Modellbauausstellung des A.V.Z.O Cheb 2004

Wir hatten es schon länger geplant, nun endlich war es mal soweit : Jörg und ich fuhren mal zusammen auf eine Ausstellung in die Tschechei. Ich wollte mir das schon immer mal ansehen - mit seinen Berichten vom E-Day aber hatte mir Jörg den Mund endgültig wässrig gemacht.
Die Tscheschiche Republik ist ein regelrechtes Modellbauland : Hersteller wie Eduard, Aires, KP, MPM, CMK und Andere sind Weltweit bekannt. Genauso aber bekannt ist, was tscheschiche Modellbauer aus diesen Produkten so zusammen zaubern.
Cheb (Eger) ist eine Stadt mit ca. 30.000 Einwohnern kurz hinter der Grenze. Recht bekannt ist hier vielen Modellbauern der MPM - Laden auf dem Markt. Aber Cheb hat innerhalb des Dachvereins A.V.Z.O ( Landesweiter Sport - und Freizeitverband mit vielen Vereinen ) auch eine Plastikmodellbaugruppe. Und diese lud am 6. November zu Ihrer Ausstellung in der Aula der Universität Cheb ein.
Sonnabend Früh ging es also mal wieder los, Andreas und ich stiegen mit unseren Modellkartons zu Jörg ins Auto. Unterwegs trafen wir uns noch mit Ulli und Axel - wir waren nämlich inzwischen eine Gruppe von 5 Modellbauern die sich eine Tscheschiche Modellbauausstellung mal ansehen wollten. Die Anreise verlief Problemlos, und pünktlich um 09:00 Uhr trafen wir vor der Universität ein, wo wir sofort von einem Clubmitglied des A.V.Z.O. begrüßt und eingewiesen wurden.

Der Ausstellungsraum war dicht bebaut mit den Ausstellungstischen, welche mit weisen Tischdecken belegt waren. Nach einer kurzen Info der Gastgeber bauten wir nun unsere Modelle auf - schön sortiert nach den Modellkategorien. Denn die gesamte Ausstellung ist im Grunde nichts weiter als einziger, großer Wettbewerb.

An dieser Stelle ist es wohl an der zeit, das ich mal einiges zur tscheschichen "Ausstellungsmentalität" sage. Die tscheschichen Modellbauer sehen eine solche Ausstellung vollkommen anders als wir Deutschen : Die Dauer beträgt in der Regel nur einen Tag, fast alle Modelle nehmen in ihren Kategorien am Wettbewerb teil. Dazu werden sie von den Ausstellern gemeldet, wozu vorbereitete Modellschilder ausgefüllt werden müssen. Die Bewertung erfolgt dann mittels Stimmzetteln durch die Aussteller oder durch eine Jury. Nach dem dies passiert ist, verlässt man die Ausstellung um sich Stadt, Leute und vor allem Modellbaugeschäfte zu besehen. Bei dieser Ausstellung waren 8 Kategorien vorgesehen, zusätzlich wurden 3 Sonderpreise vergeben : Einmal für das beste Pavla - Modell, dann für das beste Modell eines sowjetischen Flugzeuges sowie eines Extrapreises für den Aussteller mit den insgesamt besten Modellen. Ein oder zwei Ausstellungstage mit längeren Gesprächen, hinter ihren Tischen sitzenden Ausstellern und einem Wettbewerb nur am Rande - das ist den Tschechen nur aus dem Ausland bekannt.

Unser freundlicher Dolmetscher des A.V.Z.O Cheb

Außer uns waren noch eine andere, starke deutsche Modellbaufraktion vertreten : der PMC Leipzig. Und so sah man wieder etliche bekannte Gesichter. Beim Bewerten der Modelle war das typisch hohe Modellbauniveau der Gastgeber deutlich sichtbar. Aber auch etliche Modelle der deutschen Modellbauer brauchten keinen Vergleich zu scheuen. Besonders interessant und beachtenswert aber war ebenfalls sehr hohe Niveau von den jugendlichen tscheschichen Modellbauern, welche auch zahlenmäßig stark vertreten waren. Diese Modelle kamen teilweise übrigens in keine extra Juniorenkategorie - die Veranstalter befanden das Niveau dieser Modelle (berechtigt) so hoch, da sich ruhig mit den Erwachsenen messen sollten. Mein persönlicher Favorit war eine vollscratch gebaute 48er L-200 "Morava". Besonders interessant war es hier zu erfahren, das deren Tragflügel auf Grundlage des Aero-45 Bausatzes von Plastikart entstand.

Nachdem wir nun mit unserer Bewertung fertig waren und den anwesenden Pavla - Händler um so Einiges erleichtert hatten, begaben wir uns zunächst zu besagten Modellbauladen. Jörg und Ulli sind hier jahrelange Stammkunden, und so wurde unser Kommen mit lauten Hallo begrüßt. Aber nicht nur über uns konnte sich der Händler freuen, auch die anderen deutschen Modellbauer trafen so nach und nach im Geschäft ein und sorgten für einen beträchtlichen Umsatz. Natürlich machen die Preiserhöhungen auch vor tscheschichen Geschäften nicht halt - aber dennoch bekommt man hier alle Artikel entschieden billiger als in Deutschland, vor allem die aus tscheschicher Herstellung ( und das ist ja recht viel). Beim anschließenden gemütlichen Mittagessen (3 Gänge für 4,35 Euro) tauschten wir nun erst mal unsere Eindrücke aus und legten unser weiteres Tagesprogramm fest. Von vornherein war festgelegt, das wir hier in Cheb Abends einen gemütlichen Umtrunk veranstalten, und auch hier übernachten wollten. Zunächst aber hieß es zur Preisverleihung der Ausstellung zu gehen, die Modelle einzupacken und auch noch dem Supermarkt einen Besuch abzustatten.

