"Fête de la maquette" Modellausstellung des IPMS Brüssel 2002

Irgendwie hatte der PMC-Thüringen es geschafft zu den europäischen Modellbauclubs zu gehören die eine Einladung zur Modellbauausttellung des IPMS Brüssel 2002 bekommen haben. Belgien und Brüssel - das klingt mächtig gut und ich war noch nie dort also fuhr ich mit 3 weiteren Modellbaufreunden quer durch Deutschland nach Belgien. Deutschland ist reich - Belgien ist noch reicher : die Autobahnen sind schnurgerade und voll beleuchtet. Die Brüsseler müssen ihrem Fahrstil nach ebenfalls weitaus reicher sein als wir Deutschen. Wichtig sind im Brüsseler Strassenverkehr jedenfalls die Spiegel und ein enormer Vorwärtsdrang. Sehr wichtig ist es das man als Fremder in Brüssel auch einen ordentlich Stadtplan hat - es geht aber auch ohne wenn man genug Benzin und Zeit hat aber keinen richtigen Stadtplan wie wir . So lernten wir schon mal aus dem Auto heraus die halbe Stadt kennen. Schliesslich wollte der Zufall es das wir an unserem Hotel ankamen wo wir schon sehnsüchtig von unserem Clubchef erwartet wurden. Beim einchecken konnte wir feststellen das die Belgier nicht belgisch sondern französisch, englisch und auch deutsch sprechen was bei uns Deutschen wiederum nur selten der Fall ist. Das Hotel selber hatte einen Stern und dieser steht anscheinend für die Hoffnung das das Haus in seinem Zustand noch weitere hundert Jahre hält. Eine besondere Sehenswürdigkeit des Hauses ist sein Fahrstuhl : Baujahr 1874 und seitdem fast unverändert ! Original Holzkabine für 2 Personen oder 150kg und mit guter Aufschlaggeschwindigkeit. Lediglich die neuzeitliche elektrische Beleuchtung passte nicht zu diesem denkwürdigen musealem Kleinod. Flogger und ich hatten unsere Freude an diesem historischen Stück Technik - unser Zimmer befand sich in der 5. Etage. Von dort aus hatten wir immer einen guten Ausblick auf Brüssel. Den brauchte ich immer wenn ich auf dem Zimmer war da Brüssel im Gegensatz zu unserem Zimmer sehr schön ist. Dennoch hatte unser Clubchef das Hotel gut gewählt : es war im Gegensatz zu manch anderen in Brüssel bezahlbar und befand sich vom Ausstellungsort nur 5min. Fussweg entfernt. An diesem Abend setzten wir uns noch hinunter in das Strassenrestaurant um etwas zu essen und original Belgisches Bier zu trinken. Auf das meiste belgische Bier brauchen die Belgier sich aber nichts einzubilden. Kochen können sie weitaus besser. Anschliessend ging ich mit Flogger noch ein wenig spazieren. In der Nähe war eine Art "Triumpfbogen" (der vielleicht auch so heisst) und der sehr imposant aussieht - besonders bei Nacht. Mun hatte ich zwar mein Stativ über 600km durch Europa gekarrt aber auf diesem 5minütigen Fussweg nahm ich es nicht mit. Das war ein Fehler - Nachtaufnahmen kann meine Digitalkamera ganz gut - sie sollte aber dabei nicht wackeln. Dennoch bekamm ich einige wenige Aufnahmen hin von dem Triumpfbogen ohne zu wissen das dort morgen die Modellbausstellung des IPMS Brüssel stattfinden würde.

Am nächsten Morgen - Nein über das Hotelfrühstück schreibe ich nichts sonst denkt man Belgien hätte nur schlechte Seiten was aber gar nicht stimmt. Dannach jedenfalls fuhren wir zum Ausstellungsort - dem 
Musse de l' Air , Teil des Königliche Museum der Armee und Kriegsgeschichte. Und ganau dazu gehörte besagter Triumpfbogen an dem wir vorigen Abend versuchten Nachtaufnahmen zu machen. Also raus mit den Modellen und hinein in die Halle und - Luft anhalten ! - das war es, das Märchenland des Flugzeugmodellbauers , eine grosse Halle voll mit Originalflugzeugen aus aller Welt und allen Epochen. Und genau dazwischen, davor und darunter bauten die Aussteller ihre Modelle auf.

Wir taten es mit grosser Freude ebenfalls und dann ging es natürlich auf zur ersten Rundschau durch eine Welt voller grosser und kleiner Wunder. Und da gab es nun genug zu sehen- auf der einen Seite jede Menge Modelle von Erbauern aus ganz Europa und dann eben die echten Vögel die dicht gedrängt in der Halle standen oder hangen.

Ein Wettbewerb fand ebenfalls statt - ich aber nahm nicht teil um meinen Kollegen vom PMC Thüringen auch mal eine Chance auf Auszeichnungen zu geben. Sie haben es verdient echt - was sie mal wieder so auspackten konnte einen richtig Angst oder Lust darauf endlich mal mit richtigen Modellbau zu beginnen. Natürlich waren auch Händler anwesend. Hervorstechend hierbei war das diese vor allem Bausätze aus lange vegangenen Jahren von Airfix, Frog, Novo, Heller, Hasegawa oder Revell im Angebot hatten. Offenbar wollten sie dem musealen Charakter Rechnung tragen. Dafür war bei den Preisen überwiegend ebenfalls die Zeit stehengeblieben und so war so manches Schnäppchen möglich. Das gesamte Museum beherbergt ausserdem noch ein Automobil- ein Panzer- und ein allgemein militärhistorisches Museum die für Aussteller und Zuschauer (die reichlich kamen) zugänglich waren. So drehte ich manchmal ganz schön grosse Runden und entdeckte immer wieder interressante Exponate. Das schönste aber für mich war das Flugzeugmuseum mit der Modellbauausstellung. In Belgien setzt man mehr auf Vernunft als auf Verbote und so kann der Interressierte nicht nur an die Flugzeuge heran sondern auch in diese hinein - und so sass ich erstmals in einer echten Spitfire ! In der Halle befand sich ein Bistro in dem man alle Arten von Getränken, Snacks und auch einige warme Speissen erstehen konnte (zu richtig humanen Preisen).

