so gross. Die Kits aus dieser Zeit waren relativ einfach gehalten. Es gab noch keine versenkten (negative) Gravuren, Fahrwerksschächte wurden meist nur angedeutet, die Inneneinrichtung der Cockpits war sehr spartanisch. Der Formenbau war damals einfach noch nicht so weit bessere Qualität zu liefern. Bereits damals aber tauschten die Hersteller untereinander die Formen aus oder kauften direkt Kits anderer Hersteller auf und verpackten diese nur neu. Ebenfalls schon damals am Markt waren östliche Hersteller wie SMER und KP aus der CSSR oder PLASTICART aus der DDR. Sehr bekannt wurden dabei vor allem die 1:72 Modelle der Firma KP (Kovozvody Prostejov) die ab 1970 produziert werden. Diese Modelle dürften qualitativ die Besten des Ostblocks gewesen sein.Seit 1974 produziert die Firma SMER. Hier hatte man sich zunächst auf den Masstab 1:48 spezialisiert und arbeitete zunächst mit Formen des italienischen Herstellers ARTIPLAST. In der ehemaligen DDR konzentrierte sich der Hersteller PLASTICART vor allem auf Flugzeugmodelle im Masstab 1:100.Angefangen hatte man hier bereits 1958 (noch als "VEB KUNSTSTOFFVERARBEITUNG ZSCHOPAU" ) mit der IL-14 in 1:87, der Aero-45 und der Mig-15 in 1:50 oder der bis 1989 (!!) noch erhältlichen An-2 in 1:75. Dann kamen die Modelle in 1:100 : Die Qualität war mittelmässig, die Modellpalette aber auch nach heutigen Gesichtspunkten interressant : neben Passagierflugzeugen wie IL-62 oder Tu-144 auch Kampfflugzeuge wie die Il-28 oder die Tu-20. Aus Polen wurde der Hersteller PLASTYK bekannt. Recht gut waren hier die 1:72 Modelle der Jak-1M und der RWD-14 "Czapla".

Tu-20 Bausatz in 1:100 von PLASTICART aus der DDR

Devoitine D500/501 von SMER aus den 70ern

Der klassische Hersteller FROG ging 1977 in Konkurs - die Formen wurden von NOVO (Sowjetunion) und REVELL aufgekauft.

Miles Magister in 1:72 von NOVO, die Form ist von FROG

Polikarpow I-16 von REVELL, 1970

MiG-19 von KP - diesen wie andere Kits dieser Firma gibt es noch heute in fast unveränderter Form.

Weitere bekannte Hersteller aus dieser Zeit sind MATCHBOX und AMT sowie HOBBYCRAFT. Der Plastikmodellbau hatte im Laufe der Jahre viele ernsthafte Anhänger gefunden. Mit anwachsenden Zahl von Kitherstellern wurde die Angebotspalette immer grösser und das Zubehör wie spezielle Farben, Klebstoffe, Werkzeuge und Hilfsmittel hielt mehr und mehr Einzug in die Kataloge der Hersteller.

Aus dem Matchbox-Angebot von 1979

 

Der allmähliche Einzug spezieller Airbrushpistolen für den Modellbau lies das Farbkleid der Modell immer professioneller werden. Vorreiter war hier wieder REVELL die mit ihrer Hauseigenen Marke BADGER hier Geschichte schrieb. Die Qualität der Formen und damit der Modelle wurde immer weiter verbessert und verfeinert, die heute vorherrschenden Standardmasstäbe hatten sich durchgesetzt : 1:144, 1:72, 1:48, 1:35 und 1:32.Viele Kits aus den 70er Jahren sind bis heute bekannt geblieben und auch teilweise fast unverändert aber in neuer Verpackung erhältlich.

Der F-16 Kit in 1:72 von REVELL, 1975. Hier war auserdem eigentlichen Modell das Triebwerk mit dazugehörigen Wagen und ein Schleppfahrzeug sowie zwei Bodenpersonal-Figuren enthalten.

Im Jahr 1979 trat in Deutschland ein bis heute unter Modellbauern höchst Umstrittenes Gesetz in Kraft :Der Paragraph 86. Dies bedeute für den Modellbau das NS-Embleme, Hakenkreuze usw. auf Verpackungen, Bauanleitungen und Abziehbildern entfernt werden müssen. Wo dann hier Vergangenheitsbewältigung aufhört und Geschichtsverfälschung beginnt sei dahingestellt...

Der Plastikmodellbau hatte sich zu einer etablierten Sparte des Modellbaus entwickelt : es gab nun weltweit entsprechende Clubs und Vereinigungen, es wurden Messen und Ausstellungen organisiert und durchgeführt. Dabei wurden im Laufe der Zeit auch zunehmend Kontakte zu den Herstellern geknüpft um Auswahl und Qualität der Sortimente und Produkte zu verbessern.