Auch Original - Fundstücke waren zu bestauen : Teil einer über Tschechien abgeschossenen B-17

Also ging es nun nach dem gemütlichen und guten Mittagessen zur Siegerehrung des Wettbewerbes. Diese lief genauso ab wie es in Deutschland üblich ist. Da die tscheschiche Sprache mir nun nicht geläufig ist , konnte ich oft nicht feststellen welches Modell nun gerade prämiert wurde. Von den Junioren durften insbesondere zwei Modellbauer etliche Auszeichnungen entgegennehmen. Aber auch bei den Erwachsenen war deutlich erkennbar, das tscheschiche Modellbauer in weit als mehr als einer Kategorie starten. 

Dieser Steppke ist 7 Jahre alt - und einer der Preisträger ... (die sichtbaren Modelle sind von Ihm !)

Die "Konkurrenz" bei den 72er Flugzeugmodellen war erwartungsgemäß (hier waren auch die mit Abstand meisten Modelle vertreten) besonders stark. Um so mehr erfreute es uns, das Jörg den 2. und den 3. Platz belegen konnte ( 2. für seine S-328, den 3. vermutlich für seine Typhoon). Axel holte sich die Auszeichnung für das beste Pavla - Modell mit seiner beeindruckenden Bachstelze. Den 1. Platz (sowie einige andere Platzierungen in anderen Kategorien) und den Pokal für die besten Modelle allgemein wurde dem Erbauer der sehr guten Mosquito überreicht. 

Entgegen meinen Erwartungen durfte aber auch ich noch nach vorne kommen - ich hatte mit meiner Tu-16 den Preis für das beste sowjetische Modell erreicht. Mit solchen Erfolgen hatten wir insgesamt nicht gerechnet und freuten uns natürlich dementsprechend.

Der Gewinner in 1/72 und Gesamtpreisträger - wenn ich doch nur noch die Namen wüsste ...

Damit war dann diese Ausstellung auch bereits beendet. Wir packten also ein, bedankten uns bei den Gastgebern und benahmen uns dann im Supermarkt wie Waschechte "Ossis" vor der "Wende". Aber wir kauften keine einzige Banane ! Danach ging es dann ab in unser Hotel, in welchem Ulli und Axel zwischenzeitlich unser Zimmer gebucht hatten. Was erwartet man nun von einem Hotel , wo der Zimmerpreis pro Person inklusive Frühstück, gerade mal 15 Euro beträgt ? Ganz ehrlich, ich habe nicht viel erwartet. Und wurde deshalb äußerst positiv überrascht ! Das Hotel präsentierte sich für "westliche" Verhältnisse im absoluten Topzustand : Zimmer, Einrichtung, Duschen und WC, Steckdosen, Lampen, Telefon und Lichtschalter, Flur und Möbel sowie Restaurant und Biergarten  - einfach alles Liebevoll, ordentlich und sauber und modern, dazu schöner Stuck und farblich abgestimmte Tapezierung. Das war ein echter krasser Gegensatz zum diesem geringen Preis. Das, unsere Plazierrungen sowie Axels Nachwuchs ( eine kleine Marie) wurden nun zunächst also erst mal mit mehreren lecker Bierchen begossen. Dazu packten wir unsere neuesten Errungenschaften aus dem MPM - Laden aus. Hier musste ich leider feststellen das ich einfach an so einigen interessanten Sachen vorbeigegangen war, weswegen ich eine Nachbestellung orderte.

Unser (sehr gutes) Abendbrot nahmen wir im Hotelrestaurant ein, und spülten dies mit weiteren lecker Bierchen herunter. Leider wurde das schöne Restaurant bereits gegen 22:00 Uhr geschlossen. Irgendwie aber war die Luft dennoch recht trocken. Also hoch auf unsere Zimmer ( Reserven haben wir ja immer). Im Flur aber entdeckten nun einen weiteren Raum : Die Hotelbar. Geöffnet bis zum frühen Morgen ! Das nahmen wir wörtlich, und kamen so erst gegen 03:00 Uhr in unsere Betten. Den Wecker am nächsten Morgen hörte ich dennoch. Nur reagierten nun auf unserem Zimmer keine Lichtschalter. Auch im Flur nicht. Ein Blick aus dem Fenster : Ganz Cheb hatte einfach kein Strom ! Wir aber hatten Hunger und Kaffeedurst, und machten uns nun Sorgen um das Frühstück. Aber das war dennoch komplett bereit mit allem was dazu gehört. Was in Deutschland zu einem sicheren Chaos geführt hätte, nahmen die Tschechen mit Ruhe und Gelassenheit. Wir aber hatten unser vorzügliches Frühstück, was meinem doch recht schweren Kopf gut bekam. Ja, und dann ging es wieder mal nach Hause. Wo der Stapel der ungebauten Bausätze nun wieder etwas größer wurde ...

Flugzeuge 1/72

 

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