Schön war das man auch Bekannte aus dem WWW begrüssen konnte - Tim Veerecke von Modellversium und "Starfighter" aus dem Flugzeugforum schüttelten uns die Hände. Mit den beiden jungen Belgiern kann man sich schön unterhalten, Modelle bestaunen und bei den Händlern auf Jagd nach Nachschub gehen (das gelang den Beiden ganz gut).

Am Abend des ersten Ausstellungstages ging es dann schliesslich per U-Bahn und günstiger Gruppenkarte (die Fahrscheinautomaten in Belgien sind auf dem modernsten Stand : Mehrsprachig, einfach zu bedienen und arbeiten mit günstigen Tarifen) in die Innenstadt. Brüssels Innenstand ist ein wunderschöner Anblick und es herrscht ein gewaltiges Fussgängergetümmel. Wir wollten zu Abend essen und suchten nach einem Restaurant. Das kann in Brüssel schwer und leicht gleichzeitig sein : ein Restaurant neben dem anderen, alle sehen gut aus, alle haben Tische draussen und drinnen, bei allen sind die Tische festlich eingedeckt, überall sitzen Leute drin , überall sind Plätze frei, und überall ist das Restaurantpersonal auf Kundenfang. Wir gingen schliesslich irgendwo rein. Die Bedienung war gut, das Essen auch, der Abend schön und die Abrechnung gepfeffert. Das letztere aber war uns dann aber auch egal. Auf dem Heimweg zur U-Bahn wurde ich regelrecht erschlagen von den herrlichen Eindrücken dieser Innenstadt bei Nacht : Die Strasse und Gassen voll von Menschen, überall voller Betrieb und die schönen alten Häuser angestrahlt und beleuchtet, die Geschäfte alle offen und jede Menge Kleinkünstler. Das muss man alles gesehen haben - ich dachte dabei an das nächtliche Gera. Gera ist dagegen selbst zu Festlichkeiten der reinste Friedhof dagegen.

Den Rest des Abends verbrachten wir dann im dem Restaurant am Hotel bei belgischen Bier und den dazu gereichten Erdnüssen bei Gesprächen über Gott und die Welt. Der nächste Morgen kam und das nächste Frühstück - ich bleibe dabei das ich diese Ausnahmeerscheinung belgischer Gastronomie nicht weiter beschreibe - und dann ging es wieder in die heilige Halle des Luftfahrtbegeisterten Modellbauers. Dort konnte man eine schöne Gepflogenheit europäischer Modellbauclubs beobachten : diese luden sich gegenseitig zur Weinverkostung ein. So etwas habe ich in Deutschland noch nicht gesehen, es ist eine gute Idee zum Kontakte knüpfen. Diesen Tag verbrachte ich hauptsächlich damit jede Menge Fotos von den mich interressierenden Museumsflugzeugen zu schiessen - so nah und im Falle der MiG-21F13 auch in den Rumpf hinein kommt man so schnell nicht wieder. Am Späten Nachmittag schliesslich kam es zur Siegerehrung der Wettbewerbsteilnehmer . Meine 3 Thüringer Modellbaukollegen hatten ja mitgemacht und sorgten nun für mächtig Werbung für unseren Club : insgesamt 6 Preise konnten sie holen ! Damit gehörte unser Club trotz starker Konkurrenz seitens der Tschechen und Polen zu den erfolgreichsten. Damit war die wirklich gute Ausstellung beendet. Wir packten zusammen und dann ging es wieder in die Innenstadt. Dank guter Aufklärungsarbeit von Flugi's Ehefrau ging es diesmal in eine andere Richtung der Innenstadt und wir landeten schliesslich bei einem Italiener. Dort war auch alles wie bei dem Restaurant am vorigen Abend - nur das das Essen noch besser ( ich hatte ein Riesensteak mit einer unvergesslichen Pfeffersauce - grandios !) und die Rechnung dafür viel günstiger war. Ich hätte da noch stundenlang sitzen können, aber irgendwann muss ja Schluss sein und so bummelten wir noch ein wenig durch die Innenstadt die sich genauso präsentierte wie am vorigen Abend. Das genoss ich noch mal richtig - am nächsten Tag ging es ja wieder nach Hause in das muffige Friedhofs-Gera.

Am nächsten Morgen nach dem - ich beschreibe das Hotelfrühstück lieber wieder nicht - nach Hause. Der Fahrstuhl funktionierte übrigens immer noch. Wir verliesen Brüssel in der Hoffnung bei der Nächsten Ausstellung des IPMS Brüssel wieder dabei sein zu dürfen. Ich habe in Brüssel zwar keine Brüsseler Spitze gesehen aber eines weis ich nun genau :

Brüssel ist Spitze !

Fotos habe ich genug gemacht - die kann ich aber nicht alle zeigen sonst wird der Bericht hier nie fertig. Die kleine Auswahl aber sollte doch zeigen das es sich voll gelohnt hat :